So sieht die Kreditklemme 2.0 in der Praxis aus: Beispiel Hafencity

Vergangenen Freitag hatte ich in einem Artikel über die Kreditklemme 2.0 geschrieben. Diese Klemme zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass die Vergabe von Krediten eingeschränkt wird, weil viele Unternehmen die gestiegenen Anforderungen für Kredite nicht erfüllen. Außerdem verlangen Banken mehr Sicherheiten und wollen mehr Nachweise der Planungssicherheit.

Über ein Beispiel war jüngst im Handelsblatt zu lesen, nämlich über die Projektfinanzierung im Hamburger Vorzeigeneubaugebiet Hafencity. Ein mittelständischer Projektentwickler berichtet, dass Banken für Finanzierungen von Wohnbauvorhaben heute 20 bis 30 Prozent Eigenkapital erwarten sowie eine Vorverkaufsquote bei 50 Prozent. Früher reichten 15 bis 20 Prozent Eigenkapital verlangt und teilweise . . . → Read More: So sieht die Kreditklemme 2.0 in der Praxis aus: Beispiel Hafencity

Der HSH Nordbank Ruhe geben

Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus, wenn ich in diesen Tagen Nachrichten über die HSH Nordbank lese. Jüngster Höhepunkt ist der für Außenstehende überraschende Rausschmiss des IT-Vorstands Frank Roth, der einen Tag nach seiner Suspendierung von der Bank angezeigt wurde, weil er dritten Personen streng vertrauliche, interne Strategieunterlagen zugänglich gemacht haben soll.

Nach den Wellen der Politik, der Einrichtung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, dem Ermittlungsverfahren, das durch eine Anzeige des Hamburger Anwalt Gerhard Strate veranlasst wurden und den vom Aufsichtsrat veranlassten privaten Ermittlungen kommt die Bank nicht mehr zur Ruhe. Hinzu kommen Schlagzeilen über Fehler im . . . → Read More: Der HSH Nordbank Ruhe geben

HSH Nordbank-Chef baut Drohkulisse auf und rechnet Staatshilfen schön

Wenn man dieses Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (nur Printausgabe) mit dem Chef der HSH Nordbank, Prof. Dr. Dirk Nonnenmacher, liest, dann verfestigt sich der Eindruck, die Banken haben kaum etwas gelernt aus dem bisherigen Verlauf der Krise. Ich mache dies an zwei Äußerungen des Interviews fest, in dem Nonnenmacher ganz offensichtlich die Tradition der Banken fortsetzt und der Öffentlichkeit Sand in die Augen streut.

Zum einen baut Nonnenbacher eine unglaubliche Drohkulisse für den Fall auf, dass die HSH Nordbank schließen würde. Er bezeichnet dies als Super-Gau nicht nur für Hamburg und Schleswig-Holstein. Auch eine geordnete Abwicklung seines Instituts sieht es als kritisch, weil “die schwächeren Kunden würden mit uns untergehen. ” In diesem Stil geht es noch über mehrere Absätze weiter.  Der habilitierte Mathematiker sieht die Schifffahrtsindustrie, die Werftindustrie und weitere Banken für den Fall eines Aus seiner Bank versinken.

Mit diesen Drohungen will Nonnenmacher offenbar Denkbarrieren für andere Lösungswege seiner schwächelnden Bank errichten. Besonders kreativ ist das nicht, denn alternative Denkansätze für das Bankgewerbe gibt es jede Menge, wie z.B. dieser Aufsatz von Willem Buiter, Professor an der London School of Economics, oder dieser Text von Paul Klemperer, Ökonomie-Professor an der Oxford University, zeigt. Ob diese oder viele andere Ansätze auf die HSH Nordbank anwendbar sein könnten, lässt sich für Aussenstehende zwar schwer beurteilen, gleichwohl sieht sogar der Präsident der Bankenaufsicht des Bundes, Jochen Sanio, Alternativen. Und gerade solche massiven Einschüchterungen verlangen danach, Alternativen zu suchen.

