Kredit- und Verbriefungsmärkte als Mittel gegen die Finanzierungsklemme

by Dirk Elsner on 11. September 2009

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Quelle der Abbildung: Klaus-Peter Feld: Abbildung konventioneller Asset Backed Securities-Transaktionen im IFRS-Abschluss

In dieser Woche habe ich mich für den Kongress “Kredit- und Verbriefungsmärkte im Umbruch” Anfang Oktober in Berlin angemeldet. Unter Federführung der True Sale International GmbH bietet dieser Kongress ein höchst anspruchsvolles Programm (Details dazu hier), das zukunftsweisende Hinweise für die Lösung der Finanzierungsklemme liefern könnte. Nach allem, was wir bisher über die Finanzierungsprobleme insbesondere auch mittelständischer Unternehmen aus der Praxis wissen, wird es nämlich neben der Lösung der Eigenkapitalprobleme (siehe dazu im Blick Log zuletzt hier) zu einer Renaissance der Verbriefungsmärkte kommen.

Ich halte die Bündelung von Kreditforderungen in forderungsbesicherten Wertpapieren (= ABS) weiterhin für sinnvoll, um die Kreditvergabe zu erleichtern und einer verbesserten Risikoallokation der Banken zu ermöglichen. Die spannende Frage wird allerdings sein, unter welchen Vorzeichen dieser in die Kritik geratene Markt wieder aufleben wird und welche Lehren die Finanzinstitutionen aus der Finanzkrise für die Verbriefungsmärkte gezogen haben.

Dass die Verbriefungsmärkte in welcher Ausgestaltung auch immer wieder anspringen, ergibt sich rein sachlogisch einerseits aus den weiterhin hohen und künftig steigenden Finanzierungsbedarfen der Unternehmen, die sich nicht direkt über den Kapitalmarkt finanzieren können. Andererseits führen die angedachten neuen Eigenkapitalvorschriften der G20 zu Restriktionen im direkt durch Banken vergebenen Kreditvolumen. Banken, die auf der Suche nach neuem Eigenkapital nicht erfolgreich genug sind und weiter im Geschäft bleiben wollen, werden den Weg der Kreditverbriefung gehen, wenn sie nicht vom Markt verschwinden wollen.

Die Finanzbranche arbeitet also intensiv am Comeback des Marktes für verbriefte Kreditforderungen. Dazu hatte ich bereits den Beitrag “Vorsichtige Renaissance der Verbriefungsmärkte aber immer noch investment first”  über die Veranstaltung “Bestandsaufnahme Kreditmärkte und Unternehmensfinanzierung in Deutschland” geschrieben. Die Überschrift enthielt eine Anregung an die Finanzbranche, beim Reboot der Verbriefungsmärkte nicht nur an die Investoren zu denken, sondern auch an die finanzierenden Unternehmen. Denen muss nämlich der Zugang zu dieser Finanzierungsform erleichtert werden. Viele Banken bieten eine ABS-Finanzierung nämlich gar nicht direkt ihren Kunden an. Vielmehr verbriefen sie nach Abschluss des Kreditvertrages den Kredit im Rahmen ihres Kreditportfoliomanagements.

Eine Ursache für die Exzesse am Markt der Verbriefungsforderungen lag in den Wünschen von Investoren nach höheren Renditen, die man mit “spannenden Konstruktionen” erzielen wollte. Diese “spannenden Konstruktionen” zeichneten sich durch ein Höchstmaß an Komplexität, Intransparenz und Risikoasymmetrie aus, so dass Investoren (darunter viele Banken) damit Schiffbruch erlitten. Interessanterweise wurde das Angebot dabei nicht von der Finanzierungsseite, sondern von der Investmentseite getrieben, die angesichts der niedrigen Marktzinsen renditestarke Konstruktionen suchten.

Hier wird es darauf ankommen, insbesondere Investoren mit Risikoappetit künftig deutlich mehr Transparenz über die einzugehenden Risiken zu geben. Meines Erachtens spricht nichts dagegen, auch riskantere Kredite zu verbriefen. Den Investoren muss das Risiko nur bewusst sein. Um Vertrauen zu gewinnen benötigen sie dazu u.a. eine neue Qualität von Transparenz. Eine Ratingnote allein wird trotz der von den Ratingagenturen gelobten Besserung (siehe dazu Gespräch mit Torsten Hinrichs von S&P) nicht ausreichen.

Finanzierung suchende Unternehmen müssen andererseits wissen, was sie liefern müssen, um eine Finanzierung zu ansprechenden Konditionen zu erhalten. Hier fehlen gerade vielen mittelständischen Unternehmen immer noch die Rahmenbedingungen, um sich fit für solche Finanzierungen zu machen. Ein Mehr an Einbeziehung und Orientierungshilfen durch die Banken wird hier sehr förderlich sein.

Die Finanzbranche brütet über neue Ideen, hat sie aber bisher nicht gefunden. Hier mag noch eine Portion kreatives Selbstbewusstsein fehlen. Erforderlich ist, dass Finanz- und Nichtfinanzsektor stärker miteinander reden und Banken einfach einmal genau hinhören, was ihre Kunden genau brauchen. Die originären Bedürfnisse der nach Finanzierung suchenden Unternehmen, insbesondere des Mittelstands, kommen nämlich meist zu kurz. Wie erwähnt, war auch die Energie der Finanzbranche mehr darauf ausgerichtet, für Investoren ein adäquates Paket zu schnüren. Das unterstreicht auch die Abbildung, in der der Ursprungsschuldner nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Die Branche sollte mehr wagen, die Denkrichtung zu ändern und vom Finanzierungsuchenden den Prozess zu denken. Statt “investment first” also “financing first”. Sie sollte sich also zuerst die Frage stellen, was braucht ein Unternehmen für seine Finanzierung an Eigen- und Fremdkapitalinstrumenten. Anschließend kann man schauen, wie die Risikostrukturierung und die Refinanzierung durch Investoren auf diese Bedürfnisse ausgerichtet werden kann. Dann kann der Finanzplatz Deutschland im internationalen Wettbewerb gestärkt aus der Finanzkrise hervorgehen.

PS

Übrigens bietet die TSI auf dieser Seite eine ganz hervorragende Übersicht mit umfangreichen und direkt herunterladbaren Materialien zur Finanzmarktdebatte. Dies schreibe ich nicht nur, weil mein Blog dort erwähnt ist, sondern weil es sich tatsächlich um sehr anspruchsvolle Literatur handelt, die ich auch gern in meine Literaturlinksammlung (Einstieg hier) integriert habe.

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