Vor der Veröffentlichung der Ergebnisse zum US-Banken-Stress-Test spekulierte der Blick Log, dass die Ergebnisse des US-Stress-Test eine psychologische Beruhigungspille für die Märkte darstellen könnten. Nach der Veröffentlichung schrieb ich am Samstag: “Die geplant kommunikative Wirkung der US-Stress Test ist tatsächlich eingetroffen, zumindest bisher. Die Veröffentlichung der Ergebnisse wurde wieder so getrimmt, dass die Marktteilnehmer nicht verunsichert wurden und sogar noch feiern konnten. Die nicht überprüfbaren Ergebnisse wirken so, als hätte man zum wiederholten Mal die Psyche der Marktteilnehmer aufmotzen wollen.”
Nun mehren sich die Zweifel. Die FTD spricht sogar davon, dass die Banken Stresstest frisiert haben sollen. Weiter heißt es in der FTD:
“Die Ergebnisse des jüngsten Belastbarkeitstests von 19 führenden US-Banken beruhen nach Angaben der US-Zeitung „Wall Street Journal“ nicht auf soliden Berechnungen, sondern auf einem Geschachere zwischen den Finanzinstituten und Regierungsbeamten. Danach wurden bei der Prüfung durch die US-Notenbank Fed festgestellte Kapitallücken nach Protesten der betroffenen Banken im Zuge von Verhandlungen „geschrumpft“, berichtete die Zeitung am Samstag unter Berufung auf informierte Kreise. Die Financial Times berichtete mit Verweis auf Bankenkreise über ein Geheimabkommen zwischen dem Staat und den Kreditinstituten.”
Das Handelsblatt ergänzt etwas vorsichtiger unter der Überschrift: “Ergebnisse frisiert? Erhebliche Zweifel an US-Banken-Stresstests
“Wie das „Wall Street Journal“ am Samstag berichtete, benutzte die US-Notenbank Fed bei der Berechnung des Kapitalbedarfs zunächst eine andere Methode als von den Banken erwartet. Mindestens die Hälfte der Institute sei gegen diese vorläufigen Ergebnisse vorgegangen. So hätten Citigroup-Manager die Notenbank dazu überredet, die positive Wirkung einiger anstehender Geschäfte zu berücksichtigen. Nach Informationen der Zeitung wurde der Kapitalbedarf bei den anderen Banken jedoch deutlich weniger drastisch korrigiert – etwa bei Wells Fargo auf 13,7 Mrd. von zunächst 17,3 Mrd. Dollar.”
Der entsprechende Originalartikel im Wall Street Journal titelt allerdings weniger dramatisch als die deutsche Presse: “Banks Won Concessions on Tests Fed Cut Billions Off Some Initial Capital-Shortfall Estimates; Tempers Flare at Wells” Auch die New York Times befasste sich unaufgeregter mit den Ergebnissen des Test und fragt lediglich, ob dies der Anfang vom Ende der Bankenkrise oder lediglich das Ende des Anfangs der Krise sei.
Mal davon abgesehen, dass die Kommunikation zu glatt lief, sollte man die “Verhandlungen” der Banken mit der Aufsicht nicht überbewerten. Dabei kann es sich auch um einen ganz normalen Vorgang gehandelt haben. Das Verfahren sah ja offensichtlich die Abstimmung der Ergebnisse mit den Banken vor. Und eine Abstimmung bedeutet, dass Änderungswünsche aufgenommen werden können (allerdings nicht müssen). Dies ist übrigens auch in Deutschland geübte Praxis für Berichte von Außenprüfern. Von Frisieren würde ich also in diesem Fall nicht sprechen. Spannend dürfte dennoch sein, wie die Finanzmärkte selbst am Montag diese Berichte verarbeiten.
Mehr Schlagzeilen zum Stress Test und weitere Meldungen aus dem Finanzsektor
HB: Internationale Presseschau vom 11.5.2009 „Die Banken haben die Stresstests verwässert“
HB: Erhebliche Zweifel an US-Banken-Stresstests
FTD: Banken sollen Stresstest frisiert haben
Alea: Stress Tests: CDS Tightening
CWD: Black: Stress tests and the Big Lie
ÖB: Good & Bad Banks sauber trennen
BP: How Banks Cut Stress Test Cap Requirements in Half
TAZ: Kommentar Stress-Test für US-Banken: Lausige Public Relation
Time: What the Stress Tests Didn’t Tell Us
WSJ: Banks Won Concessions on Tests
FAZ: Ein Gold-Mann verfängt sich im politischen Netz
HB: „Häme bei Deutscher Bank nicht angebracht“
FAZ: HypoVereinsbank „Wir haben viel an Vertrauen verloren“
FAZ: Ein Banksanierer für die LBBW
FTD: Kovacevich, der Outlaw-Banker
FTD: Händel im Ländle
ÖB: Wie produktiv waren Innovative Finanzprodukte?
Spon: Regierungsentwurf: Bad-Bank-Pläne stoßen auf massive Kritik
HB: Harte EU-Auflagen für WestLB
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