„Muddling-Through”-Politik für Landesbanken verhindert Neuausrichtung

by Dirk Elsner on 10. Februar 2009

Nun ist eine Gesamtlösung für die Konsolidierung der Landesbankenlandschaft in weite Ferne gerückt, wie das Handelsblatt schreibt. Aber auch bei den Einzellösungen zwischen verschiedenen Landesbanken und der Deka Bank herrscht eine große Unübersichtlichkeit.

Mitte November hatte ich bereits in diesem Blog an der Umsetzungsfähigkeit des im Prinzip richtigen Plans der Sparkassenorganisation zur Konsolidierung der Landesbanken gezweifelt. Damals begann bereits am Tag nach Bekanntgabe das Gezerre mit dem Ausscheren der NordLB aus dem Konzept. Es mangelte an Abstimmung, Koordination und Führungsstärke. Vor allem mangelte es aber am Gestaltungswillen der Eigentümer. Aus politökonomischen Gründen ist dies sogar verständlich, aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht.

Auch Peer Steinbrück, der auf dem Papier für eine Konsolidierung der Landesbanken eingetreten ist, handelt inkonsequent. Sein einziges Gestaltungsinstrument zur Einflussnahme auf die Bankenstruktur, die SoFFin, nutzt er dafür nicht. Im Gegenteil: Er setzt in das Führungsgremium immer wieder Vertreter der Sparkassenorganisation, die entweder das weiße Handtuch hissen oder wie Ex-NordLBler Rehm einer Konsolidierung kritisch gegenüber stehen. So kann daraus nichts werden.

Insgesamt zeigen die Aktivitäten der letzten Wochen ein sehr zerstrittenes Bild und offenbaren ein „management by muddling through”. Unter Muddling-Through” (Deutsch: „Sich-Durchwursteln”) versteht Wikipedia übrigens eine Steuerungskonzeption, die zur Gänze auf zentrale bzw. zentralistische Planung verzichtet, bei der sich die Systemsteuerung gleichsam als Ergebnis einer untereinander wechselseitig erfolgten Abstimmung aller beteiligten Akteure ergibt. In Lehrbücher hat  diese Führungskonzeption noch nicht ihren Weg gefunden. In der Praxis indessen wird sie sehr häufig angewendet, nur möchten leider keine Unternehmensleiter diese Erfolgsgeheimnisse für die Business-Ausbildungen teilen.

Um nicht falsch verstanden zu werden. Ich kritisiere hier nicht, dass es keine Konsolidierung der Landesbanken gibt. Ob diese sinnvoll ist oder nicht hängt von den jeweiligen Zielsetzungen der Anteilseigner ab. Da vermutlich bei mehreren oder gar einer zentralen Landesbank verschiedenste Eigentümer im Aufsichtsrat sitzen, könnte es vermutlich sogar besser sein, die Institute nicht in der ursprünglich angedachten Weise zu konsolidieren. Das Interessengeflecht könnte ein neues Institut schnell zerreißen.

Viel schlimmer ist es, dass in diesen Krisenzeiten sich die Institute in keine klare Richtung orientieren. Dabei kommt es gerade in einer Unternehmenskrise darauf an, Unternehmen schnell wieder auf Kurs zu bringen. Auf Kurs bringen heißt, eine Strategie verabschieden und sich dann mit voller Kraft auf die Umsetzung zu konzentrieren. So motiviert man auch seine Führungskräfte und Mitarbeiter für eine neue Richtung. Und sie sind so sogar viel eher bereit, notwendige bittere Pillen zu schlucken, wenn sie wissen, wohin die Reise geht.

Komplett kontraproduktiv ist eine Strategie des Zauderns, der Angst und des Herumeierns. Dies zermürbt die Mannschaften und vergeudet die Energie, die eigentlich für den Kickstart benötigt wird. In unzähligen Projektgruppen und Entscheidungsgremien reiben sich derzeit Mitarbeiter und Unternehmensberater in den Landesbanken auf. Motiviert dürften sie angesichts der Entscheidungsschwäche ihrer Eigentümer und zitternden Vorstände nicht sein.

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