Ein weiterer Grund, warum die Ökonomen am neoklassischen Paradigma festhalten

by Dirk Elsner on 26. September 2010

In dem Beitrag Mainstream-Ökonomie auf dem Stand der Newtonschen Gesetze” beklagte ich mich über das Festhalten der Mainstream Ökonomen am neoklassischen Paradigma und behauptete die Ökonomie befände sich allenfalls dort, wo sich die Physik befand als die Newtonschen Gesetze den Leuchtturm des Fachs darstellten.

Eine interessante Bestätigung, dass sich die Ökonomie immer noch schwer tut, lieferte jüngst Norbert Häring mit dem Beitrag “Das amerikanische Übergewicht” im Handelsblatt. Das Festhalten an traditionellen Denkmustern hat nämlich auch etwas mit dem Veröffentlichungsverhalten zu tun. Wenn man in der akademischen Ökonomie Karriere machen will, dann gehören dazu Veröffentlichungen in “renommierten” Fachzeitschriften wie „American Economic Review„, das „Quarterly Journal of Economics“ und das „Journal of Political Economy„.

Aber, so schreibt Häring, “alle, die der herrschenden Lehre widersprechen, haben massive Probleme, Herausgeber und Gutachter von ihrer Forschung zu überzeugen.” Als Beleg führt er Akerlofs berühmten Aufsatz „A Market for Lemons“ an, der zunächst von mehreren führenden Fachzeitschriften abgelehnt wurde. Freilich wurde der Aufsatz dann vom gerade zitierten Quarterly Journal of Economics 1970 veröffentlicht. Mit diesem Aufsatz kratzte George A. Akerlof immerhin nachhaltig an den traditionellen Verhaltensannahmen der Ökonomie und erhielt 2001 den Ökonomie-Nobelpreis.

Weil die Universitäten weltweit, so Häring weiter, bei der Berufung neuer Professoren immer größeres Gewicht auf Publikationen in führenden Fachzeitschriften legen, „werden Aufsätze und Ökonomen, die vom Mainstream abweichen, seltener“, zitiert er Bruno Frey, den laut Handelsblatt-Ranking forschungsstärkste deutschsprachige Ökonom. Frey findet dies sei eine besorgniserregende Entwicklung. Immer weniger Fakultäten leisteten sich den Luxus, Ökonomen mit unorthodoxen, schwer publizierbaren Forschungsansätzen zu beschäftigen.

So beeinflusst also offensichtlich die Karriereerwartung des wissenschaftlichen Nachwuchses das ökonomische Forschungsprogramm. Allerdings klingt es ein wenig platt, wenn man den Stillstand der Ökonomie ausschließlich daran festmachen würde.

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