Wer ist eigentlich Michael Glos?

by Dirk Elsner on 9. Februar 2009

Was war das denn? Glos will los aber Merkel und Seehofer wollten ihn nicht loslassen. Absurdes Verhalten. Da zieht ein Wirtschaftsminister aus seiner Amtsmüdigkeit die richtigen Schlüsse und will seinen Job schmeißen und man will ihn zunächst nicht gehen lassen, um ein paar Stunden später dann doch seinen Rücktritt zu akzeptieren. Dafür habe ich kein Verständnis, zumal ganz Deutschland auf einen kompetenten Nachfolger hofft.

Gegen ein Festhalten an Glos sprach auch seine gestörte Selbstwahrnehmung. In seinem Rücktrittsangebot schreibt er u.a.:

Die Arbeit als Bundesminister für Wirtschaft und Technologie ist der Höhepunkt meines politischen Lebens und ich bin dankbar, dass ich die Weichen stellen konnte. Vor allen Dingen war es mir wichtig, in der Finanz- und Wirtschaftskrise wirkungsvolle Maßnahmen, die auch meine Handschrift tragen, rasch durch- und umzusetzen. “

Die Auftritte von Michael Glos als Wirtschaftsminister empfand ich in letzter Zeit nur noch peinlich. Er half nach meiner Wahrnehmung nicht beim Löschen der Finanzkrise und war in den dramatischen Wochen im September und Oktober abgetaucht. Im Bundestag zeichnete er sich durch besonders geistreiche Zitate (siehe unten) aus. Wenig geschickt lobte er Ackermann für seinen medienwirksamen Bonusverzicht. In einem Interview mit der Welt kritisiert er die Gier der Kleinanleger, weil sie via Internet ihr Geld einer kleinen Bank in Island überwiesen haben, ohne sich über die Risiken einer Geldeinlage im Vorfeld zu informieren.

Ich kann nicht erkennen, wo seine Aktivitäten als Wirtschaftsminister das Land substantiell weitergebracht hätten.  Damit will ich übrigens nicht seine Arbeit im Bundestag schmälern, wo er von 1993 bis 2005 den Vorsitz der CSU-Landesgruppe innehatte. Ohne mich tief mit seiner Politik-Karriere auseinandergesetzt zu haben, denke ich dennoch, dass dies seine beste Zeit war.

Hier das versprochene Zitat aus einer Rede von Glos im Bundestag am 17. Oktober 2008

“Eines der Vertrauensverhältnisse überhaupt ist normalerweise das Vertrauensverhältnis zwischen einem Bankkunden und seiner Bank. Es gehört zu den Dingen, die gepflegt wurden, die ein Stück bürgerliche Tugenden waren, dass man gut beraten worden ist, man sich darauf verlassen hat und sich die Bank darauf hat verlassen können, dass der Kunde wenn immer möglich zurückzahlt. Da ist sehr viel kaputtgegangen. Das finde ich ganz besonders schlimm. Wie soll denn ein Bankkunde seiner Bank weiter trauen, wenn er weiß, die Banken trauen sich untereinander nicht mehr und benehmen sich untereinander wie konkurrierende sizilianische Clans?”

“Stattdessen ist es besser, mit Klugheit und Voraussicht internationale Regeln zu schaffen, die diese Spekulationsblasen in Zukunft nicht zulassen. Weder neunmalkluge Finanzmanager noch staatlich beauftragte Banker oder Aufseher können die Probleme lösen.”

Berichte zum angebotenen Rücktritt von Michael Glos

Spon: Merkel und Seehofer akzeptieren Glos- Rücktritt

Spon: Amtsmüder Glos bringt CSU- Chef in Bredouille

RE: Wirtschaftsminister auf Abruf: Glos bietet Rücktritt an

FR: Leitartikel: Der Null-Bock-Minister

HB: Glos stürzt Union ins Chaos

Spon: Wirtschaftsminister: Merkel lehnt Glos-Rücktritt ab

Lieber Horst“: Glos‘ Rücktrittsangebot im Wortlaut

Spon: Wirbel um Glos-Rücktrittsgesuch: Selbstdemontage eines Amtsmüden

Spon: CSU-Minister: Seehofer lehnt Glos‘ Rücktrittsgesuch ab

Querblog: Glos wollte nicht, er musste

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