Urheberrecht – ein zivilisatorischer Brennpunkt.

Gastbeitrag aus der Readers Edition von Jochen Ebmeier

Es gibt Themen, die wie ein Brennglas die Elementarfragen einer Zivilisation in einem Punkt zusammen fassen. Der gegenwärtige Streit um das Urheberrecht alias das geistige Eigentum ist ein solches. Akut wurde es, als die Betreiber der werbefinanzierten Internet-Tauschbörse The Pirate Bay von einem schwedischen Gericht zu Haftstrafen und einer hohen Schadenersatzzahlung verurteilt wurden: Sie hatten Millionen Nutzern geholfen, urheberrechtlich geschütztes Material gratis aus dem Internet herunterzuladen; ohne freilich am Tauschgeschäft selber etwas zu verdienen. Der jüngste Erfolg der schwedischen Piratenpartei geht darauf zurück; bei der Europawahl Anfang des Monats erhielt sie 7,1 Prozent der Stimmen und entsendet einen Abgeordneten nach Straßburg.

Vor allem junge Männer haben die Piratenpartei gewählt. Ihr ältester Aktivist aber dürfte der 73-jährige Schriftsteller Lars Gustafsson sein. In einem Wahlaufruf verglich er die heutige Lage mit dem Kampf um die Druckfreiheit vor der Französischen Revolution. Damals hätten sich die neuen Ideen nur dank der neuen Technologie durchsetzen können. Zensur und Razzien hätten diese nicht gestoppt, sondern geradezu stimuliert. Für Schriftsteller, die etwas zu sagen hätten, sei die Zirkulation ihrer Ideen, selbst durch Raubkopien, wichtiger als das Urheberrecht. Dieses schütze einzig die Verfasser von trivialer Massenliteratur, die sich so “neue Herrensitze” zulegen könnten.

Das ist wahr – dem Autor, der etwas zu sagen hat, ist mehr daran gelegen, eben das zu tun, als am Geldverdienen. Genauso wahr ist aber auch, dass er, damit er es sagen kann, von irgendwas leben muss. Lebt er nicht von der Art und Weise, wie er es sagt – nämlich auf einem privat anzueignenden und folglich verkäuflichen Datenspeicher -, dann muss er von irgendwas anderem leben; und in der Zeit, die er dafür braucht, kann er nichts sagen – und nicht einmal überlegen, was er sagen soll. Es wird ihm auch, wenn’s ihm irgend ernst ist, mehr darauf ankommen, wie gut und wie hörbar er es sagen kann, als darauf, wie gut er dabei lebt. Aber dass er lebt, bleibt unabdingbar.

Die Frage nach dem Urheberrecht in Zeitalter des Internet ist daher sachlich verknüpft mit der Frage nach dem Tausch- und dem Gebrauchswert der Arbeit. Continue reading Urheberrecht – ein zivilisatorischer Brennpunkt.

Blicke auf ausgewählte Schlagzeilen: Technik, Medien und Blickrand

FTD: Mozilla startet durch Mozilla schließt im Kampf um Marktanteile bei Internetbrowsern zur Konkurrenz auf. Am kommenden Montag will das Unternehmen die neuste Version des Browsers Firefox zum Herunterladen im Internet bereitstellen.

Spon: Phrasen-Kritik: Das Internet ist kein rechtsfreier Raum: "Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein!", fordern deutsche Politiker und Lobbyisten seit Jahren. Web-Nutzer machen sich nun in Ketten-Postings über diese Phrase lustig. Tatsächlich verschleiert das Gerede vom rechtsfreien Raum die wahren Probleme.

FTD: Web-Währung – IVW startet PI-Revolution im Netz: Sie bestimmen den Werbewert einer Internetseite: die Page Impressions. Jetzt plant die Medienkontrollgesellschaft IVW, PIs zu reformieren . . . → Read More: Blicke auf ausgewählte Schlagzeilen: Technik, Medien und Blickrand

Urheberrecht – ein zivilisatorischer Brennpunkt

Gastbeitrag aus der Readers Edition* von Jochen Ebmeier

Es gibt Themen, die wie ein Brennglas die Elementarfragen einer Zivilisation in einem Punkt zusammen fassen. Der gegenwärtige Streit um das Urherberrecht alias das geistige Eigentum ist ein solches. Akut wurde es, als die Betreiber der werbefinanzierten Internet-Tauschbörse The Pirate Bay von einem schwedischen Gericht zu Haftstrafen und einer hohen Schadenersatzzahlung verurteilt wurden: Sie hatten Millionen Nutzern geholfen, urheberrechtlich geschütztes Material gratis aus dem Internet herunterzuladen; ohne freilich am Tauschgeschäft selber etwas zu verdienen. Der jüngste Erfolg der schwedischen Piratenpartei geht darauf zurück; bei der Europawahl Anfang des Monats erhielt sie . . . → Read More: Urheberrecht – ein zivilisatorischer Brennpunkt

Willkommen

Der Blick Log ist ein privates Weblog mit Gedanken über Wirtschaft, Finanzen, Management und mehr. Beruflich berate ich für die Innovecs GmbH Banken und mittelständische Unternehmen (hier der aktuelle Flyer).

Mehr über diesen Blog und mich auf dieser Seite.

Follow blicklog on Twitter

Wirtschaftsnachrichten

Feed Wirtschaftsblogs (dt)

Feed Wirtschaftsblogs (engl.)

Archiv

Buchempfehlungen