Bankenkrise keine Sparkassenkrise?

by Dirk Elsner on 2. Januar 2009

Sparkasse

Sparkasse: finanzkrisenfreie Zone?

Verdächtig ruhig ist es bei all dem Gekreische der Finanzkrise um die Sparkassen, der wesentlichen Eigentümergruppe der stark gebeutelten Landesbanken. Bisher ist nicht bekannt geworden, dass auch nur eine Sparkasse besondere Verluste im Rahmen der Finanzkrise erlitten hat oder von anderen Problemen betroffen ist.

Man könnte fast glauben, sie hätten weder Geld bei Lehman oder in Island angelegt,  weder Gelder von Madoff verwalten lassen noch in amerikanischen Asset Backed Securities geparkt. Im Gegenteil, die Sparkassen feiern sich selbst und lassen sich huldigen als die soliden Retter der Sparer und des Mittelstandes.

Es ist nicht so, dass ihnen das nicht gegönnt sei. Dennoch sei an dieser Stelle die Frage erlaubt, ob die Sparkassen überhaupt keine der „vergifteten Assets“ in ihren Depots schmoren haben. Dies erscheint schon deswegen nahezu unvorstellbar, weil die Sparkassen im Anlagegeschäft sehr eng mit den Landesbanken zusammen arbeiten. Hier ist es üblich, dass sich die Sparkassen auch Papiere ins eigene Depot (sogenannte Depot A) legen, die die Landesbanken selbst kreiert oder von anderen Marktteilnehmern gekauft haben. Mittlerweile ist einschlägig bekannt, dass die Landesbanken sehr viel riskante Risikoaktiva in ihren Büchern brennen haben und bei den engen Verflechtungen kaum denkbar, dass sie davon keine Papiere an Sparkassen weitergereicht haben.

Nun sind die Sparkassen nicht zu einer laufenden Berichterstattung verpflichtet wie börsennotierte Institute. Gleichwohl machen sie Monatsabschlüsse und kennen daher ihre Verluste. Ich halte es für ausgeschlossen, dass es bei den Sparkassen keine Verluste gegeben hat. Nur wird hier offenbar fein darüber geschwiegen. Offenbar geschieht dies aus Rücksicht auf die Kunden der Sparkassen, die als besonders ängstlich gelten.

Eine Spurensuche in veröffentlichten Informationen ausgewählter Sparkassen führt nicht weit. So ist im Geschäftsbericht 2007 der größten deutschen Sparkasse, der Haspa, z.B. zu lesen, dass der Wertpapierbestand zum Jahresende 5,5 Mrd. Euro betrug. Im Bericht hieß es: „Die Bewertung unseres Wertpapierbestandes in Höhe von 5,5 Milliarden Euro erforderte per saldo keine Abschreibungen, obwohl wir weiterhin nach dem strengen Niederstwertprinzip unter Beachtung des Wertaufholungsgebots bilanzieren. Die erfreuliche Entwicklung im Bewertungsergebnis Wertpapiere ergibt sich insbesondere aus dem positiven Verlauf der Aktienmärkte.“

Über die Zusammensetzung des Anlageportfolios erfährt man freilich nicht viel aus dem Bericht. Es enthält aber Aktien, Unternehmensanleihen und Spezialfonds. Da dem Bericht auch keine Angaben über Absicherungsgeschäfte zu entnehmen sind, kann nach einem positiven Börsenjahr 2007 über mögliche Verluste in 2008 nur spekuliert werden. An solchen Spekulationen will sich der Blick Log nicht beteiligen.

Den Blick Log wird es aber nicht überraschen, wenn mit den Veröffentlichungen der Jahresabschlüsse in den nächsten Monaten einige Sparkassen größere Verluste eingestehen und in der Folge ebenfalls nach neuem Kapital suchen werden. Möglicherweise liegt darin auch die Zurückhaltung der Sparkassen begründet, nicht an Kapitalerhöhungen „ihrer“ Landesbanken teilnehmen zu wollen, wie z. B. bei den Maßnahmen der HSH Nordbank, der BayernLB oder der WestLB.

Die erste Sparkasse hat übrigens bereits Kapital erhalten. Die Sparkasse Köln-Bonn, die zweitgrößte Sparkasse in Deutschland hat vom Rheinischen Sparkassenverband 300 Millionen Euro in Form von Genussscheinen erhalten erhalten. Anfang Januar erhalte die Sparkasse weitere 300 Millionen Euro durch stille Einlagen ihrer Eigentümer: 210 Millionen von der Stadt Köln, 90 Millionen von Bonn. Darüber informierte rp-online bereits am vergangenen Dienstag. Gründe für den Kapitalbedarf wurden nicht genannt.

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