Was einige Manager mit Megan Fox gemeinsam haben

by Dirk Elsner on 6. November 2009

Wenn in Ihrem Haushalt große Jungs wohnen, dann werden Sie vermutlich die Schauspielerin Megan Fox aus dem Kino-Blockbustern “Transformers” kennen. Über die 23-jährige Schauspielerin schrieb die Badische Zeitung jüngst:

Dass Megan Fox wunderschön ist, kann wohl niemand bestreiten. Sie hat ein Gesicht wie aus einer Kosmetikwerbung, Katzenaugen und einen atemberaubenden Körper. Seit sie 2007 in dem Hollywoodfilm "Transformers" mitspielte, wird die 23-Jährige als Star gehandelt. Im vergangenen Jahr wurde sie dann – wen wundert’s – zur "Sexiest Woman in the World" gewählt. Künftig soll sie der Körper für die nächste Armani-Kampagne für Unterwäsche und Jeans sein.

Was dies mit Managern, wie etwa dem Ex-Arcandor-Boss Middelhoff zu tun hat? Mehr als man denkt. Fox hat genau so wenig ein Monopol auf ihre optischen Attribute, wie etwa Middelhoff auf seine in der Vergangenheit gerühmten Managementfähigkeiten. Es gibt Millionen Frauen, die bei gleichem Einsatz von Styling und Photoshop mindestens genau so die Köpfe von Jungs und Männern durcheinander bringen könnten, wie Fox. Und ebenso findet man in dieser Republik tausende von Personen, die mindestens in der gleichen Qualität (viele vermutlich besser) Arcandor oder Porsche hätten managen können.

Bei Fox ist es Agenten und Produzenten gelungen, sie innerhalb kürzester Zeit zu einem Star zu hypen, der für klingende Kasse sorgt  (daß diese Strategie jedoch auch nach hinten losgehen kann, hat Spiegel Online dargestellt). Dabei ist Fox mindestens genau so umstritten, wie die Leistungen von Deutschlands Edelmanagern. Warum Fox diese Popularität erreicht hat, können sicher PR-Experten erklären. Als Schauspielerin und Teamplayerin wird sie jedenfalls von der Filmcrew, die “Transformer” produziert haben, stark angegriffen. In einem offenen Brief wird die Qualität ihrer Leistungen und ihr Umgang am Set erheblich bezweifelt. Die Crew plädiert dafür, Fox im dritten Teil dieser Filmserie sterben zu lassen, so dass man nicht mehr mit ihr zusammenarbeiten müsse.

Aus der Distanz lässt sich freilich nicht ausmachen, ob es sich bei diesem Brief ebenfalls um eine weitere PR-Aktion handelt. Fakt dürfte sein, dass Fox auch im dritten Teil der Katastrophenreihe mitspielt und noch mehr verdienen wird als vorher. Sie verdankt die Entdeckung einem Zufall, ist hoch umstritten in ihren Leistungen, kommt aber offensichtlich beim (männlichen!) Publikum ausgezeichnet an. Und das Publikum interessiert sich nicht, wie am Set gearbeitet wird.

Und hier fallen die weiteren Ähnlichkeiten mit so manchem Star-Manager auf. Middelhoff, Wiedeking, Eick und viele andere haben es geschafft, sich so gut in Szene zu setzen, dass sie auf ihren Toppositionen wie Stars gefeiert wurden. Insbesondere Thomas Middelhof galt als Meister der Eigen-PR. Was er und andere bei Porsche, Arcandor und vielen anderen Unternehmen am Ende hinterlassen haben bekannt. Es bleibt vor allem ein bitterschaler Beigeschmack.

Gerade bei Arcandor ist gut zu erkennen, wie sich die Verantwortlichen für die Pleite aus der Verantwortung winden, wie in diesem Artikel dargestellt wird. Und anstatt über das eigene Unvermögen nachzudenken und auch einmal Fehler einzuräumen, wird fest weiter an der eigenen Legende gestrickt. So wurde gerade Thomas Middelhoff am vergangenen Wochen zitiert “Die Quelle-Pleite war nicht unabänderlich”. Das erstaunt die Beobachter deswegen, weil der mittlerweile ebenso umstrittene Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg zitiert wird: „Wir haben mit der Lupe nach der Substanz in diesem Unternehmen gesucht, aber wir haben nichts Nennenswertes gefunden.“ Mindestens einer dürfte hier also die tatsächliche Situation, die für viele Mitarbeiter und kleine Händler zu einer sozialen Tragödie zu werden droht, ziemlich frei interpretieren.

Wer diese Ausführungen jetzt als Anheizen der Neiddebatte betrachtet, dem empfehle ich vorher einen Blick auf eine Untersuchung von  Ulrike Malmendier und Geoffrey Tate aus dem letzten Jahr. Unter dem Titel Superstar CEOs kamen sie zu dem Ergebnis: “Unternehmenschefs, die besondere Medienaufmerksamkeit erhalten, “entwickeln sich bald zu Underperformern im Vergleich zu ihren unbekannteren Kollegen.” Eine Zusammenfassung der Ergebnisse findet man in den UCBerkeley News unter dem Titel “Beware the superstar CEO, says economist”. 

Die Autoren sprechen vom Fluch der öffentlichen Aufmerksamkeit, der für Unternehmensbosse wie für Nobelpreisträger und häufig auch Sportler zum Wendepunkt ihrer Karriere wird. Konkret ist gemeint, dass ihre Leistungsfähigkeit mit der großen Bekanntheit und der damit einhergehenden Medienpräsenz abnimmt. Malmendier und Tate untersuchten Aktienkurse und Rendite auf Aktiva und fanden eine unterdurchschnittliche Performance im Vergleich zu Kontrollgruppen, wenn die Firmenchefs größere Bekanntheit erlangten.

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