SEPA: Checken und Testen vor dem DTA-Finale

by Dirk Elsner on 28. November 2013

Immer wieder lese ich in diesen Wochen, dass SEPA kommt und es höchste Zeit sei, dass sich Unternehmen, Vereine und andere Organisation darauf vorbereiten sollten. Solche Darstellungen hinken, weil SEPA längst in Europa angekommen ist. Richtig ist freilich, dass sich alle, die sich auch in Zukunft am kommerziellen Zahlungsverkehr beteiligen wollen, nun schleunigst dafür rüsten müssen. Am 1.2.2014 wird nämlich nicht SEPA abschließend eingeführt, sondern die Banken sind per Gesetz gezwungen, die nationalen Zahlungsverfahren abzuschalten. In Deutschland ist dies das von Unternehmen genutzte Datenträgeraustausch-Verfahren (DTA). Wer dann nicht vorbereitet ist, der wird nicht nur zwangsläufig Probleme mit seinem Zahlungsverkehr, sondern auch mit seiner Buchhaltung bekommen.

Ich fürchte wir werden ab Februar eine ganze Menge Schlagzeilen zu SEPA lesen. Ob wirklich der große Knall droht, wie die Wirtschaftswoche vermutete, kann ich nicht sagen. Gerade erst aber hat Bundesbank Vorstand Carl-Ludwig Thiele gewarnt, dass wir in Deutschland fast Schlusslicht bei der Umstellung im Euroraum seien. In Deutschland sind laut Thiele von arbeitstäglich knapp 25 Millionen Überweisungen im Wert von rund 227 Milliarden Euro noch über 23 Millionen Überweisungen umzustellen. Und obwohl mittlerweile die Risiken längst auch in Aufsichtskreisen gesehen werden, betont Thiele erneut, es gäbe keinen Plan B. Ein Plan B sähe vor, dass die Abschaltung der bisherigen Bezahlverfahren verschoben wird.

Wer die Serie zur SEPA-Umstellung auf CFOWorld seit September 2012 verfolgt und sich entsprechend vorbereitet hat, der dürfte entweder schon fertig sein oder mit wenigen Problemen starten. In jüngster Zeit erreichen mich gleichwohl häufiger Fragen dazu, wie man denn nun SEPA vor der finalen Einführung testen kann.

Dazu gibt es keine klare und für alle gültige Antwort. Wie man die SEPA-Einführung testen sollte, hängt von mehreren Faktoren ab, insbesondere davon welche Zahlungsinstrumente man nutzt, wie hoch die Zahl der Transaktionen ist, über welchen Weg die Transaktionen an die Banken geleitet werden und wie vernetzt die Zahlungsverkehrssysteme mit den eigenen Buchhaltungssystemen sind.

Einführung ohne Test?

Die vielleicht einfachste aber auch riskanteste Art ist es, die eigenen Systeme und Prozesse umzustellen und dann mit kleinen Beträgen Überweisungen und Lastschriften im Echtbetrieb zu testen. Dieses Vorgehen kann ich nicht ernsthaft empfehlen, auch wenn es sich für Kleinstbetriebe und Freiberufler bewährt haben mag. In dem Moment, wo es aber um umfangreichere Zahlungsdateien geht, ist hier das Risiko zu groß, dass die Dateien nicht verarbeitet werden können.

XML-Checker

Einige Unternehmen bieten Tools an, mit denen Unternehmen prüfen können, ob die aus eigenen Anwendungen erzeugten Dateien auch wirklich SEPA-konform sind. So prüft etwa der kostenpflichte SEPA XML Checker der Star Finanz die Dateien auf syntaktische und semantische Gültigkeit und hilft Fehler zu identifizieren. Es wird außerdem geprüft, ob eine IBAN fehlt und die angegebene BIC gemäß Verzeichnis der Deutschen Bundesbank für SEPA erreichbar ist.

