Bernankes Schlüssel zur Erholung der Banken: FED könnte “race to the bottom” beenden

by dels on 12. März 2009

An Deutschland offensichtlich vorbei gegangen ist eine zentrale Botschaft der US-FED, die Ben S. Bernanke am Dienstag ausgesendet hat. Er hat nämlich laut über neue Bilanzierungsregeln nachgedacht, die Banken nicht mehr zwingen, ihre Marktwertverluste weiter in wirtschaftlichen Situationen wie dieser abzuschreiben. Darüber schrieb gestern die New York Times. Da ich wenig Zeit habe, versuche ich, es kurz zu machen. Dabei verdient das Thema eigentlich eine tiefere Betrachtung.

Die aktuellen Bewertungsregeln nach den IFRS und hier insbesondere das Fair Value Prinzip wirken bekanntlich prozyklisch (siehe z.B. hier). Fair Value fordert eine Bewertung von Finanzinstrumenten – also Aktien oder Anleihen – zu Marktpreisen, sofern diese vorliegen. Diese beschert den Unternehmen bei boomenden Kapitalmärkten enorme Buchgewinne, umgekehrt werden bei abstürzenden Marktpreisen immense Abschreibungen fällig, selbst wenn sich fundamental nicht viel ändert. Dieses Bewertungsprinzip hat zwar nicht zur Finanzkrise verursacht, deren Auswirkungen aber m.E. erheblich verstärkt.

Die im September beschlossenen Erleichterungen sahen vor, dass Banken von diesem Prinzip abweichen können, wenn sie die Papiere nicht mehr im Handelsbestand halten. Dies wollten oder konnten viele Banken allerdings aus verschiedensten Gründen nicht und waren so zu immer höheren Abschreibungen gezwungen. Die Abschreibungen wiederum haben das Eigenkapital aufgezehrt und die Risikobewertung verschlechtert. In der Folge erhöhten sich die Kreditversicherungsprämien (Credit Default Swaps) für Bankenforderungen. Da diese Risikoprämien wiederum in die Modelle für die Bewertung bestimmter Aktiva einfließen, nämlich dann wenn kein Marktpreis vorliegt, entstand dadurch weiterer Abschreibungsbedarf (siehe hier zur Wirkung einer höheren Risikoprämie auf die Bewertung) und somit weitere Verluste.

Dieses race to the bottom könnte jetzt zumindest gestoppt werden. Denn so aufgeblasen die hohen Gewinne der (Investment-)Banken ex-post waren, so sehr schafft das Fair Value Prinzip ein Vakuum, das alle Luft aus den Kapitalmärkten zu saugen scheint. Ob dieser Mark-to-Market Fix tatsächlich die Bankenkrise beenden kann, wird sich freilich erst in den nächsten Wochen zeigen. Die Credit Spreads haben jedenfalls ihre Erholung vom Dienstag Nachmittag auch am Mittwoch fortgesetzt, wie alphaville schreibt.

Laut New York Times haben Investoren und Anhänger der Bankbranche schon applaudiert. Ob damit tatsächlich alle Probleme gelöst werden, ist zwar unwahrscheinlich. Zusammen mit dem US-Plan zur Vermarktung toxischer Assets werden hier aber nach meiner Auffassung die richtigen Bausteine für den Wiederaufbau der Finanzbranche zusammengesetzt. Jedenfalls sind diese Pläne die bisher besten Lösungsansätze, von denen ich gehört habe.

Während also Deutschland sich Gedanken macht über die Pleite von US-Firmen, ist die US-Administration wieder einmal deutlich weiter. Immerhin könnte darin auch der wahre Grund für die Erholung der Banken und den Aufschwung des DAX liegen. Auch die Flucht aus dem US-Dollar hat sich wieder abgeschwächt. Und das alles nur wegen ein paar Buchführungsregeln.

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WSJ: Obama Calls Spending Bill ‚Imperfect‘

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CWD: Tim Geithner on Charlie Rose

Time: Treasury: Budget Deficit Hits $765 Billion

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