Im weiteren Verlauf rechnet Nonnenmacher vor, dass Hamburg und Schleswig Holstein sogar noch profitieren von den Unterstützungsmaßnahmen, die 3 Mrd. € Kapital und 10 Mrd. € Garantie umfassen. Wenn der Plan funktioniere, führt er aus, dann hätten die Länder durch die aktuelle Rettungsaktion später netto sogar mehr Geld in der Tasche. Er rechnet das so vor:

“Für die zehn Milliarden Euro Garantie zahlt die HSH Nordbank eine jährliche Versicherungsprämie von voraussichtlich vier Prozent. Das entspricht 400 Millionen Euro für die Länder. Die Ländern müssen dafür die Kapitalspritze von drei Milliarden finanzieren, das dürfte sie rund 150 Millionen kosten. Netto bleiben ihnen 250 Millionen Euro.”

Er verschweigt zwar nicht das Risiko, behauptet aber, dies koste dem Steuerzahler kein Geld. Nonnenmacher muss gerade als Mathematiker und Banker wissen, dass das falsch ist. Denn wenn Hamburg und Schleswig-Holstein nicht grob fahrlässig mit ihren Steuergeldern umgehen wollen, dann versichern sie das Risiko, wie dies andere Kredit- und Garantiegeber auch machen, wenn sie das Risiko nicht in ihrem Portfolio “wegdiversifizieren” können. Und bei den Risiken der HSH Nordbank kann von Optimierung des Kreditportfolios sicher nicht die Rede sein. Eine Versicherung von Forderungen gegen die HSH Nordbank über Credit Default Swap (Hintergrund dazu hier) kostete aber am vergangenen Donnerstag 412,5 Punkte pro Jahr oder 4,125%. Damit kostet die Garantie den Ländern 412,5 Mio. Euro. 

Außerdem wird sich die Bonität von Hamburg und Schleswig-Holstein weiter verschlechtern. Ich habe zwar keinen Zugriff auf die Credit Spreads der beiden nördlichen Bundesländer, aber die Stadt- bzw. die Landeskämmerer werden wissen, wie sich die Kreditversicherungen durch die Unterstützung verschlechtern und sich so die Kosten für die künftige Finanzierung ihre Schulden erhöhen.

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SoFFin lässt HSH Norbank auflaufen

Die schwer angeschlagene HSH Nordbank kann vorerst nicht auf Hilfe aus dem staatlichen Finanzmarktfonds Soffin rechnen. Der Bund besteht darauf, dass die Altlasten der HSH Nordbank von den Anteilseignern selbst getragen werden, schrieb das Handelsblatt. Damit geht der Alptraum der Landesbank im Norden weiter.

Der Bund quittiert damit auch die unglaubliche Selbstüberschätzung, die Eigentümer und Vorstand des Instituts noch im Herbst ergriffen hatte. Im November glaubte man, noch mit der SoFFin verhandeln zu können über die Nutzung der Staatsmittel. Finanzsenator Freytag war es damals nämlich offenbar ein Dorn im Auge, dass der Bund Gewinne beim Wiederverkauf erworbener HSH-Nordbank-Anteile selbst einstreichen kann. Darüber müssen mit dem Bund sehr hart verhandelt werden, hieß es damals. Unklar war, woher eigentlich der Verhandlungsspielraum kommen sollte.

Eigentümer und Vorstand haben zu Lasten der Staatskasse und der Mitarbeiter ein stumpfes Schwert geschwungen und sich selbst stark verletzt. Damit sie nicht an Blutvergiftung sterben, sollten sie die Wunde schnell behandeln lassen und endlich mit den durchschaubaren Spielen aufhören.

