Simple, smart, sexy: Welches Potenzial haben innovative Finanzierungsformen? (Teil 1)

by Gastbeitrag on 24. Februar 2015

Von Julia Semle und Jan Ackermann*

Zielsetzung

Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise müssen sich Kreditinstitute zahlreichen neuen Herausforde­rungen, z. B. aufgrund verschärfter regulatorischer Rahmenbedingungen stellen. Diese neuen Rege­lungen, insbesondere im Kontext von Basel III, tragen teilweise auch dazu bei, dass Banken bei Fi­nanzierungen vorsichtiger agieren. Sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen, die von Kreditinstituten als eher risikoreich eingeschätzt werden, wurde der Zugang zu Krediten damit er­schwert. Folglich suchen diese nach alternativen Lösungsmöglichkeiten. In den letzten Jahren konn­ten sich nun einige Unternehmen etablieren, die innovative Finanzierungsmöglichkeiten anbieten. Diese sind als neue Wettbewerber der traditionellen Kreditinstitute in den Kreditmarkt eingetreten.

Vor allem Finanzierungen über das Web 2.0 haben an Bedeutung gewonnen. Ein großer Anteil der über das Internet begebenen Kredite wird über eines der beiden folgenden innovativen Konzepte dargestellt: Crowdfunding und Peer-to-Peer-Kredite. Wenngleich diese Finanzierungsalternativen zunächst kaum wahrgenommen wurden, so lässt sich in den letzten Jahren doch ein deutlich stei­gender Bekanntheitsgrad von Crowdfunding und Peer-to-Peer_Krediten beobachten. Dies resultiert unter anderem auch aus dem für Kreditnehmer transparenten und einfachen Kreditvergabeprozess der entsprechenden Plattformen.

In diesem Beitrag soll herausgearbeitet werden, inwiefern die Kreditvergabe über diese Online- Marktplätze eine nachhaltige Konkurrenz für traditionelle Banken darstellt. Auch stellt sich die Fra­ge, ob durch Adaption derartiger Konzepte gegebenenfalls auch Chancen für Kreditinstitute beste­hen.

Gang der Untersuchung

Zunächst wird ein kurzer Überblick über bereits bestehende, traditionelle Finanzierungsmöglichkei­ten gegeben. Im darauffolgenden Kapitel wird das aktuelle Marktumfeld beleuchtet und anschlie­ßend Crowdfunding- sowie P2P-Plattformen und deren jeweilige Funktionsweise charakterisiert und näher beschrieben. Regulatorische Anforderungen und bestehende Marktpotentiale sind ebenfalls Bestandteil dieses Abschnittes. Darauf aufbauend erfolgen eine Einschätzung der Risiken sowie eine Beurteilung der Chancen durch eine mögliche Implementierung, die sich für Kreditinstitute durch die in Kapitel 3 beschriebenen Finanzierungsalternativen ergeben. Die Untersuchung schließt mit einem Blick in die Zukunft des Marktes für Crowdfunding- und P2P-Plattformen hinsichtlich des traditionellen Bankgeschäftes ab.

Klassische Finanzierungsformen

Privatpersonen und juristische Personen haben verschiedene Möglichkeiten, um die Mittel zur Inves­titionsfinanzierung zu beziehen. Güter können z.B. mithilfe von freiem und verfügbarem Kapital oder durch die Aufnahme von zusätzlichem Fremd- oder Eigenkapital finanziert werden. Darüber hinaus gibt es noch andere unterschiedliche Quellen, die sich für eine derartige Finanzierung eig­nen. Im Folgenden werden vier ausgewählte, gängige Finanzierungsmöglichkeiten genauer erläu­tert.

