Hat Sky Deutschland Medienkritik mit seinen Werbemillionen erstickt?

by Dirk Elsner on 7. Juli 2009

Das vergangenen Wochenende war wahrlich keines, das man vor dem TV verbringen sollte. Dennoch beschäftigte sich die daheim gebliebene Netzwelt ausgesprochen intensiv mit der “Programmumstellung” von Premiere und Sky sowie der Preispolitik des Münchner Pay-TV-Senders (siehe dazu die Links am Ende dieses Artikels).

Nun kann man einige Darstellungen der Netzgemeinde als das übliche Gezeter abtun. Egal zu welcher Aktion, zu welchem Produkt oder zu welcher Aussage, es finden sich stets herablassende Kommentare von “Besserwissern”. Unternehmen tun gut daran, nicht alle Kommentare ernst zu nehmen, denn die impliziten Forderungen dieser Kommentare sind schon deswegen nicht erfüllbar, weil sie sich in der Summe widersprechen und damit selbst bei Berücksichtigung zu einem endlosen Kritikkreis führen. Zu berücksichtigen ist außerdem, dass positive Bekundungen zu Unternehmen, Produkte und Leistungen außerhalb der Bewertungsplattformen seltener zu finden sind als negative Äußerungen.

Die gerade getroffene Aussagen dienen intern in vielen Unternehmen gern als Rechtfertigung, die Kritik aus dem Netz zu ignorieren und als Latrinenparolen abzuqualifizieren. Mit dieser Selbstgerechtigkeit stellen sich Unternehmen auf die gleiche Stufe wie ständig über alles meckernde Nörgler. Außerdem entziehen sie sich damit der Herausforderung, sich mit Aussagen sachkundiger und fundiert argumentierender Kritiker auseinanderzusetzen. Und die gibt es, wie z.B. Kai Pahl, der in Alles außer Sport sehr differenziert den Relaunch betrachtet. Dennoch fällt bei einem Blick in die verschiedenen Kommentarthreads auf, dass es nur ganz wenige Kommentare gibt, die sich positiv über die Umstellung äußern (“Der frappierenste Unterschied scheint zu sein, dass die neue SKY-Bekleidungs-CI keine Krawatten mehr vorsieht.”)

Eine Besonderheit macht mich nachdenklich. Die klassischen im Web vertretenen Medien halten sich deutlich mit Kritik an der Preis- und Produktpolitik des Pay-TV-Kanals zurück. Zyniker mögen hier sofort antworten, dies sei doch nicht ungewöhnlich angesichts der gewaltigen Medienkampagne, die die ausgedörrte Medienbranche wie einen Regenschauer im Death Valley begrüßt. Mit dieser Kampagne, die nach Angaben der Süddeutschen netto 45 Mio. € (und vor Rabatten und Freispots 100 Mio. €) kosten soll, will man bis Weihnachten die Abonnentenzahl von derzeit 2,4 Millionen an die Dreimillionengrenze rücken.

Angesichts der Netzkritik und der nicht stattfindenden Rezeption hege ich tatsächlich erhebliche Zweifel an der vielbeschworenen Unabhängigkeit deutscher Medien. Sogar die Bild, die sonst bei Fußball und dem Wohl des “Kleinen Mannes” gern in die unterste Klischeeschublade greift, hält sich auffallend zurück. Eine Online-Recherche ergab nur einen Bericht über den Dreh eines Werbespots und die kommentarlose Darstellung des neuen Preismodells. Angesichts der aufpoppenden riesigen Banner von Sky auf der Homepage von Bild dürfte das die Zyniker nicht überraschen.

