Spiritualität als Megatrend der Werbung?

by Dirk Elsner on 19. Juli 2009

Immer wieder erstaunlich, welche Trends die Werbebranche in unserer Gesellschaft ausmacht. Als ich in vergangenen Funktionen u.a. auch für das Marketing eines Unternehmens verantwortlich war, hatte ich das Vergnügen, regelmäßige Branchenblätter wie “Horizont” oder W&V” lesen zu dürfen. Was ich u.a. erinnere ist, dass Werber immer genau glauben zu wissen, wie Kunden ticken und wie man sie anspricht. Dazu werden im Wochentakt neue Zielgruppen definiert und neue Megatrends ausgerufen.

Catrin Bialek und Markus Scheele haben im Handelsblatt einen neuen Trend entdeckt. Sie fanden heraus, dass viele Unternehmen ihre Produkte neuerdings mit religiösen und mystischen Symbolen ummanteln  und sie zu Halbgöttern stilisieren. Die Sehnsucht nach dem Überirdischen treibe ihre Kreativität. Wie bei allen Trends, wissen natürlich auch Experten, warum die Strategie funktionieren könnte. Dazu ist zu lesen:

"Mit Spiritualität werden die Unternehmen in den nächsten Jahren viel Geld verdienen", prognostiziert Trendforscher Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut in Kelkheim. Schließlich werden sich Marken in Zukunft noch stärker mit Mythen und Symbolen aus der Kirche und Antike umwehen lassen. Denn was in der Bibel schon gut funktionierte, hilft auch dem Marketing auf die Sprünge. Schließlich ist die Heilige Schrift auch so etwas wie die Werbebroschüre des christlichen Glaubens. … Durch die mythologisch-religiöse Inszenierung der Marken steigen sie selbst zu anbetungswürdigen Ikonen in den Olymp. … "Marken sind wie trojanische Pferde, sie verdecken verborgene Tiefendimensionen", sagt Stephan Grünewald, Psychologe und Mitgründer des Rheingold Instituts für qualitative Marktanalysen.”

Die Erklärungen klingen herrlich plausibel und vermitteln den Eindruck der Allgemeingültigkeit, wie z.B. diese hier:

“Die Kultmarke Apple geht sogar noch einen Schritt weiter: Sie bildet Religion nicht nur ab, sie schafft vielmehr eine eigene Glaubensgemeinschaft. "Beide stiften Identität und schaffen Gemeinsamkeiten, geben Handlungsanweisungen und vermitteln ihren Anhängern damit einen Wert innerhalb eines stabilen Systems", erläutert Axel Kolaschnik, Professor für Markenkommunikation an der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Mannheim.”

Der Artikel enthält noch viele weitere Beispiele. Wer noch mehr Beispiele nebst Erläuterungen sehen will, der wird auf dieser Seite von Sinnstiftermag fündig.

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