Bankfinanzierung

Bei einer Finanzierung durch ein Kreditinstitut wird die Privatperson bzw. die juristische Person dazu verpflichtet, für den bereitgestellten Kapitalbedarf eine Zahlung in Höhe der anfallenden Zinsen zu leisten. Am Fälligkeitsdatum des Kredites ist die Person zu einer Rückzahlung des geschuldeten Ka­pitals verpflichtet. Bei einer Finanzierung muss das Kreditinstitut den Investitionszeitraum ermit­teln. Hierbei sollte ein kurzfristiger Bedarf mit kurzfristigen Finanzierungsmitteln finanziert werden und ein langfristiger Bedarf mit langfristigen Finanzierungsmitteln. Für eine kurzfristige Finanzierung wird bei Unternehmen ein Kontokorrentkredit und bei Privatpersonen ein Dispositionskredit ver- wendet. Der Unterschied zwischen beiden Finanzierungen liegt im Verwendungszweck. Beim Kon­tokorrentkredit wird auf dem Konto des Unternehmens eine Kreditlinie eingeräumt, damit wichtige Zahlungen wie Gehälter, Rechnungen und Versicherungen bezahlt werden können. Bei einem sol­chen Kredit kann es vorkommen, dass Sicherheiten verlangt werden. Der Dispositionskredit wird bei Privatpersonen, auf Gehaltskonten, eingerichtet. Die Höhe des Kredites orientiert sich an den mo­natlichen eingehenden Geldbeträgen. Bei beiden Krediten können die Personen jederzeit auf den gewährten Betrag zurückgreifen, solange die Kreditlinie nicht gekündigt wurde. Die Rückzahlung ist nicht an festgeschriebene Modalitäten gebunden. Bei langfristigen Finanzierungen werden Annuitä­tendarlehen oder endfällige Darlehen verwendet. Die Rückführung des Annuitätendarlehens findet wie vertraglich vereinbart statt. Der Rückführungsbetrag verändert sich über die Vertragslaufzeit nicht. Je länger das Darlehen zurückgeführt wird, desto höher wird der Tilgungsanteil. Bei einem endfälligen Darlehen findet eine Tilgungsaussetzung über die Vertragslaufzeit statt. Ausschließlich die anfallenden Zinsen werden zurückgeführt. Der Kreditbetrag wird vollständig zum Fälligkeitsda­tum zurückbezahlt. Beide Kreditarten können variabel verzinst bzw. festverzinst abgeschlossen wer­den. In der nachfolgenden Tabelle 1 werden die wesentlichen Unterschiede der Bankfinanzierung zusammengefasst und gegenübergestellt.

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Leasing

Mobilien oder Immobilien können sowohl von Privatpersonen als auch von juristischen Personen mithilfe von Leasing mittel- bis langfristig finanziert werden. Dies stellt eine Überlassung dieser Güter zum Zweck des Gebrauches dar. Hierzu wird ein Leasingvertrag abgeschlossen. Vertrags­partner sind zum einen der Leasinggeber und zum anderen der Leasingnehmer. Während der ge­samten Zeit der Überlassung des Gegenstandes bleibt der Leasinggeber dessen Eigentümer. Als Gegenleistung für diese Überlassung bezahlt der Leasingnehmer ein zuvor vereinbartes Nutzungs­entgelt bzw. die zuvor vereinbarte Leasingrate. Im Vergleich zum Kauf bietet sich hier der Vorteil, dass nicht der volle Preis auf einmal bezahlt werden muss, sondern eine Liquiditätsbelastung über einen gewissen Zeitraum hinweg erfolgt. Diese Belastung kann für gewöhnlich aus dem laufenden Cash Flow finanziert werden.

Leasingverträge können unterschiedliche Modalitäten aufweisen. In der Regel wird zwischen zwei verschiedenen Leasingverträgen unterschieden: dem Operate Leasing und dem Finanzierungslea­sing. Die Form des Operate Leasings ähnelt Mietverträgen nach den §§535 ff. BGB stark. Das Nut­zungsrecht wird über einen Zeitraum vereinbart, der wesentlich kürzer als die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer des Gutes ist. Damit ist die Vertragsdauer eher kurz. Zum Teil wird keine Dauer fest­gelegt, sondern eine Kündigungsmöglichkeit zu jedem Zeitpunkt geschaffen. Operate Leasing wird zur kurzfristigen bzw. zeitlich begrenzten Befriedigung bestehender Kapazitätsengpässe verwendet. Aufgrund der kurzen Vertragsdauer bzw. der Kündigungsmöglichkeit des Vertrags eignet sich das Operate Leasing nur für Universalprodukte. Aus demselben Grund trägt das Risiko alleine der Lea­singgeber. Das Finanzierungsleasing zeichnet sich durch eine Vertragslaufzeit aus, die zwischen 40% und 90% der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer des Gutes besteht. Im Vergleich zum Operate Leasing gilt für keine der beiden Vertragsparteien ein Kündigungsrecht. Die Leasingraten, die der Leasingnehmer während der Grundmietzeit entrichtet, decken in der Regel die Anschaf­fungskosten, die Finanzierungskosten als auch die Verwaltungskosten des Leasinggebers. Das Fi­nanzierungsleasing eignet sich sowohl für Spezial- als auch für Universalprodukte. Im Vergleich zum Operate Leasing trägt (zu einem großen Teil) der Leasingnehmer das Investitionsrisiko. In der nachfolgenden Tabelle 2 werden die wesentlichen Unterschiede der beiden Leasingarten zusam­mengefasst und gegenübergestellt.

