Stress Test als psychologische Beruhigungspille? And the stress goes to … Tim Geithner

by Dirk Elsner on 7. Mai 2009

Die Finanzwelt spekuliert seit Wochen heftig und zum Teil aufgeregt über die mutmaßlichen Ergebnisse des Supervisory Capital Assessment Program (vulgo Stress Test) für US-Banken. Heute sollen nun endlich die Umschläge geöffnet werden, damit Gewissheit über die Gewinner oder Verlierer herrscht (Spekulationen dazu z.B. hier). Dabei wird es (wie bei der Verkündung der Details zum Rückkaufplan für toxische Assets) gar nicht um die Inhalte gehen, sondern darum wie diese kommuniziert werden. Verunsichern die Information oder schaffen sie Gewissheit?

Wie schon Ende März (dazu hier: Wie Kommunikation Milliarden schafft oder vernichtet) wird es darauf ankommen, wie Geithner die Ergebnisse vermittelt. Sein Dilemma beschreibt die Zeit so:

“Fallen die Ergebnisse der Stresstests zu positiv aus, werden viele Menschen dem nicht glauben. Bestätigen sich hingegen die Gerüchte, die zuletzt im Netz kursierten, wonach 16 der 19 Banken bereits „technisch insolvent“ sind, werden die Märkte verschnupft reagieren – und die Kurse erneut abstürzen.”

Und auch das Handelsblatt sieht die Veröffentlichung als Stresstest für Geithner

“Viel wird von seinem politischen Geschick und der Bereitschaft der Bankmanager abhängen, schmerzliche Lösungswege zu gehen. Geithner will das Vertrauen in die Banken wiederherstellen, ohne das die übrigen Rettungspläne der Regierung wohl ins Leere liefen. …Damit ist Geithner auf einem enorm schmalen Grat unterwegs. Zeichnet er ein vom Markt als zu optimistisch bewertetes Bild, verpufft die Aktion wirkungslos. Erschreckt er mit unerwartet negativen Erkenntnissen, droht eine Panik wie im September 2008. Denn wer gibt einer Bank frisches Kapital, die einen amtlichen Stresstest nicht bestanden hat?”

Ob Furcht und Zittern (Süddeutsche) gerechtfertigt sind, wird sich zeigen. Persönlich erwarte ich nicht das große Zittern, weil sich die US-Administration sehr genau überlegt, wie sie was kommuniziert und gelernt hat, wie die Marktteilnehmer ticken. Geithner und sein Team haben sich mit den Animal Spirits der Investoren beschäftigt und werden am Donnerstag den Märkten so oder so eine psychologische Beruhigungspille einwerfen.

Übrigens: Kaum eines der klassischen Finanzmedien wird sich vermutlich mit den veröffentlichten Inhalten wirklich auseinandersetzen, sondern nur auf die Schlagzeilen und deren erste Wirkung achten. Eine fachlich, inhaltliche Analyse dürfte wohl eher von US-Blogs wie Calculated Risk, Creditwritedowns oder Big Picture zu erwarten sein. Wer sich für die Methodik interessiert, der wird in diesem 21-Seiten Dokument der US-FED fündig.

Weitere Berichte um Stress Test

CR: Government: Stress Test Results to be released at 5 PM ET

Welt: Geithner schließt Pleiten von US-Großbanken aus

NYT: As Stress Tests Are Revealed, Markets Sense a Turning Point

FAZ: Banken brauchen viel frisches Kapital

IFS: Runaway Stress Tests: The politicians have hijacked the process.

Vox: Geithner and Summers need to address the banking problems square-on

NYT: U.S. May Set a Debt Test for Banks

Alphaville: Gambling on Monte Carlo simulations

VG: Stresstest der US-Banken

NZZ: Bank of America braucht weitere 35 Milliarden

Vox: How financial stress spreads

RMRG: Veröffentlichung zu US-Stresstests enttäuscht – Vereinbarte “Theatralik” zwischen Regierung und Banken

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