Toxische Papiere und Bad Banks bei Sinn und Verstand

by Dirk Elsner on 25. Mai 2009

Prof. Hans-Werner Sinn äußert sich in der Wirtschaftswoche zur Bad-Bank-Frage und den Risiken aus toxischen Wertpapieren. Bei allem Respekt vor Herrn Sinn und seiner wissenschaftlichen Leistung, aber das was er dort zu den toxischen Papieren schreibt, entspricht nicht der Marktlage, wie aktuell zu beobachten ist. Sinn schreibt:

“Die Marktwerte dieser Papiere, die über die Verbriefung von Kreditforderungen gegenüber amerikanischen Immobilienbesitzern entstanden sind, liegen heute nur noch bei einem Bruchteil der Nennwerte. Papiere der sogenannten Equity-Tranchen haben Marktwerte von fast null, und selbst Papiere der Kategorie AAA werden nur noch zu einem Drittel des Nennwertes gehandelt.”

Zugegeben meine Überschrift “Hausse bei toxischen Wertpapieren” klang zwar etwas reißerisch, allerdings längst nicht so reißerisch wie die Headline zum Sinn-Text im Handelsblatt: “Deutsche Banken im Durchschnitt pleite”. Der Beitrag von Sinn ändert nichts an meiner Darstellung des Markttrends toxischer Papiere. Ich schrieb von einer deutlichen Erholung im Vergleich zu den Marktwerten im Februar und März diesen Jahres.

Herr Sinn hat offenbar das gleiche Problem wie nahezu alle Beobachter: Wir haben keinen Zugang zu aktuellen Marktpreisen toxischer Papiere. Immerhin habe ich mich in der vergangenen Woche auf indirekt beobachtbare Indikatoren und Aussagen berufen, die für eine Erholung sprechen. Diese Mühe macht sich weder Herr Sinn, noch sonst jemand in der Medienlandschaft.

Für einen Wissenschaftler eher befremdlich sind die Zahlendarstellung mit Vergleichen unter Bezug auf unterschiedliche Zeitpunkte, Quellen und Methodik. Sinn schreibt:

“Wie groß die stillen Lasten in den Bankbilanzen noch sind, wird deutlich, wenn man die tatsächlichen Abschreibungen und Marktwertberichtigungen, die die Agentur Bloomberg ausweist, mit den Prognosen über solche Abschreibungen und Marktwertberichtigungen vergleicht, wie sie vom Internationalen Währungsfonds (IWF) vorgenommen wurden. Erstere lagen Ende Februar weltweit bei 1,116 Billionen Dollar. Letztere betrugen in der Prognose des IWF vom April 4,05 Billionen Dollar für die USA, Euroland, UK und Japan. Danach sind bislang gerade einmal ein Viertel der zu erwartenden Wertberichtigungen realisiert. …

Nach offizieller Information der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) liegt der Bestand an strukturierten Wertpapieren, die auf Bad Banks übertragen werden könnten, bei etwa 200 Milliarden Euro. Inoffiziell liegt der Bestand an toxischen Papieren, wie FAZ und Süddeutsche Zeitung berichten, bei 800 Milliarden Euro, faule Unternehmenskredite noch nicht mitgerechnet.”

Hier scheinen Äpfel und Birnen miteinander verglichen zu werden. Vom Präsidenten eines Wirtschaftsforschungsinstituts sollte man hier genauere Zahlen bzw. einen kritischeren Umgang mit den Quellen und der Methodik erwarten. So entsteht der Eindruck, hier werde wieder einmal mit Schreckeffekten gearbeitet.

Wie auch immer, ich will das Problem der Differenzen zwischen Markt- und Buchwerten in den Bankbilanzen nicht schönreden oder verharmlosen. Mich ärgert es aber, wenn dieses Probleme seit Monaten in gleicher Weise als hochdramatisch dargestellt wird ohne wenigstens einmal auf die aktuelle Marktsituation einzugehen oder darzustellen, dass die im ersten Quartal beobachtbaren tiefen Marktpreise toxischer Papiere vor allem durch die Illiquidität (sowie möglicherweise durch irrationale Angst der Marktteilnehmer) bestimmt waren.

Diese Entstellung der aktuellen Situation führt nämlich auch zu den falschen Empfehlungen. Ich denke, weder der deutsche Bad-Bank-Plan ist geeignet noch Sinns Vorschlag, die Institute mit staatlichen Eigenkapital auszustatten. Freuen dürfte sich allerdings die Spekulanten, die im 1. Quartal beherzt bei toxischen Papiere zugegriffen haben, denn all die diskutieren Vorschläge führen letztlich zu einer Risikobegrenzung dieser Anlageklasse.

Außerdem sollte man sich immer wieder die Frage stellen, ob eigentlich die in den toxischen Wertpapiere verbrieften originären Kredite (wie z.B. Hypotheken an private Hauskäufer) tatsächlich so wenig wert sein sollen, wie es Markt- und Buchwerte erwarten lassen. Niedrige Bewertungen sind ja bekanntlich nur dann gerechtfertigt, wenn ein hoher Anteil dieser originärer Forderungen tatsächlich ausfällt.

Dafür dass die Bewertungen vieler Ursprungsforderungen möglicherweise viel zu niedrig ist, könnte eine Meldung in der New York Times sprechen. Gerade am Freitag hat nämlich einer der “Macher der Finanzkrise” bei der SEC einen Antrag eingereicht, um 750 Mio US$ für Penny Mac zu besorgen, einem Unternehmen, dass sich auf den Kauf schlechter Kredite spezialisiert hat. Natürlich werden die Kredite nicht zum Nennwert sondern nur zu einem Bruchteil davon zurückgekauft. Aber trotz der weiter angespannten Lage des US-Immobilienmarktes (siehe dazu hier) rechnen hier offensichtlich Spezialisten mit Marktchancen, u.a. auch durch Umfinanzierung der Schulden.

Nachtrag am 26.5.09

In der Wirtschaftswoche erörtern zwei Gastautoren in einem lesenswerten Beitrag das deutsche Bad-Bank-Modell und fragen, ob damit ein Befreiungsschlag gelingen kann.

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