Übrigens scheint es in Hamburg und Schleswig Holstein auch eine ganz schrille politische Debatte um die HSH Nordbank zu geben, wenn man sich mal die Überschriften des Lokalblatts anschaut (siehe unten). Hier die Schlagzeilen eines Instituts, dessen vorwiegendes Ziel in der Öffentlichkeit es früher war, nicht in den Medien in Erscheinung zu treten. Da sieht nach einem ganz peinlichen Spiel aus, in dem Eigentümer und Vorstand ein armseliges Bild abgeben.

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Nur eine Frage an die HSH Nordbank

Gestern waren erschreckende Zahlen auf der Website der FAZ über die HSH Nordbank zu lesen. Diese haben mich persönlich aus verschiedensten Gründen getroffen. Die FAZ hat über ihre nicht genannten Quellen u.a. herausgefunden:

“Im Herbst hatte der HSH-Vorstand für 2008 intern noch mit einem Verlust von 700 bis 800 Millionen Euro gerechnet. Dass nun offenbar ein Fehlbetrag von rund 2,8 Milliarden Euro droht, hat mehrere Gründe. Der Aufsichtsrat hat KPMG beauftragt, das gesamte Kreditbuch nach weiteren Risiken zu durchforsten. Dabei sind die Wirtschaftsprüfer überaus fündig geworden. Dem Vernehmen nach waren enorme weitere Abschreibungen auf das 23 Milliarden Euro schwere Portfolio an strukturierten Wertpapieren nötig. Außerdem musste die Bank im vierten Quartal hohe Rückstellungen für Risiken im Kreditgeschäft mit Firmenkunden bilden, heißt es.”

Wer hat eigentlich die Geschäfte mit strukturierten Wertpapieren, aus denen Verluste in einem derartigen Umfang resultieren, genehmigt und operativ zu verantworten? Continue reading Nur eine Frage an die HSH Nordbank

Norddeutsches Sorgenkind: HSH Nordbank

Ausriss aus der Website der HSH Nordbank

Ausriss aus der Website der HSH Nordbank

Den Landesbanken geht es seit dem Zusammenbruch von Lehman dreckig. Besonders dreckig geht es dabei der HSH Nordbank, die dazu auch noch in den Schmutz einer politischen Debatte hineingezogen wird. So jedenfalls wird die Dauerberichterstattung in Hamburger Medien von Insidern interpretiert. Darin wird vor allem den Versuch gesehen, den Finanzsenator der Hansestadt Hamburg, Michael Freytag (CDU), zum Sturz zu bringen. Förderlich für die sachliche Lösung der Probleme ist das nicht.

In diesem Zusammenhang spült das Hamburger Abendblatt jede Menge Information in die Öffentlichkeit über eine Bank, die in den vergangenen Jahren sehr viel Wert darauf gelegt hat, nicht in den Blickpunkt zu rücken. In der vergangenen Woche hat das Abendblatt der Bank ein ausführliches Special auf einer Doppelseite gewidmet, die auch über das Internet abrufbar ist. Darin zeichnen Reporter den Weg der HSH Nordbank zum aktuellen Desaster nach. Continue reading Norddeutsches Sorgenkind: HSH Nordbank

Kuddelmuddel um HSH Shortbank wegen “Gewinn” und Steueroasen

Ausriss aus der Homepage der HSH Nordbank

Ausriss aus der Homepage der HSH Nordbank

Kuddelmuddel ist ein typisch norddeutscher Ausdruck, der umgangssprachlich verwendet wird für allgemeines Durcheinander oder Wirrwarr. Man könnte es auch eine possierliche Posse nennen, was sich im Norden abspielt, wenn nicht die Zukunft von so vielen Menschen davon abhängen würde. Die HSH Nordbank macht „Gewinn“, um ihre Refinanzierung zu sichern, und die Eigentümer streiten sich wegen längst bekannter Tatsachen. Der neue Vorstandsvorsitzende des Instituts machte dabei keine gute Figur.