Dabei bietet Sky eigentlich alle Komponenten, über die sich die deutsche Medienlandschaft gern empört. Über die Preis- und Produktkopplungspolitik  hatte ich bereits am Wochenende geschrieben. Über einen Kommentar zu meinen Beitrag bin ich auf die AGBs aufmerksam geworden, die ich für skandalös halte, wenn sie denn so richtig zitiert sind. Laut des Kommentators Wolfgang B., der sich wiederum auf TV-Foren bezieht, behält sich Sky vor:

  • Inhalte, Programme, Kanäle etc. einfach zu ändern. (1.1.2 & 1.1.4)
  • auf der Festplatte des Kunden mittels “Aktualisierung” Daten löschen zu können (1.2.7)
  • Kunden die keinen Zugriff aufs WWW haben für schriftliche Infos mit einer “angemessenen Vergütung” zusätzlich in die Tasche zu greifen (3.1., Abs. II)
  • Preise mal schnell zwischendurch zu erhöhen und dem Kunden das daraus resultierende Sonderkündigungsrecht zu beschneiden (Kündigung dann nur, wenn mehr als 10% erhöht wurde) (4.4)

Der Kunde wird verpflichtet mindestens alle 14 Tage sein Online-Postfach zu prüfen, sofern er es nicht extra abbestellt hat.
Er darf bei Programmausfall nur dann kündigen, wenn dieser über 14 Tage hinaus geht. Die Ausfallzeiten werden übrigens dann nicht nachgereicht… (7.4)
Werden Programme aus dem Abo gestrichen, darf der Kunde nur den betreffenden Teil des Abos kündigen (7.5)

Es gibt da auch was zum “Datenschutz”. Nicht genannte Dritte, Vierte und Fünfte bekommen die Daten der Kunden so, wie es Sky beliebt.
Eine Schufa-Auskunft reicht nicht – eine Wirtschaftsauskunftei wird auf den Kunden angesetzt.

Leider kann ich diese Angaben nicht nachprüfen, weil Sky die AGB auf seiner Internetseite erst gar nicht veröffentlicht (oder geschickt versteckt). Bei einem Bestellversuch werden die AGB bis zur Eingabe persönlicher Daten (incl. Bankverbindung) nicht angezeigt.  Der sehr lesenswerte Medienblog “Alles außer Sport” dokumentiert dagegen einige Verbesserungen im Vergleich zu den AGBs von Premiere.

Zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen hier ein Ausriss aus dem Abschiedsbrief an Sky vom Blog “Rückseite der Reeperbahn”.

“Und noch etwas macht mich stutzig, Sky: deine allgemeinen Geschäftsbedingungen (Foto). Die hast du in einer Schriftgröße drucken lassen, für die man eine Lupe braucht, aber auch die würde nichts nützen, denn als Farbe erwähltest du ein heimtückisches Blassgrau, das dieser Winzschrift auch noch eine Tarnkappe überstülpt.
Wer seine Geschäftsbedingungen derart vorsätzlich verschleiert, der macht sich hochverdächtig. Diese zwei eng bedruckten Seiten signalisieren mir nämlich nur eins: Du sollst uns nicht lesen können, denn hier stehen lauter Sachen drin, die dich über den Tisch ziehen sollen. Wahrscheinlich verpflichten diese Geschäftsbedingungen jeden, der sie akzeptiert, zum Verkauf seiner Großmutter. Allerdings ist das nur eine Theorie, denn ich kann sie ja nicht lesen.”

Abschließend zurück zur Ausgangsfrage. Ich habe für die Beantwortung der Frage natürlich nicht alle Medien off- und online studieren können. Eine Recherche bei Google News und Bing News offenbart allerdings einzig von der Rheinischen Post kritische Stimmen. Es spricht daher viel dafür, dass Sky tatsächlich eine verbreitete Medienkritik durch seine Werbemillionen unterdrückt.

Nachtrag

Dank des Hinweises von Leser Thomas hier der Link auf die AGB von Sky

Hier einige weitere Beispiele aus der Webkritik

wunschliste.de: Premiere/Sky: Große Sprüche, nichts dahinter

DTB: Aus premiere.de wurde nun sky.de

AAS: Follow-Up: T-Home oder Sky?

AAS: Screensport am Wochenende: Sky 1

PoS: Zum schmunzeln – Das Sky Motivationsvideo für Mitarbeiter + Neue Spots

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