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Factoring

Unter Factoring wird der „Ankauf von Forderungen durch einen Factor" verstanden. Factoring be­treiben zumeist Unternehmen. Sie verkaufen die durch Dienstleistungen oder Verkäufe entstande­nen offenen Forderungen an den Factor, welcher in der Regel eine Spezialbank darstellt. Zum Zeit­punkt des Verkaufs der Forderung erhält das Unternehmen 80% bis 90% der Forderungssumme. Die restlichen 10% bis 20% werden dem Unternehmen bei Zahlung durch den Debitor ausgezahlt. Im Exportgeschäft wird ein Ankauf von Forderungen als Forfaitierung bezeichnet.

Die Spezialbank übernimmt mit dem Ankauf der Forderung mehrere Funktionen. Dies wird dem Unternehmen mittels einer Übernahmegebühr in Rechnung gestellt:

  • Finanzierung,
  • Dienstleistung und
  • Risiko eines Forderungsausfalls.

Harms beschreibt die drei Funktionen wie folgt: Die Finanzierungsfunktion beinhaltet die Freiset­zung von gebundenen liquiden Mitteln, sodass die Flexibilität des Unternehmens erhöht, die Unab­hängigkeit gegenüber Fremdkapital- bzw. Eigenkapitalgebern abnimmt und die Planungssicherheit erhöht wird. Hierdurch können kurzfristige Verbindlichkeiten beglichen werden. Der Factor berech­net dem Forderungsverkäufer einen Zins, der von dem Zeitraum zwischen Ankauf und Bezahlung der Forderung als auch der Bonität des Schuldners abhängt. Die Dienstleistungsfunktion besteht im Wesentlichen aus der Übernahme der Debitorenbuchhaltung und aus dem Mahn- und Inkassowe­sen. Diese können von dem Factor auch für solche Forderungen übernommen werden, die nicht durch diesen finanziert wurden. Hierfür verlangt der Factor eine Gebühr vom Unternehmen. Die Übernahme des Risikos eines Forderungsausfalls übernimmt der Factor zu 100%. Das Risiko einer fehlerhaften Ware oder einer Falschlieferung verbleibt jedoch nach wie vor beim Unternehmen. Wenn der Factor mindestens zwei dieser Funktionen übernimmt, kann das Vertragsverhältnis als Factoring bezeichnet werden. Die Gebühr hierfür errechnet sich aus einem zuvor festgelegten Pro­zentsatz des Bruttobetrags der Forderung.

Venture Capital

Venture Capital (VC) ist nicht gesetzlich definiert, jedoch existiert in der Wirtschaftswissenschaft eine allgemeingültige Definition. In der Rechts- und Wirtschaftswissenschaft wird VC als Wagnis- bzw. Risikokapital bezeichnet. Unter VC-Finanzierungen werden Beteiligungsfinanzierungen für Unternehmen, die zum Finanzierungszeitpunkt nicht börsenreif sind, verstanden. Häufig wird dies von jungen, sich noch in der Gründung befindende kleine und/oder innovative Unternehmen ge- nutzt. VC wird ausschließlich zur Finanzierung von Vorhaben bei juristischen Personen herangezo­gen.

Private Equity wird in der Regel als Oberbegriff für vor- und außerbörsliches Eigenkapital wahrge- nommen. VC ist eine untergeordnete Art von Private Equity, wobei es gewichtete Unterschiede gibt. Der Unterschied zwischen Private Equity- und VC-Finanzierungen besteht darin, dass bei VC in der Frühphase des Unternehmens Kapital zur Verfügung gestellt wird, während bei Private Equity hingegen das Kapital für bereits etablierte, bestehende Unternehmen zur Verfügung gestellt wird. Diese Unternehmen weisen ein vergleichbar niedriges Finanzierungsrisiko auf. Eine VC- Finanzierung lässt sich in fünf typische Merkmale aufgliedern, Eigenkapitalfinanzierung, Minder­heitsbeteiligung, zeitlich begrenztes Engagement, Kontroll- und Mitspracherechte und Management- funktion. Die Finanzierungsphasen werden im Zeitablauf und zwischen Verfassern in Lebenszyklen unterteilt. Es gibt die Frühphasenfinanzierung „early stages" und die Expansionsfinanzierungspha­sen „later stages". Die Unternehmen werden in beiden Phasen durch finanzielle Mittel und persön­licher Managementerfahrung unterstützt. VC-Gesellschaften überlassen zur Finanzierung des un­ternehmerischen Vorhabens eigenkapitalähnliche Geldwerte. Diese Kapitalüberlassung hat eine Beteiligung des Kapitalgebers am Unternehmen zur Folge. Daher wird auch das Synonym Beteili­gungskapital für VC verwendet.

