Betrachtung einer Krise anhand von Kreditausfällen

by Gastbeitrag on 2. März 2009

Dies ist ein Gastbeitrag von morvan, der den Blog  each trading day betreibt und die Diskussion über die Kreditausfallquoten weiter belebt. Der Beitrag ist ebenfalls auf seinem Blog veröffentlicht:

Im Moment verfolge ich eine interessante Diskussion, die sich um die tatsächliche Höhe der Ausfallquoten der strukturierten Wertpapiere handelt. Mehr dazu findet ihr unter diesen Links:

Meine Gedanken dazu

Ausfallquoten der Banken auf Blicklog

Ausfallraten auf Verlorenegeneration

Kurz zusammengefasst dreht es sich darum, dass Blick Log davon ausgeht, dass bei einer Delinquency Rate von um die 5% die Abschreibung doch viel zu hoch sind und nicht den realen Wert dieser Papiere widerspiegeln.

Als Trader ist diese Frage für mich von zentraler Bedeutung; spiegelt sie doch die eventuelle Entwicklung der kommenden Jahre wider. Diese Frage entscheidet nicht darüber was in einem Monat sein wird, sondern was in 2-10 Jahren sein könnte.

Sollten die Verluste tatsächlich nicht so Hoch ausfallen, wie im Moment erwartet wird, dann müssten in Zukunft ja auch wieder Gewinne ausgewiesen werden. Ist ja klar – was abgeschrieben wurde, hätte wieder Wert und müsste wieder in die Bücher eingebucht werden.

Stellen sich also zwei Fragen

  1. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit dieser Idee?
  2. Wenn sie stimmen würde, wer würde dann die Gewinne einfahren?

Doch beginnen wir mit der 1 Frage: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit dieser Idee?

Da ich immer finde, dass eine Grafik besser als tausend Worte sind hier einmal zwei Grafiken. Die Daten beruhen auf Informationen die ihr hier auf der Federal Reserve Homepage findet.

Grafik 1: Delinquency Rate = Säumige Schuldner >30 Tage

Alle ausgebuchten Kredite der US Banken 1991-2008

Alle ausgebuchten Kredite der US Banken 1991-2008

Auffällig ist, dass die Rate der säumigen Schuldner bei Wohnimmobilien seit 2007 ansteigt. Mit etwas Abstand folgen allerdings die Gewerbeimmobilien. Im Moment spricht jeder nur von den Wohnimmobilien – hier scheint sich etwas anzubahnen.

Grafik 2: Die ausgebuchten Kredite aller US Banken von 1991-2008

Ausgebuchten Kredite alle US Banken 1991-2008

Ausgebuchten Kredite alle US Banken 1991-2008

Hier sehen wir das Problem!

Die Zahlen der FED sind Quartalszahlen; sprich im Moment müssen bereits jedes Quartal ca. 2 Prozent der Wohnimmobilienkredite ausgebucht werden. Was allerdings mehr überrascht ist, dass die Zahl der Gewerbeimmobilien höher ist.

Wir haben also zwei Faktoren, die meiner Meinung nach gegen die Annahme spricht, dass die Abschreibungen geringer sind als gedacht.

  1. Bereits jetzt sind die Ausbuchungen der Immobilienkredite >4 % (Wohn- und Gewerbeimmobilien zusammen) und das jedes Quartal. Anhand der Grafik sehen wir das Werte um die 0,5% üblich waren. Das entspricht einer Steigerung um 700% an Ausbuchungen innerhalb von 1-2 Jahren.
  2. Obwohl die faulen Kredite schnell abgeschrieben werden steigt die Anzahl an Schuldner weiterhin, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen können und mehr als 30 Tage im Rückstand sind. Betrachten wir wieder beide Komponenten so sind das ca. 10% aller Schuldner die dies Betrifft.

Eine wichtige Beobachtung ist die Zahlenreihe um die ‘90. Hier haben wir sehr hohe Werte im Ausfall und Rückstand im Gewerbeimmobilienbereich. Genau in dieser Zeit hatten wir eine Kredit und Sparkrise in Amerika. Wer mehr dazu wissen will kann sich eine Zusammenfassung auf der FDIC Seite ansehen.

Hier einige Fakten aus dem Bericht.

Summary

The savings and loan crisis of the 1980s and early 1990s produced the greatest collapse of U.S. financial institutions since the Great Depression. Over the 1986–1995 period, 1,043 thrifts with total assets of over $500 billion failed. The large number of failures overwhelmed the resources of the FSLIC, so U.S. taxpayers were required to back up the commitment extended to insured depositors of the failed institutions. As of December 31, 1999, the thrift crisis had cost taxpayers approximately $124 billion and the thrift industry another $29 billion, for an estimated total loss of approximately $153 billion. The losses were higher than those predicted in the late 1980s, when the RTC was established, but below those forecasted during the early to mid-1990s, at the height of the crisis.

Eine für mich wichtige Aussage ist der Schlussatz.

Die Verluste überstiegen die Erwartungen zu Beginn der Krise, waren aber unter den Prognosen, die am Höhepunkt der Krise gemacht wurden.

Daraus lässt sich einiges schließen, denn wir Menschen tendieren ja immer zu dem selben Verhalten. Alle Prognosen, die zu Anfang der derzeitigen Krise getätigt wurden sind zu niedrig. Das können wir schon jetzt durch Fakten bestätigen.

Die Frage lautet also:

“Sind wir bereits am Höhepunkt angekommen?”

Leider lässt sich diese Frage nicht beantworten, bisher deutet meines erachtens nicht darauf hin.

Was für mich nun noch Interessant ist – wieviel Schulden sind das in der Summe?

Leider findet sich auf der FED Seite dazu wenig. Die Summe der Immobilienkredite werden erst ab dem März 2009 veröffentlicht. Nur die Verschuldung der Haushalte mit Konsumentenkrediten findet sich hier ca. 2.6 Billionen US Dollar.

Eine weniger offizielle Quelle beziffert das gesamte Private Schuldenvolumen am Ende von 2007 auf 13.7 Billionen US Dollar, das würden etwas 10-11 Billionen an Immobilienkrediten entsprechen. Wenn davon jährlich 10 Prozent abgeschrieben werden müssen, kann sich jeder selbst ausmalen, warum die Rettungspakete so hoch sind. Und das ist nur der Privatsektor, wie die Zahlen zeigen ist der Gewerbeimmobilienmarkt genau so betroffen. Hier geht man von weiter 10 Billionen US Dollar aus.

Doch es bleibt noch Frage 2 zu beantworten :

Wenn Frage 1  stimmen würde, wer würde dann die Gewinne einfahren?

Schwierig zu beantworten, wenn es so scheint das es nur Verlierer gibt. Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, alle die, die diese Papiere gekauft haben. Da fällt mir ein großer ein – der Staat!

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