Diese Meldung rauschte vorgestern durch den Blätterwald. Die Landesbank will trotz roter Zahlen knapp 70 Millionen Euro an institutionelle Anleger ausschütten. Einen entsprechenden Beschluss hat die Hauptversammlung der Bank bereits im Dezember gefasst, sagte eine Sprecherin des Instituts am Mittwoch in Hamburg. Continue reading Kuddelmuddel um HSH Shortbank wegen “Gewinn” und Steueroasen

Landesbankenmonopoly mit Steuergeldern: Nehmen Sie eine Gemeinschaftskarte

Hannover - NordLB

NordLB in Hannover scheint noch

Die Landesbanken und ihre Eigentümer spielen Monopoly mit unseren Steuergeldern. Allerdings verfehlen sie derzeit deutlich das Ziel des Spiels, nämlich einen oder zwei Gewinner auszuspielen. Statt dessen wird ordentlich geschummelt und immer mal wieder neues Geld über den Tisch geschoben.

Ausgerechnet in München hat man sich am stärksten verrechnet

Das ausgerechnet die BayernLB und die bayerische Landesregierung unter die größten Zocker gehen, war nicht zu erwarten. Noch vor wenigen Wochen wurde der Kapitalbedarf der Bank auf 3 Mrd. € geschätzt, Ende Oktober schraubte die Bank diese Ziffer zunächst auf 5,4 Mrd. und anschließend auf 6,4 Mrd. Heute sind daraus 10 Mrd. € geworden, und dazu kommen Garantien über 21 Mrd. €.

Bemerkenswert an dem Fall der BayernLB sind zwei Dinge: Continue reading Landesbankenmonopoly mit Steuergeldern: Nehmen Sie eine Gemeinschaftskarte

Rücktritt des HSH Nordbank Chefs, weil er zwischen Eigentümern und Markt zerquetscht wurde

Heutiger Ausriss aus der Homepage der HSH Nordbank

Die Meldung über den Rücktritt von Hans Berger, dem Chef der HSH Nordbank, überrascht mich nicht, wenn ich noch einmal auf meinen Blogbeitrag vom vergangenen Donnerstag sehe. Dort hatte ich beschrieben, in welcher Zwickmühle die HSH Nordbank zwischen Eigentümern, Markt und Rettungspaket steckt. Wenn man, wie Herr Berger, jemand ist, der es vor allem den Eigentümern recht machen wollte, dann musste er an der aktuellen Situation zerbrechen.

Bisher waren die Eigentümer nicht bereit, neues Kapital zur Verfügung zu stellen. Dieses ist aber erforderlich für die HSH . . . → Read More: Rücktritt des HSH Nordbank Chefs, weil er zwischen Eigentümern und Markt zerquetscht wurde

HSH Nordbank im Schraubstock zwischen Eigentümern, Markt und Rettungspaket

Ausriss aus der Website der HSH Nordbank

Ausriss aus der Website der HSH Nordbank

Die Meldungen über die HSH Nordbank in diesen Tagen lesen sich nicht gut. Das Institut kommt nicht an das Rettungspaket, weil die Garantien erst gewährt werden, wenn die Kernkapitalquote mindestens 8% betrage, heißt es im Handelsblatt. Die Bank und ihre Eigentümer manövrieren sich unterdessen in eine Zwickmühle, die die Bank ernsthaft gefährden könnte.

Die Durchführungsverordnung vom 20 Oktober (FMStFV)  selbst sieht als eine Voraussetzung für eine Garantie eine angemessener Eigenkapitalausstattung vor. Wie diese ermittelt werden kann, ergibt sich aus der vor zwei Jahren verabschiedeten Solvabilitätsverordnung, einem 334 Seiten umfassenden Rechtswerk, in dem im Detail die angemessene Eigenkapitalausstattung von Kreditinstituten geregelt ist. Continue reading HSH Nordbank im Schraubstock zwischen Eigentümern, Markt und Rettungspaket

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