Epilog zum Sommertheater um die Stresstests europäischer Banken

by Dirk Elsner on 26. Juli 2010

Das Sommertheater der Finanzbranche hat mit der Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse am vergangenen Freitag (Dokumentation hier) einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Der Blick Log hat seine Kritik bereits am vergangenen Montag formuliert. Der Kern der Kritik war: Der Stresstest berücksichtigt nicht die Maximalabschläge, die auf Vermögensverkäufe notwendig wären, wenn Banken ihre fälligen Verbindlichkeiten zahlen müssten.

Ob die Testergebnisse dies tatsächlich nicht berücksichtigt haben, lässt sich freilich schwer beurteilen, weil die Öffentlichkeit zwar über konsolidierte Ergebnisse, nicht aber über Details der Methodik informiert wurde. Lediglich einige Rahmenparameter, wie Abschläge auf Staatsanleihen oder konjunkturelle Einflüssen wurden genannt (siehe dazu etwa die ausführliche Presseerklärung der Bundesbank). Für eine wirklich ausgezeichnete Darstellung zur bekannten Methodik des Stresstests siehe vor allem den Beitrag von Steffen Bogs auf Querschüsse:  „Stresstest ohne Stress“.

Die Kritik vieler Fachleute (Auswahl im Handelsblatt) ist in vielen Punkten berechtigt, dennoch wird meist eine Frage offen gelassen: Was wäre passiert, wenn die Banken Stresstestergebnisse so veröffentlicht hätten, wie es die „Experten“ sich gewünscht hätten und wie sie (hoffentlich) intern in den Häusern selbst durchgeführt werden?

Klar, die Ergebnisse eines „echten“ Stresstests, der z.B. auch Sekundär- und Tertiärwirkungen berücksichtigen sollte, hätte einen viel höheren Kapitalbedarf der Finanzbranche gezeigt. Das Gleiche hätte gegolten, wenn die Differenzierung von Handels- und Anlagebuch vermieden worden wären. Eine Konsequenz wäre gewesen, viele unter Stress stehende Banken hätten sich in einem vergleichsweise kurzem Zeitfenster Kapital besorgen müssen. Nicht auszuschließen, dass es dann wieder zu Verwerfungen an den Kapitalmärkten gekommen wäre. Die Veröffentlichungen vom vergangenen Freitag signalisieren nach außen eine Portion Gelassenheit. Nach innen kann man nun weiter am Risikomanagement und an der Kapitalbeschaffung ohne Druck arbeiten.

Symptomatisch sind aber wieder einmal die Reaktionen der Banken selbst. Ist das Ergebnis gut ausgefallen, dann feiert man sich in der Presseerklärung. Ist das Ergebnis schlecht ausgefallen, dann hält man die Ergebnisse nur für bedingt aussagefähig (siehe hier die Presseerklärung der Hypo Real Estate). Diese Form der Öffentlichkeitsarbeit zelebriert die Finanzbranche seit Jahren.

Ob durch die Veröffentlichung wirklich zusätzliches Vertrauen geschaffen wird, ist zweifelhaft. Dafür war der Veröffentlichungsprozess außerdem ausgesprochen unprofessionell. Es spricht für die Unerfahrenheit mit Transparenz, wenn man zwei Tage vor Bekanntgabe das Prozedere einer solchen Veröffentlichung noch ändern will. Das geht in einer Branche nicht, die mit Intransparenz und Informationsasymmetrie ihr Geld verdient. Vielleicht hätten CEBS und Aufsichtsbehörden über einen eigenen Blog versuchen sollen, schon vorab mehr Hintergrund zum Verfahren zu veröffentlichen. Aber das wäre eine Informationsrevolution gewesen, so weit kann man im Finanzwesen noch nicht denken.

Großanleger kennen übrigens die Schwächen der Tests sehr genau. Will man sie von einer Kapitalerhöhung an einer Bank überzeugen, wird man schon deutlich mehr Informationen liefern. Aber auch dies wissen die Finanzhäuser.

Nachtrag v. 26.7. 22:40

Der Wirbel um die Stresstests ist nicht vorbei. Die oben kritisierte Intransparenz hat weitere Wellen geschlagen. Siehe dazu

Spon: Kritik – Aufseher rügen deutsche Stresstest-Veröffentlichungen und lt. Zero Hedge und Dow Jones sollen DZ  und WGZ Bank Länderanleihen umgebucht haben, um Abwertungen für den Stresstest zu vermeiden http://tinyurl.com/24tqfzk.

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