Obama wettert knackig gegen Wall Street und auch Ackermann steckt ein

by Dirk Elsner on 13. Dezember 2009

Das gesellschaftliche Ansehen der Banken sinkt immer tiefer. Obama findet die bisher deutlichsten Worte gegen das Finanzgewerbe. In seiner gestrigen wöchentlichen Radio- und Videoansprache und in einem heute ausgestrahlten Interview mit CBS (hier der Videoausschnitt) spürt man die Verbitterung des Präsidenten.

Zitate lt. Handelsblatt und Spiegel Online (kompletter Originaltext hier zum nachlesen:

„Ich habe nicht kandidiert, um einem Haufen Bonzen an der Wall Street auszuhelfen.”

Einige Geldhäuser hätten zudem die staatlichen Hilfen offensichtlich vor allem deshalb schnell zurückgezahlt, um wieder hohe Boni zahlen zu können. „Das sagt mir, dass die Leute an der Wall Street es immer noch nicht kapiert haben“, sagte Obama.

Amerikanische Bankiers wunderten sich immer noch darüber, „dass sich die Leute über die Banken ärgern“, ätzte Obama, die in der Finanzkrise durch staatliche Unterstützung vor der Pleite bewahrt wurden – und jetzt bereits wieder hohe Prämien an Mitarbeiter zahlten. Trotz einer Arbeitslosenrate von rund zehn Prozent und einer anhaltenden Rezession gebe es immer noch „einige Leute an der Wall Street, die nichts begriffen haben“, sagte Obama.

„Ihr genehmigt euch zehn, zwanzig Mio. Dollar an Boni, nachdem Amerika wirtschaftlich das schlimmste Jahr seit Jahrzehnten durchgemacht hat – und ihr habt das Problem verursacht.“

„Es frustriert mich wirklich, dass dieselben Banken, die von Steuergeldern profitiert haben, mit Zähnen und Klauen gegen eine Finanzregulierung kämpfen.“

Auch in seiner wöchentlichen Ansprache, die via Radio und Internet übertragen wird, gab Obama den Banken einen Großteil der Schuld für das „Desaster“, das den USA die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise beschert und „sieben Millionen Bürger den Job gekostet“ habe. Zu dieser Katastrophe wäre es nie gekommen, sagte der US-Präsident weiter, wenn die Wall Street klare Regeln gehabt und diese auch durchgesetzt hätte. So aber hätten die Bankmanager „mit riskanten Kreditgeschäften und komplexen Finanzprodukten zocken“ können, um kurzfristig Prämien einstreichen zu können.

Obamas abschließendes Urteil über die Mentalität an der Wall Street: „Man darf es wohl als Risikomanagement bezeichnen – nur leider ohne Management.“

Dieses Aussagen sind übrigens auch ein Tiefschlag gegen Goldman Sachs, dessen Management offenbar tatsächlich geglaubt hat, mit einer Änderung des Ausschüttungsmodus (nicht der Bonushöhe) Kritiker besänftigen zu können.

Obamas Kritik ist an die richtig adressiert, nämlich an die Top-Etagen vieler Finanzinstitute. Es trifft allerdings auch hundertausende Mitarbeiter, die nie einen Cent von den Riesenboni gesehen haben und die sich im Tagesgeschäft viele Beschimpfungen anhören müssen, während die Bosse sich abgeschirmt dem öffentlichen Zorn entziehen können.

Freilich gelingt dies nicht immer. Das hat am Freitag Josef Ackermann erfahren. Der Chef der Deutschen Bank hatte einen eher unglücklichen Auftritt, als er bei einem Dinner des Center on Capitalism and Society vor der auserlesenen aber ökonomisch versierten Zuhörerschaft gegen staatliche Interventionen wetterte und nach einem Witz dazu die Stimmung im Saal gefror. Es lohnt die Story komplett nachzulesen im Handelsblatt unter: Dinner der Hochfinanz: “Der Abend, an dem Ackermann das Lächeln gefror”.

Siehe auch Zeit: Wall Street Der Staat dankt ab, die Banker danken

Nachtrag

Unbedingt dazu passt auch der Beitrag, den Hansruedie Ramsauer am 14.12. auf Zeitenwende veröffentlicht hat. In Aufwachen Gentlemen berichtet er u.a. von der Schelte von Paul Volcker, dem ehemaligen FED-Chef und jetzigen Beraters Obamas, an dem Verhalten der Banken und dem Ausbleiben von Lerneffekten.

Weiterer Blogbeitrag zum Thema bei Creditwritedown

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