Peer-to-Peer-Marktplätze für die Unternehmensfinanzierung

by Dirk Elsner on 22. April 2014

Für regelmäßige Leser dieses Blogs ist es nichts Neues, dass die Unternehmensfinanzierung sich im Umbruch befindet. Banken unterschätzen den Drang vieler Unternehmen, sich nicht mehr über Banken finanzieren zu wollen, und reagieren darauf ausgesprochen defensiv. Das nachhaltende Grummeln vieler Unternehmen, die immer noch enttäuscht sind über das Finanzierungsverhalten der Banken während der Finanzkrise und den Jahren danach, wollen oder können Banken offenbar nicht hören. Fakt ist jedenfalls, dass das Finanzierungswachstum über Bankkredite seit Jahren rückläufig ist. Ich habe auf die Daten in meinen Kolumnen für die CFOWorld und das Wall Street Journal hingewiesen.

Ob die Finanzierungsbörsen (= Peer-to-Peer-Marktplätze, P2P) davon profitieren werden, ist noch offen. Das Grundprinzip dieser Marktplätze, hatte ich zum Beispiel 2012 hier erklärt:

„Über elektronische Serviceplattformen vermitteln Kreditbörsen zwischen Kapital suchenden Privatpersonen und zunehmend Unternehmen auf der einen Seite sowie privaten und institutionellen Geldanlegern auf der anderen Seite. Diese „Marktplätze“ ähneln dabei in den Grundfunktionen Börsenhandelssystemen.“

Während sich die Kreditbörsen bisher vorwiegend auf Privatpersonen konzentrierten, starten sie nun mit der Finanzierung von Unternehmen. Darum geht es in meiner neuen Kolumne für das Wall Street Journal P2P-Finanzierung goes Mittelstand.  Darin geht es um weitere Veränderungen durch das Digital Finance. Der Kreditmarktplatz Lending Club überschreitet ein Kreditvolumen von 4 Milliarden Dollar und ist nun in die Unternehmensfinanzierung eingestiegen. In Deutschland ist mit Zencap ebenfalls eine Finanzierungsbörse für Unternehmen gestartet.

Der Pionier für die P2P-Finanzierung von Unternehmen ist freilich das britische Start-up Funding Circle, das 2010 die ersten Angebote startete und mittlerweile Finanzierungen bis zu einer Millionen britischer Pfund anbietet.

An der Entwicklung in Deutschland überrascht mich eigentlich nur, dass sie so spät kommt. Bereits 2009 hatte ich über diese Form der Unternehmensfinanzierung hier in diesem Blog nachgedacht. Damals hatten sich in Deutschland gerade die ersten Finanzierungsplattformen für Privatpersonen etabliert, wollten aber noch kein Angebot für Unternehmen aufbauen.

Das klassische Finanzsystem wird so reagieren, wie es Edward Hadas einmal für Breaking Views schrieb: “Wenn neue Erkenntnisse alte Vorstellungen infrage stellen, besteht die erste Reaktion meist darin, die neuen Entwicklungen wegzudiskutieren.” Ob es auch hier so sein wird, muss man sehen.  In einigen Finanzkreisen spricht sich nämlich mittlerweile herum, dass P2P eine (Teil-)Lösung für die steigenden Eigenkapitalanforderungen sein könnte. In In Australien, so berichtete der Blog startup smart, hat sich die Bank Westpac’s Reinventure Group an einer P2P-Plattform beteiligt.

Da Banken P2P-Kredite nur für eine juristische Sekunde in den Büchern halten, brauchen sie diese nicht mit Eigenkapital zu unterlegen. Außerdem zeigen die Plattformen, dass man Prozesse für standardisierte Kredite auch effizient und kostengünstig organisieren kann. Hier krankt es noch in vielen Banken, deren Kreditprozesse in den letzten Jahren zwar an die enorm gestiegenen regulatorischen Anforderungen angepasst wurden, nicht aber an die Bedürfnisse ihrer Kunden. Die empfinden die Kreditvergabe mittlerweile als sehr bürokratisch und langwierig. Daneben gefällt es vielen Unternehmen nicht, dass ihre Betreuer bei der Verantwortung für die Zusagen oft auf ihre Marktfolgebereiche verweisen.

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