Ähnlich arbeitet der kostenlos erhältliche VR-FormatPrüfer. Er erkennt verschiedene Zahlungsformate und prüft diese auf Korrektheit und SEPA-Konformität. Dabei werden sowohl der Aufbau als auch der Inhalt der hochgeladenen Dateien überprüft. Fehlerhinweise oder Empfehlungen zur Korrektur werden dabei zu jeder Datei ausgegeben.

Solche Tools helfen nicht nur in der Phase vor der SEPA-Einführung, sondern schaffen zusätzliche Sicherheit, wenn Unternehmen schon mit SEPA produktiv sind.

Anspruchsvolle Testbank-Lösungen

Tools wie der XML-Checker helfen zwar die Qualität der ausgehenden Zahlungsdaten zu bewerten, sie geben aber keine Hinweise darüber, wie eingehende Daten in den eigenen Systemen weiter verarbeitet werden. Fachleute sprechen von End-to-End-Tests, mit denen auch die Auswirkung falscher Einreichungen, die daraus resultierenden R-Transaktionen und das Einlesen von Kontoauszugsdaten simuliert werden können.

Die Idee dahinter, so der Anbieter einer solchen Lösung, die EFiS, ist die Simulation der kompletten Abwicklungsplattform einer Bank. “Die EFiS-Testbank funktioniert dabei analog zu den Geschäftsbanken und führt die gleichen Aufgaben und Prozesse durch. Da die EFiS-Testbank nicht am realen Zahlungsverkehr teilnimmt, können Transaktionen gefahrlos validiert, getestet und simuliert werden.

Neben dem Zahlungsverkehrspezialisten EFiS bietet die Hamburger PPI AG einen solchen SEPA-Test-Service. Auch hier betont der Anbieter, dass neben der EBICS-Einreichung die korrekte Verarbeitung von CAMT-Formaten sowie der fachlichen Informationen in CAMT und MT zu R-Transaktionen (Rückgaben) in den eigenen Anwendungen getestet werden können.

Auch IBM informiert über eine Broschüre über einen SEPA-Testing-Service informiert. Die entsprechende Webseite ist aber nicht erreichbar. Die Commerzbank bietet zusammen mit dem Dortmunder IT-Dienstleister Adesso ebenfalls ein Testverfahren an.

Solche Testbank-Lösungen sind zwar deutlich teurer, bieten aber qualifizierte Testmöglichkeiten, um neben den neuen Formaten auch weitergehende Verarbeitungsabläufe zu überprüfen. Sie stoßen damit in eine Lücke, die die Banken selbst gelassen haben, weil die meisten Kreditinstitute keinen offenen Testzugang anbieten können.

Die Spannung steigt

Informationen der EZB im Second SEPA Migration Report bestätigen, dass sich viele Akteure dazu entschieden haben, erst im letzten Quartal des Jahres 2013 oder sogar noch später umzustellen. Dies erhöht nach Auffassung der Zentralbanker die operationellen Risiken und die Möglichkeiten, Rückschläge oder unerwartete Entwicklungen in der verbleibenden Zeit rechtzeitig zu bekämpfen.

Ich erspare mir die Schlusszeile, dass es höchste Zeit ist, sich auf SEPA vorzubereiten. Unternehmen die das bisher nicht getan haben, sollten jetzt eher an einem Notfallplan arbeiten.


Diese Beitrag ist eine leicht überarbeitete und aktualisierte Fassung eines Beitrags, den ich für die Webseite der CFOWorld geschrieben habe.


Mit SEPA befasse ich mich derzeit für meinen Arbeitgeber, die Unternehmensberatung Innovecs. In den vergangenen Monaten habe ich diverse Beiträge zu SEPA verfasst und jede Menge weiterführende und im Netz verfügbare Hinweise gefunden, die ich auf der Seite SEPA-Übersicht: Informationssammlung und Dokumente archiviere. Diese Sammlung richtet sich an Personen, die in ihren Unternehmen mit der Umsetzung und Implementierung von SEPA beschäftigt sind. Die Aufstellung ist nicht vollständig und wird fortlaufend erweitert.

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