Next Credit – Innovative Finanzierungsformen

Kritische Bewertung der allgemeinen Situation

Aufgrund der in der Finanzkrise aufgetretenen Probleme bei Kredit- und Finanzdienstleistungsinsti­tuten hinsichtlich der nicht ausreichenden Eigenkapitalunterlegung bei der Kreditvergabe wurden neue aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen in Form von Basel III geschaffen. Durch die ver­schärfte Eigenkapitalunterlegung agieren Banken zunehmend restriktiv in der Kreditvergabe. Dies hat zur Folge, dass Kreditinstitute hauptsächlich risikoreichen Finanzierungen kritischer gegenüber­stehen oder unattraktive Kredite mit sehr hohem Darlehenszins anbieten. Dies betrifft besonders junge sowie Start-Up Unternehmen, die nur noch bedingt Bankkredite erhalten. Außerdem ist es für Banken unrentabel Kredite mit geringem Volumen zu finanzieren. Aus diesen Gründen weichen potentielle Kreditnehmer zunehmend auf andere Märkte aus und suchen nach alternativen Finan­zierungsmöglichkeiten.

Ein alternativer Markt für Kreditnehmer ist der Online-Kreditmarkt. Bedingt durch die oben be­schriebenen Veränderungen ist dieser seit dem Jahr 2007 stark gewachsen. Die Wachstumsraten liegen bei 25%-30% pro Jahr. Dies liegt auch an der mittlerweile hohen Durchdringung des Inter­nets bei der breiten Bevölkerung. Im Jahr 2011 waren bereits 97,3% der 14- bis 29-jährigen Deut­schen und 89,7% der 30- bis 49-jährigen Deutschen im Web 2.0 aktiv. Circa 87% der Bankkunden holten zu diesem Zeitpunkt vor einem Vertragsabschluss online Informationen ein. Allerdings liegt der Anteil von Online-Kreditmarktplätzen am gesamten begebenen Kreditvolumen nach den Schät­zungen von Alexander Artope, Geschäftsführer der Smava GmbH, bei lediglich 1% bis 2%.

Im Folgenden wird auf zwei alternative Finanzierungsmöglichkeiten, die auf Online- Kreditmarktplätzen angeboten werden, näher eingegangen.

Crowdfunding

Begriffseinordnung und Historie

Unter Crowdfunding wird die Bereitstellung von finanziellen Mitteln für eine Sache durch eine Viel­zahl von Spendern oder Investoren verstanden. Im deutschen Sprachgebrauch wird hierfür häufig das Wort Schwarmfinanzierung verwendet. Das englische Wort Crowd bedeutet übersetzt Men­schenmenge und das Wort funding Finanzierung. Durch das Zusammensetzen dieser Wortbestand­teile kann die Funktionsweise des Crowdfunding hergeleitet werden. Crowdfunding wird auch als Unterform des Crowdsourcing bezeichnet, bei der die Beschaffung von finanziellen Mitteln zur Rea­lisierung und Umsetzung von Projekten im Vordergrund steht. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung definiert Crowdfunding wie folgt: „Crowdfunding ist eine Finanzierungs­form, die im Wesentlichen über einen öffentlichen Aufruf im Web 2.0 erfolgt und zum Ziel hat, fi­nanzielle Ressourcen für ein Vorhaben entweder ohne Gegenleistung oder gegen irgendeine Art von Gegenleistung (finanzielle/materielle Vergütung, immaterielle, ideelle Leistungen und/oder Rechte, z.B. Stimmrechte) zu erhalten und damit einen bestimmten Zweck zu erreichen".

Beim klassischen Crowdfunding findet eine Unterstützung aus nicht gewinnorientiertem Gedanken statt. Durch die Spenden wird es ermöglicht, Projekte zu realisieren, wofür die Spender eine im Vo­raus festgehaltene Gegenleistung erhalten. Das geplante Projekt kann durch die bereitgestellten Mittel vorfinanziert werden. In der heutigen Zeit ist Crowdfunding sowohl im Profit- als auch im Non-Profitsektor etabliert. Crowdfunding ist eine Form der Mikrofinanzierung und kann in unter­schiedlichen Formen vorkommen:

  • Crowddonating,
  • Crowdsponsoring,
  • Crowdinvesting,
  • Crowdfunding.

