Opel-GM: Begrenzte Begeisterung bei Sberbank über GM-Angebot

by Dirk Elsner on 11. September 2009

Während die Deutsche Politik sich zumindest bis zum Wahltag feiert (siehe Weissgarnix Na so ein Glück aber auch!), hält sich die Begeisterung beim wichtigsten potentiellen Käufer über das GM-Angebot in Grenzen (siehe Beitrag gestern: Opel-Entscheidung mal wieder gefallen). Als Käufer wird zwar stets das Magna-Konsortium angegeben. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass die russische Sberbank fast gleichberechtigt an dem Konsortium beteiligt ist. Und deren Chef äußerte sich gedämpft zum neuen Angebot (und mehr ist das nicht) von GM. Dazu ist im Handelsblatt zu lesen:

Er war noch nie ein großer Freund der Opel-Beteiligung: German Gref, der telegene Chef der staatlich kontrollierten russischen Sberbank, die nun 27 Prozent am Rüsselsheimer Autobauer halten wird. Und so blieb er auch gestern wieder sehr zurückhaltend. Er nehme noch keine Gratulationen entgegen, sagte der Chef der größten russischen Bank. Schließlich müsse man sich jetzt erst einmal genau die Bedingungen angucken, die GM für den Opel-Verkauf stellt.

Die Sberbank betrachtet die GM-Entscheidung zum Verkauf von Opel noch nicht als endgültig. Das Votum sei ein wichtiger Zwischenschritt, sagte Sberbank-Chef German Gref. Die Gespräche seien sehr schwierig und die Struktur des Geschäfts sei ohnegleichen kompliziert gewesen. Die Absichtserklärung allein sei ein Dokument von mehr als 1000 Seiten.

Möglich, dass die begrenzte Freude von Gref ja auch daher rührt, weil es mit seinem Institut derzeit ebenfalls nicht zum Besten steht (siehe Sberbank-Gewinn bricht ein).

Auch zwei deutsche Vertreter der Opel-Treuhandgesellschaft konnten sich nicht erwärmen für das Angebot und stimmten gegen den Verkauf b zw. enthielten sich der Stimme (siehe hier). Weitere skeptische Stimmen kommen außerdem aus der Wirtschaftspresse:

“Die Süddeutsche Zeitung geht davon aus, dass mit der Entscheidung von GM das „Rumgeeiere“ der vergangenen Monate eine unrühmliche Fortsetzung finden werde, nur auf einem höheren Niveau. Denn klar sei einzig und allein, dass General Motors für die in Aussicht gestellte Transaktion mit Magna die Bedingungen stelle. „Gnadenlos interessengeleitet wird GM die für den US-Konzern wichtigen Eckpunkte definieren, und die werden vermutlich so ausgestaltet sein, dass der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna und seine Partner aus Russland daran wenig Freude haben werden.“ Am Ende könnte sogar der ganze Deal „grandios platzen“. Fazit: „Die Entscheidung des GM-Verwaltungsrats, Opel an Magna verkaufen zu wollen, ist jedoch nicht mehr als eine Beruhigungspille aus Detroit. Und die könnte für die Bundesregierung am Ende sehr, sehr bitter schmecken.“

Nun wurde und wird viel geschrieben. Ehrlich muss man aber einräumen, dass sich die Situation für Außenstehende nicht bewerten lässt, weil die Details der neuen Bedingungen von GM nicht bekannt sind. Bekannt sind übrigens ebenfalls nicht die genauen Bedingungen, an die der Bund seine Unterstützung knüpft.

Es besteht der Verdacht einer Fortsetzung der bisherigen Inszenierung. Also, vielleicht sollten wir Hobby-Investmentbanker uns einfach zurückhalten und mal schauen, wie das Poker-Spiel weitergeht. Mittlerweile ist der November als Zieltermin (GM-Europe-Chef Forster: „Noch harte Arbeit vor uns“) aufgerufen. Persönlich glaube ich nicht an diesen Termin. Aber man hat ja das Jahr nicht dazu genannt.

Zur Mindmap mit der aktualisierten Übersicht zum Opel-GM-Geflecht geht es hier.

Nachtrag

Wie zu erwarten, sickern nun Details weiterer Forderungen von GM auf den Nachrichtenmarkt. Ob dies so stimmt oder zu der Inszenierung gehört, lässt sich derzeit aber nicht sagen. Im Handelsblatt ist jedenfalls zu lesen:

„Nach dem Verkauf von Opel verlangt der bisherige Mutterkonzern General Motors (GM) ein Vorkaufsrecht und mehrere Vorstandsposten bei der neuen Gesellschaft „New Opel“. Falls einer der neuen Partner – der Autozulieferer Magna und die russische Sberbank – wieder aussteigen wollte, müsse GM das Recht haben, das erste Angebot für die freiwerdenden Anteile abzugeben. Das sagte GM – Verhandlungsführer John Smith nach Angaben von Opel in einer internen Sitzung. Magna und die Sberbank sollen nach den Plänen je 27,5 Prozent der Anteile übernehmen.“

Im gleichen Beitrag dämpft auch Magna-Eigentümer Frank Stronach die Euphorie:

„Opel hat schon lange keinen Profit mehr gemacht und die Wirtschaft ist zurzeit auch nicht so blühend. Es wird für alle Beteiligten ein harter Weg werden. Wir sind sicher erst am Anfang.“ Russland werde in dem Geschäft eine ganz große Rolle spielen. Wir arbeiten mit Magna und Sberbank zusammen, um bis Ende November zu einem Abschluss zu kommen, sagte GM-Verhandlungsführer John Smith.“

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