Sky vs. Liga total! Warum ich in dieser Saison auf Bundesliga live verzichte

by Dirk Elsner on 4. Juli 2009

Schön, der neue Spielplan der Bundesliga ist raus und der Countdown auf die neue Saison der Bundesliga ist gestartet. In den letzten drei Jahren bestimmte – manchmal zum Leidwesen meiner Frau – häufig die Bundesliga die Gestaltung des Samstag Nachmittags. Dies ist nun vorerst vorbei. Nein, nicht weil meine Frau mit der Scheidung gedroht hat (sie nutzte diese Nachmittag nämlich zum Shoppen, während ich mich mit Werder Bremen gefreut oder geärgert habe), sondern weil es kein auf meine Bedürfnisse abgestimmtes TV-Angebot mehr gibt. So jedenfalls der Stand heute.

Mir ist egal, was sich smarte Berater dabei gedacht haben, als sie empfahlen Premiere in Sky umzutaufen (siehe dazu “Aus Raider wurde Twix und aus Premiere soll Sky Deutschland werden”). Eine Baracke bleibt eine Baracke, auch wenn man sie mit viel Werbung und einem hübschen Spot neu streicht. Mir ist es aber nicht egal, wenn ich eine Leistung in Anspruch nehmen möchte und durch ein Kopplungsgeschäft (im Marketing heißt das Buy-Through-Strategie) gezwungen werden, Leistungen abzunehmen, die ich nicht brauche oder bereits von anderen Anbietern nutze.

Kopplungsgeschäfte liegen vor, wenn ein Kunden vom selben Anbieter zwei oder mehrere Güter abnimmt. Jedoch ist dabei zu unterscheiden, dass allein die Abnahme zweier Güter von selben Anbieter noch kein Kopplungsgeschäft darstellt, sondern es kommt auf das Verhalten des Anbieters an. D.h., erst wenn der Anbieter auf eine bestimmte Weise auf den Abnehmer einwirkt, beide Güter abzunehmen, liegt ein Kopplungsgeschäft vor. Dies gilt erst recht, wenn man Produkt B nur erwerben kann, wenn man Produkte A dazu kauft. In diesem Sinne liegen bei beiden Anbietern für bezahlten TV-Fußball ganz klar Kopplungsgeschäfte vor.

Mit dieser Kopplungsstrategie gehen beide Inhaber von Bundesliga-Senderechten an den Markt. Ich brauche und will hier nicht alle Details der komplizierten Preis und Leistungsmodelle von Sky (zum neuen Preismodell siehe hier) und T-Home darstellen. Bei beiden Angeboten muss man sich verbraucherfeindlich durch Fußnoten oder Kleingedrucktes quälen, um Leistungsumfang und Tarife zu begreifen. Fakt bleibt, dass man zu folgenden Paketen genötigt wird:

1. Preismodell bei Sky (früher Premiere)

  • Fußball-Basispaket (1. und 2. Bundesliga) 19,90 Euro im Monat,
  • Basispaket von Sky (egal, was darin enthalten ist): 13 Euro
  • Summe 32,90 €

2. Preismodell T-Home

  • Bundesliga (Laufzeit 12 Monate): 14,95
  • Entertain Paket: ab 44,95 (Laufzeit 24 Monate) mit Telefon- und Internet Flat
  • Summe 59,90

Insbesondere das Angebot von T-Home enttäuscht entgegen ursprünglichen Erwartungen. Interessierte Kunden, die einen Vertrag bei einem anderen Telefonprovider und/oder bei einem Digitalkabelunternehmen (jeweils mit längerer und natürlich nicht synchroner Laufzeit) haben, können selbst technisch nicht wechseln, weil es nur einen Zugang zum Hausanschluss gibt. Bei unseren Restlaufzeiten (Telefon 9 Monate, Digital-Kabel 20 Monate) würden wir somit Leistungen abnehmen, die wir bereits von anderen Dienstleistern in Anspruch nehmen.

Immerhin: Vorteile hat derjenige, der bereits wieder (oder immer noch) Kunden der Telekom ist und das TV lieber über die Telefonleitung (via VDSL) als über Kabel empfängt.

Ob dies rechtlich fragwürdig sein könnte, wäre eine Frage für Juristen, zumal ich mir das angebotene Gut über keinen anderen Weg beschaffen kann. Im Prinzip nutzen hier also zwei Anbieter jeweils ihre marktbeherrschenden Stellungen aus.

Prinzipiell halte ich wenig von Wettbewerbsklagen und hoffe auf eine Regulierung durch den Markt. Ich kann immerhin meinen Teil zum Funktionieren des Marktes beitragen und die Nachfrage verweigern, denn beide Modelle weichen erheblich von meinen Bedürfnissen ab. Sie zwingen mir Leistungen auf, die ich nicht brauche.  So habe ich nun schweren Herzens beschlossen habe, auf die Live Bundesliga zu verzichten. Statt dessen weiche ich wieder auf das Radio aus, gehe bei guten Spielen häufiger ins Stadion. Oder meine Frau kann mich nach dem Shoppen aus der Sportsbar abholen.

Aus unternehmensstrategischer Sicht ist die Strategie der Telekom nachvollziehbar. Das Bonner Unternehmen zahlt vergleichsweise wenig für die Übertragungsrechte per IPTV und sichert sich über diese Strategie mittelfristig mehr Kunden. Und tatsächlich würde ich bei Ablauf unseres derzeitigen Festnetzvertrages den Wechsel zur Telekom erwägen, zumal hier Betreuung und Service deutlich im Plus liegen.

Premiere dagegen wird sich so ins Abseits kicken und spätestens zum Start der Rückrunde nachbessern. Nach Angaben des Handelsblatts zählt Premiere derzeit lediglich 2,4 Millionen Kunden, genauso viele wie vor sieben Jahre. „Drei Millionen brauchen wir, um die Gewinnschwelle zu erreichen“, sagt der neue Vorstandschef Williams, der jüngst aber schon von mehr als sieben Mio.  Abonnements geredet hat.

Warum in dieser Woche aufgrund des neuen Preismodells wieder Analysten die Kursziele der Premiere-Aktie nach oben gehoben haben und der neue Chef so optimistisch ist, weiß wohl nur der heiße Sommerwind.

Sehr lesenswert übrigens der Abschiedsbrief an Sky vom Blog Rückseite der Reeperbahn.

Presseberichte und Netzreaktionen zur Umstellung

Focus: Mit „Sky“ soll alles besser werden

TAZ: Ball-Eroberung

HB: Premiere heißt jetzt Sky – kein Novum

MSP: Zum Abschied von PREMIERE

IT-Times: Aus Premiere wird Sky und sonst wird einiges teurer

Klarsicht: Falls Sky scheitert: Teleclub wieder in Deutschland?

Pottblog: Ab heute: Sky statt Premiere

Screensport am Wochenende: Sky 1

POS:Sky will nicht nur über Fußball berichten, sondern auch darüber reden – Sky 90?

Kress: Premiere macht 100 Mio für Sky-Launchkampagne locker

Horizont: Premiere gibt Details zur Sky-Kampagne bekannt

TVundso: Sky: Neuer Zoff mit Kabelnetzbetreibern

Kommentarthreads im Netz

Premiere/Sky: Große Sprüche, nichts dahinter

Thread im Forum Digitalfernsehen

Short News: Fußball: Preise für die Bundesliga im Vergleich

Looki: Sky – Premiere-Relaunch vollzogen

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