Faszination Gift: Fonds mit toxischen Wertpapieren liegen in Gewinnzone

by dels on 13. März 2009

Die Bankbilanzen sind seit Wochen in aller Munde. Es herrscht größte Unklarheit über die in den Bilanzen schlummernden Risiken. Und heute werden sogar die Anleihengläubiger der Banken durch einen Artikel im Handelsblatt verunsichert. Mich dagegen fasziniert das “Gift” in den Bankbilanzen.  Seit Monaten vermute ich aus verschiedensten Gründen eine Unterbewertung der „toxischen“ Papiere in den Portfolios. Wenn ich das schreibe, dann müsste hier jetzt ein langer Disclaimer folgen, den ich mir jetzt erspare. Der Markt für diese Papiere, die viele Bankbilanzen ruiniert haben, ist bekanntlich sehr intransparent ist und bei der Vielzahl von Konstruktionen ist es selbst für Profis schwer, den Überblick zu behalten.

Noch schwerer ist es, diese Instrumente zu bewerten. Dazu bedarf es eines Stabs von Spezialisten und einer forensischen Due Diligence, um die rechtlichen Feinheiten der “Special Purpose Vehicle” zu durchdringen und die Risiken der darin verbrieften Ursprungsforderungen zu erfassen.

Trotz dieser Informationsbarrieren, die es Außenstehenden nahezu unmöglich machen ein fundiertes Urteil abzugeben, gibt es indirekte Möglichkeiten. Durch die Rückmeldungen auf verschiedene Beiträge dieses Blogs hat mich ein ehemaliger Kollege auf die Idee gebracht, doch mal nach ABS-Fonds zu schauen. ABS-Fonds legen ihr Geld direkt und indirekt in verbriefte Forderungen an bzw. kaufen zusammengeschnürte Forderungspakete.

Dabei stieß ich auf diesen älteren Beitrag in Manager Magazin Online. Darin werden zahlreiche ABS-Fonds aufgeführt. Da die Aufstellung mit entsprechenden Kursdaten verknüpft sind, erhält man auch schnell Überblick über die Bewertung.

Was ich da sehe, hat mich überrascht. Da die Fonds nach den eigenen Angaben in verschiedenen Formen von Asset Backed Securities investieren, hätte ich eigentlich erwartet, dass die Fonds alle tief unter Wasser stehen. Dies ist aber offensichtlich nicht der Fall. Gleich der erste Fonds der Liste, der SGAM Fund Bonds US Mortgage Backed Securities A,  hat zwar einen starken Einbruch in 2008 hinter sich, im 2-Jahres-Vergleich liegt er jedoch um fast 10% im Plus. Aus der Fondsbeschreibung ist folgendes zu erfahren:

“Der SGAM Fund BONDS – US Mortgage Backed Securities A strebt eine Maximierung der laufenden Erträge dadurch an, dass er vorrangig in Wertpapiere investiert, die hypothekarisch besichert sind oder durch eine Bürgschaft, die wiederum durch die Regierung der Vereinigten Staaten, ihre Behörden, Vertretungen oder Staatsunternehmen garantiert werden, besichert sind. Ebenso investiert der SGAM Fund BONDS – US Mortgage Backed Securities A in hypothekarisch besicherte Privatplatzierungen von Unternehmen, die ihren Sitz, oder den Hauptgeschäftsbetrieb in den Vereinigten Staaten haben und über ein Aa- oder höheres Rating von Moodys oder ein AA- oder höheres Rating von S&P verfügen.”

Im Verkaufsprospekt heißt es zur Anlagepolitik (S.23):

“Dieser (auf USD lautende) Teilfonds strebt eine Maximierung des gegenwärtigen Ertrages dadurch an, dass er mindestens 67 % seines Gesamtvermögens in hypothekarisch besicherte Wertpapiere (einschließlich von zinsvariablen Anleihen mit inverser Zinsstruktur, „Interest-only Securities” sowie „Principal-only Securities” investiert, die durch Sicherheiten garantiert oder besichert sind, die wiederum durch die Regierung der Vereinigten Staaten, ihre Behörden, Vertretungen oder Staatsunternehmen garantiert werden); ebenso investiert der Teilfonds in hypothekarisch besicherte Wertpapiere mit dem Mindestrating Aa3 von Moody’s oder AA- von Standard & Poor’s aus Privatemissionen von Unternehmen, die ihren Sitz oder den Hauptgeschäftsbetrieb in den Vereinigten Staaten haben und an Geregelten Märkten in den OECD-Ländern notiert oder gehandelt werden.”

So kann man nun die Liste durchgehen:

ESPA BOND MORTGAGE investiert investiert in US-Hypothekenanleihen bester Bonität (Ginny Mae) mit Garantie durch die US-Regierung, hat deutlich in 2008 gewonnen. Nun könnten Skeptiker einwenden, die Hypotheken dieser ABS seien ja durch die US-Regierung garantiert. OK. Dann schauen wir uns eine Fonds an, der diesen Zusatz nicht enthält:

GS US Mortgage Backed Securities Base Dist. Der legt an in US-amerikanische hypothekarisch gesicherte Wertpapiere und Asset-Backed-Securities und hat immerhin ein Talfahrt in Höhe von 12% hinter sich. 12% ist im Vergleich zu den Abschreibungswerten, die uns die Banken nennen, nichts.

Nun räume ich ein, dass meine Analyse nur oberflächlich möglich war, weil ich nicht tief in die Fondsbestandteile der einzelnen Fonds eingedrungen bin. Möglicherweise haben diese Fonds ja schon vor geraumer Zeit umgeschichtet in Regierungs-Bonds oder was auch immer gemacht.

Das Rätsel um die Bewertung der “toxischen Assets” wird so eher größer als kleiner. Es mag auch sein, dass ich in meiner Betrachtung zu einseitig bin. Aber ich höre und lese bisher wenig über plausible Gründe für die enormen Abwertungen toxischer Wertpapiere mit Ausnahme der von mir selbst genannten Gründe, nämlich hohe Risiko- und Liquiditätsprämien.

Und immerhin hat die Deutsche Bank nun auch eine Möglichkeit entdeckt, die Spekulation in toxischen Assets neu anzuheizen. Sie hat nämlich einen ABS-Fonds aufgelegt, wie gestern bekannt gegeben wurde (Details hier). So kann man gleich die eigenen Papiere dort hinein „entsorgen“.

Möglich auch, dass sich die Auffassung über unterbewertete toxische Papiere in den Bankbilanzen mittlerweile herumgesprochen hat und deswegen sich die Börsen stabilisiert haben.

Derweil habe ich mal angefangen, eine Sammlung von Beiträgen zu dem Thema toxische Papiere, Kreditderivate und Co. auf einer eigenen Seite zusammenzustellen. Ich würde mich auch freuen über den einen oder anderen Beitrag von Profis, die sich vielleicht derzeit beruflich mit den Papieren befassen (müssen).

PS

Die Nennung von Fondsnamen stellen natürlich keine Empfehlung für den Erwerb dar.

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