Heftige Finanzierungsklemme droht Unternehmen: Und wo bleibt Mittelstandsfonds?

by Dirk Elsner on 6. Januar 2010

Das Thema Finanzierungsklemme wird die Unternehmen in diesem Jahr voraussichtlich noch stärker begleiten als im vergangenen Jahr. Die Kredithürde für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im Dezember gestiegen, schrieb das Ifo Institut vor Weihnachten. 44,3% der befragten Unternehmen beklagen eine restriktive Kreditvergabe der Banken. Damit liegt die Kredithürde aktuell um 1,4 Prozentpunkte höher als im Vormonat.

Besonders stark, nämlich von 47,4% auf 50,6% hat sich die Kredithürde im Bauhauptgewerbe erhöht. Zum ersten Mal seit über drei Jahren bewertet über die Hälfte der befragten Baufirmen die Kreditvergabepolitik der Banken als zurückhaltend. Da der Bau eine der Schlüsselbranchen ist, könnte ein Aufschwung an der Kredithürde im Bausektor scheitern, wenn das Bankensystem nicht in die Lage versetzt wird, seine Kreditmittel zu erhöhen.

Auch der Handel und die kleineren Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes beschweren sich zunehmend über die Kreditvergabe der Banken. Bei den mittelgroßen Unternehmen ergab sich keine wesentliche Änderung der Situation, und bei den bislang sehr kritischen Großunternehmen zeigt sich sogar eine leichte Entspannung der Lage. Dennoch bewertet nach wie vor mehr als die Hälfte der Großunternehmen des verarbeitenden Gewerbes die Kreditvergabe der Banken als restriktiv.

Seit Ausbruch der Finanzkrise wird über die “Kreditklemme” auf eine bizarre Art und Weise diskutiert. Dabei ist die Bezeichnung “Kreditklemme” falsch verwendet (siehe dazu zuletzt Erläuterung in diesem Beitrag). Der Ausdruck Kredithürde, den das Ifo-Institut verwendet, gefällt mir deutlich besser. Ich selbst bevorzuge den Begriff Finanzierungsklemme, weil es insgesamt für Unternehmen darum geht, die Finanzierung ihrer Auszahlungen zu sichern. Und Finanzierung lässt sich bekanntlich nicht nur auf Fremdkapital einengen, sondern erfolgt auch durch Eigenkapital.

Nun gibt es aktuell verschiedene Entwicklungen, die die Finanzierungsbedingungen negativ und positiv beeinflussen:

Warum könnte es schlimmer werden?

  1. Erst wenn den Banken die vollen Auswirkungen der Wirtschaftskrise in den Zahlen der Unternehmen sehen, greifen die Automatismen in den Ratingsystemen der Kreditinstitute und führen zur Verschärfung der Kreditbedingungen.
  2. Durch den prognostizierten Aufschwung entsteht zusätzlicher Finanzierungsbedarf für Investitionen und Betriebsmittel.
  3. Aufgrund der Unsicherheit über die verschleppte Neufassung der künftigen Eigenkapitalregeln treten viele Banken zusätzlich auf die Kreditbremse, solange nicht klar ist, in welchem Umfang und zu welchen Konditionen Eigenkapital beschafft werden muss. “Freiwillig” SoFFin-Mittel in Anspruch zu nehmen, ist für keine Bank eine rationale Option.
  4. Auslaufende Mezzanine-Finanzierungen, für die es derzeit noch keine Anschlussfinanzierung gibt (siehe dazu “Boomsegment am Boden: Mezzanine-Finanzierung steht still”) sorgen für hektische Suche nach Ersatz.
Warum könnte es besser werden?
  1. Die Banken passen ihre Kreditbeurteilungen an und schauen weniger auf Daten der Vergangenheit und mehr auf die gegenwärtige und erwartete Entwicklung der Unternehmen. Freilich gibt es derzeit mit Ausnahme der Commerzbank noch wenig öffentlich bekannte Informationen, ob die Banken tatsächlich in diese Richtung tendieren.
  2. Beteiligungsunternehmen sitzen derzeit wieder auf vergleichsweise hoher Liquidität, die angelegt werden will. Leider misstrauen aus zum Teil nachvollziehbaren Gründen gerade viele mittelständische Familienunternehmen den Beteiligungsfirmen (siehe dazu jüngst diesen Artikel in der FTD).
  3. Der Markt für Verbriefungen springt langsam wieder an und hilft die Finanzierungsrisiken besser zu verteilen.
  4. Politik und Finanzbranche schafft es doch noch durch verschiedene Maßnahmen, die Finanzierungsmärkte in Gang zu bringen.
  5. Es etablieren sich neue Finanzierungsmöglichkeiten.
Wo bleibt der angekündigte Mittelstandsfonds?

Auf dem “Häppchengipfel” Anfang Dezember im Kanzleramt hat die illustre Runde aus Politikern, Verbandsvertretern sowie ausgewählten Banken und Unternehmen im Prinzip richtig das Eigenkapitalproblem erkannt. Nach der Runde ließen sich die Banken für ihren Vorschlag, einen Eigenkapitalfonds aufzusetzen, in der Öffentlichkeit loben (z.B. von der Welt: Ackermann bringt die Banken aus der Schusslinie).

So klug aber unkonkret der Vorschlag damals blieb, so wenig hat man bisher von Umsetzungsaktivitäten gelesen. Die zum dem Fonds bekannten Einzelheiten muss man sich mühsam zusammensuchen aus den Berichten über den Kanzlerinnenamtsgipfel (siehe etwa hier) :

“ Sparkassen und Deutsche Bank hatten den Mittelstandsfonds ins Gespräch gebracht. Die Deutsche Bank will Kreisen zufolge etwa 300 Mio. Euro in den Topf legen. Das Vehikel soll zunächst für zwei Jahre errichtet werden. Außerdem haben sie ein Eigenkapital-Hilfeprogramm vorgeschlagen, bei dem der Staat für Nachrangdarlehen bürgen soll. Mit Zuschüssen zum Eigenkapital sollen Unternehmen wieder kreditwürdiger werden. Nach Angaben von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle geht es um die Vergabe von Mezzanine-Kapital durch die Fonds. Dabei erhalten die Firmen Eigenkapital, ohne dem Kreditgeber Stimmrechte gewähren zu müssen.”

Weder von der Deutschen Bank noch von der Sparkassenorganisation gibt es weitere Informationen zu der damaligen Ankündigung. Das ist nicht nur ausgesprochen bedauerlich, sondern hochgradig peinlich, denn es zeigt einmal mehr, dass solche Runden nur Fotos für das Familienalbum bringen und inhaltlich rein gar nichts bewegen. Befürchtet hatte ich das bereits vorher in “Zeigt die “Funktionselite” endlich Verantwortung?”

Welche Alternativen gibt es noch?

In verschiedenen Artikeln habe ich bereits über Vorschläge geschrieben (siehe Artikel des Blick Log in dieser Übersicht).

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