Bankenkrise entdramatisieren durch Veröffentlichung von Credit Spreads

by Dirk Elsner on 20. Januar 2009

Financial Crisis / Finanzkrise

Weiter Geld verbrennen?

Die Medien haben den Blick Log verwirrt. Seit dem Wochenende überschlagen sich die Schlagzeilen zu neuen Horrormeldungen aus der Bankenlandschaft. Es entsteht so der Eindruck, als sei eine neue dramatische Lage entstanden und zahlreiche Banken stünden kurz vor der Insolvenz. Wäre das richtig, dann müssten entsprechende Marktindikatoren diese Einschätzung ebenfalls abbilden.

Tagesaktuelle Indikatoren, die das Insolvenzrisiko von Banken abbilden sind die sogenannten Credit Spreads. Sie helfen, die Bonität von Schuldnern besser einzuschätzen als andere Indikatoren, wie z.B. Ratings. Matthias Schlecker, der über das Thema promoviert, definiert Credit Spreads wie folgt : “Der Credit Spread ist eine Renditedifferenz zwischen Unternehmens- und Staatsanleihen. Er kompensiert den Anleiheinvestor für die eingegangenen Risiken”, schreibt Schlecker auf seiner Website.

Ebenfalls als Credit Spreads werden die Prämien bezeichnet, die für sogenannte Credit Default Swaps gezahlt werden, also Instrumenten, mit denen man sich gegen die Ausfälle von Schuldner “versichern” kann.  Diese Instrumente werden außerbörslich zwischen großen Marktteilnehmern und für große Schuldner gehandelt. Der Markt für diese Instrumente ist allerdings äußerst intransparent, sprich die Preise sind nicht so einfach zu beobachten für Außenstehende.

Wünschenswert wäre es, wenn Preise für Credit Spreads zumindest in diesen Wochen Teil der regelmäßigen Wirtschaftsberichterstattung wären. Der eine oder andere Beitrag ließe sich so wunderbar versachlichen. Denn tatsächlich haben sich Credit Spreads vieler Banken im Monatsvergleich nach unten bewegt, sprich die Risiko- oder Versicherungsprämien gegen den Ausfall von Bankschulden sind gesunken. Dies zeigt die gestern im Blick Log veröffentlichte Aufstellung. Ihr Nachteil ist allerdings, dass sie auf Daten vom vergangenen Donnerstag beruht.

Ein umfassende, frei verfügbarer Quelle mit tagesaktuellen Credit Spreads kennt der Blick Log bisher nicht (würde  er aber gern kennen). Die Daten werden von professionellen Datenagenturen (wie insbesondere Markit) gesammelt und gegen Entgelt veröffentlicht. Man kann sich zwar behelfen mit indirekten Indikatoren, wie Fonds auf Basis des sogenannten iTRAXX® (wie z.B. ETF-Produkte der Deutschen Bank). Aber auch hier ist die Datenlage nicht wirklich transparent und zum Teil sogar widersprüchlich zu anderen veröffentlichten Daten.

Somit bleiben noch Marktberichte, wie die von Alphaville, einem Blog der Financial Times. Alphaville berichtet täglich im CDS-Report über die Entwicklung der Kreditrisikoprämien. So ist dem Bericht von Montag Mittag zu entnehmen, dass die Risikoprämien im Vergleich zum Freitag nur leicht angestiegen sind. Hier werden allerdings nur ausgewählte Bewegungen kommentiert, eine umfassende Preisübersicht erhält man hier nicht.

Im Ergebnis ist die tagesaktuelle Datenlage mangelhaft. Damit ist schwer zu beurteilen, ob Medien die Informationslage dramatisieren. Zu bezweifeln ist aber, dass sich Wirtschaftsmedien in Deutschland, ihr Urteil über den Gesundheitszustand des Finanzsektors abgleichen mit den entsprechenden Daten vom Kreditmarkt. Dies wäre aber wünschenswert für eine sachliche Berichterstattung.

Sollte der eine oder andere Leser noch weitere Datenquellen kennen, dann freue ich mich über entsprechende Hinweise über das folgende Formular:

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Meldungen zur Bankenkrise

FTD: Kolumne: Lucas Zeise – Alle Banken an den Staat

FAZ: Finanzkrise: Bankenhilfe, zweiter Teil

Weissgarnix: Die Chuzpe hat eine neue Heimat

Spon: Finanzkrise in Großbritannien: Brown droht neues Bankendesaster

HB: Landesbanken verzinsen stille Beteiligungen und Genussscheine

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