Spaniens Ratingherabstufung: What a Drama … für Fitch

by Dirk Elsner on 30. Mai 2010

Als ich am Freitag Abend durch die Schlagzeilen auf Twitter und den Blogs scrollte, hatte ich fast den Eindruck, Spanien stehe kurz vor der Pleite, es drohe sozusagen ein Griechenland 2.0.

Spon: Ratingagentur Fitch straft Spanien ab: Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit des Landes gesenkt. Anleger reagierten nervös: Die US-Börse erlitt Verluste, auch der Euro verliert an Wert. Schon fürchten einige Experten neue schwere Turbulenzen.

HB: Euro fällt: Fitch stuft Spaniens Kreditwürdigkeit herunter: Der Euro verliert daraufhin im Vergleich zum US-Dollar an Wert. Auch der Dow Jones knickt ein.

FAZ: Ratingagentur Fitch stuft Spanien herab: Der Euro fiel nach Bekanntgabe auf ein Tagestief, die Aktienmärkte reagierten nervös.

FTD: Warum Spanien vor der Pleite zittert

Einzig die FTD nahm der Rating-Änderung die Dramaturgie: Fitch stuft Spanien herab auf AA+ , wie übrigens auch die Blogs von egghat und credit writedown.

Kaum zu lesen war, dass die Rating Agentur damit lediglich das nachvollzogen hat, was die “Märkte” schon lange wissen. Die Kreditwürdigkeit Spaniens liegt nicht mehr auf dem allerhöchsten Top-Niveaus, sondern einen Notch (= 1 Stufe) darunter. Professionelle Marktteilnehmer lesen die schleichend sich verschlechternde Bonität Spaniens schon lange an den Risikoprämien für die Kreditversicherung auf spanische Verbindlichkeiten ab.

Und sogar der breiteren Öffentlichkeit ist das seit Monaten bekannt. Fitch dokumentiert mit der Ratingherabsetzung von der besten (und übrigens auch mit Deutschland gleichgesetzten) Stufe AAA auf AA+ lediglich das, was S&P bereits im Januar 2009 gemacht hat und ohnehin jeder weiß. Daher ist es Blödsinn, diese Herabstufung verschärfe die Krise, wie das der Berliner Ökonom Michael Burda im Handelsblatt behauptet.

Der folgende Chart von Standard & Poor´s zeigt die Entwicklung der Risikoprämien auf spanische Staatsverbindlichkeiten in den letzten Monaten.

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Man muss ich also eher fragen, ob Ratings von Fitch überhaupt zeitgemäß und glaubwürdig sind. Dies gilt erst recht, wenn man sich die Begründung anschaut. Fitch schreibt sinngemäß: Die Sparanstrengungen der spanischen Regierung würden das Wirtschaftswachstum in den kommenden Monaten belasten. Bisher hatte ich ja stets gedacht, dass Sparanstrengungen einer Regierung eher positiv auf das Rating wirken.

Angesichts der Zeitpunktes der Herabsetzung muss man also mal wieder einmal ein Fragezeichen hinter die Aktivitäten der Bonitätsbewertungsoligopols setzen. Joseph Stiglitz hatte die Kritik an den Agenturen kürzlich in einem Interview mit der TAZ zugespitzt:

Das wahre Problem sind die mangelhaften Geschäftsmodelle der Rating-Agenturen. Weil deren Bewertungen von Immobilienhypotheken und Kreditversicherungen miserabel waren, tragen die Agenturen eine große Verantwortung für die Finanzkrise. Und auch die Schuldenkrise Griechenlands haben sie massiv verschärft, indem sie die Bewertung von Staatsanleihen zum falschen Zeitpunkt auf nicht nachvollziehbare Weise herabgesetzt haben. Einer Gruppe von Leuten, die ihre Inkompetenz so klar unter Beweis stellt, dürfen die Regierungen nicht die Macht überlassen. Es ist frappierend, welche einflussreiche Stellung die Rating-Agenturen nach wie vor einnehmen. Wir brauchen eine strikte Aufsicht, die einfache Registrierung reicht keinesfalls aus.

Egghat weist übrigens darauf hin, dass die Agentur Moody’s Spanien immer noch auf AAA eingestuft hat, aus welchen Gründen auch immer.

Das Urteil ist in Wirklichkeit peinlich für Fitch. Es unterstreicht zum wiederholten Mal, dass Ratingagenturen nur auf den “Markt” reagieren. Zu den Mysterien der Finanzkrise gehörte ja, wie so schlechte Investitionen in Hypothekenkredite so gute Rating-Noten bekommen konnten. Eine Antwort darauf suchte vor einigen Wochen ein Untersuchungsausschuss des US-Senats und lud als Zeugen Vertreter der Rating-Gesellschaften ein (Dokumentation hier).

Interessant, dass trotz der Kritik an den drei Oligopolisten bisher kein Staat die Konsequenzen gezogen hat und das Engagement mit einer der Agenturen gekündigt hat. Es schimpft sich leicht auf die Bonitätswächter, für einen Verzicht fehlt es aber offenbar an Mut und professionellen Alternativen.

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