Beim Crowddonating werden Spenden eingesammelt und die Spender erhalten keine Gegenleistung für ihren Beitrag. Als Crowdsponsoring wird jene Form bezeichnet, indem Unternehmen Projekte unterstützen und Werbung als Sponsor machen. Beim Crowd-investing stellen die Personen ihre finanziellen Mittel bereit um Anteile und eine Rendite zu erhalten. Der Unterschied zwischen Crowdfunding und Crowdinvesting liegt darin, welche Gegenleistung der Unterstützer für sein Geld bekommt. Beim Crowdfunding gibt es im Vergleich zum Crowdinvesting keine monetäre Rendite. Bei einer erfolgreichen Projektfinanzierung wird der Unterstützer beispielsweise in einer Danksagung erwähnt oder erhält ein fertiges Produkt. Ein wichtiges Merkmal beim Crowdfunding ist die Trans­parenz. Die Unterstützer sind vertraut mit den Inhalten des Projektes, sie werden über die einzelnen Fortschritte informiert. Die zum jeweils aktuellen Zeitpunkt benötigte Restsumme für das Projekt und die Laufzeit der Finanzierungsphase sind ständig für die Personen sichtbar.

Der Begriff Crowdfunding wurde im Jahr 2006 zum ersten Mal von Michael Sullivan verwendet. Die Internetseite sellaband.com ermöglichte Künstlern die Vorfinanzierung ihrer Alben durch Fans vor­zufinanzieren. Durch einen Betrag in der Höhe von 10 Pfund konnten die Fans das Album des Künst­lers vorfinanzieren. Als Gegenleistung erhielten sie ein unterzeichnetes Album sowie eine Beteili­gung an den verkauften Platten. Ein ähnliches Modell gab es bereits im 17. Jahrhundert, das so­genannte Subskriptions-, und das Pränumerationsmodell. Bei diesen Modellen haben Verleger ihren Buch- und Zeitschriftendruck durch Abonnements im Voraus finanziert. Genau wie bei den heutigen Crowdfunding-Projekten wurden Anreize geschaffen, wie beispielsweise der Erhalt einer Vorabaus­gabe oder einer Nennung des Unterstützers auf dem Titelblatt. Viele Artikel und Texte über Crowd­funding bezeichnen den Bau des Sockels der New Yorker Statue of Liberty als erstes Crowdfunding Projekt. Bei diesem Projekt ging den Verantwortlichen das Geld für den Sockelbau aus. Daraufhin wurde verkündet, dass jeder, der bereit sei, einen Teil zur Finanzierung beizutragen, namentlich in der „New York World" abgedruckt wird. Die benötigten finanziellen Mittel konnten so für den So­ckelbau eingesammelt werden. Auch in der jüngeren Vergangenheit gab es Crowdfunding ähnliche Finanzierungsformen, die jedoch noch nicht als Crowdfunding bezeichnet wurden. Beispielsweise 1997 haben Fans der Gruppe „Marillion" auf diese Weise die US-Tour der Gruppe ermöglicht. Nach Deutschland kam das Crowdfunding erst im Jahr 2010, als die erste Crowdfunding-Plattform „Startnext" gegründet wurde.

Fortsetzung am 26.2.2014


* Dieser Text ist 2014 im Rahmen eines Seminars von Professor Dr. Andreas Mitschele im Studiengang BWL-Bank an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart entstanden. Dieser Beitrag ist zusammen mit 10 weiteren Beiträgen in einen Band zusammengefasst und im Eigenverlag unter dem Titel „Next Generation Finance – Revolution oder Evolution des Bankgeschäfts?“ erschienen. Die Wiedergabe hier im Blick Log erfolgt mit Zustimmung von Professor Mitschele.

Diese Arbeit enthält umfangreiche Fußnoten und ein ausführliches Literaturverzeichnis. Zur besseren Lesbarkeit im Blog habe ich bei der Editierung für die Blogdarstellung auf die Fußnoten verzichtet. Bei Recherchen und Zitaten bitte immer die Originalarbeit heranziehen, die hier als Komplettband als PDF-Datei heruntergeladen werden kann. Darstellungs- und Formatierungsprobleme mit Abbildungen und Texten gehen allein zu Lasten des Blick Log. Das Literaturverzeichnis befindet sich am Ende der Reihe.

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