Heftige Nachlese zu Guttenberg lässt Selbstkritik der Medien gegenüber eigenem Hochjubeln des Barons vermissen

by mnockerl on 8. März 2011

Für den Blick Log ist das Thema zu Guttenberg vorläufig beendet. Für die Medien selbst aber noch lange nicht. Es gab weitere lesenswerte Beiträge, die einer Legendenbildung um den zurückgetretenen Karl-Theodor zu Guttenberg vorbeugen wollen. Was freilich fehlt, ist eine kritische Selbstanalyse der Medien. Wir haben bisher keinen einzigen Beitrag dazu gefunden (freuen uns aber über Hinweise), wie sehr sich die Medien, die sich jetzt gründlich mit dem Freiherren aufräumen, von zu Guttenberg selbst bis zum Bekanntwerden der Plagiatsaffäre haben einnehmen lassen.

Bevor es ernst wird mit der Medienkritik, wollen wir hier zunächst vier Beiträge der vergangenen Tage erwähnen, die sich mit der Causa zu Guttenberg befassen. Ganz oben die FAZ mit dem Beitrag von Volker Zastrow “Wie Ken den Kopf verlorGuttenbergs verschleppter Rücktritt”. Helmut Däuble räumt für Spiegel Online mit “Ein Gespenst namens Guttenberg” auf. Und die FTD nimmt sich die Guttenberg-Anhänger vor in “Der Verrat der Guttenberg-Verteidiger”. Die ZEIT versucht sich dem Phänomen der Heldenverehrung zu nähern in “Nach dem Rücktritt Guttenberg und die grauen Mäuse.

Man wird gerade wegen der geballten Kritik (für die sich die Medien übrigens selbst feiern) an dem noch vor drei Wochen mit viel positiven Schlagzeilen bedachten Franken den Eindruck nicht los, dass den Medien die eigenen Versäumnisse in den letzten zwei Jahren sauer aufgestoßen sind. Vielleicht fällt die Kritik so vernichtend aus, weil man sich in gewisser Weise schämt für die Jubelchöre der Vergangenheit. Leider mangelt es den oben genannten und auch allen anderen Beiträgen an einer kritische Selbstreflektion der früheren Berichterstattung.

Und man muss nicht nur auf zu Guttenberg zielen, denn das Hochjubeln und Fallenlassen von Personen aus Politik und Wirtschaft gehört zum Medienalltag. Nur zu gern lassen sich Medienvertreter von eloquent und charismatisch auftretenden Personen einnehmen. Man muss nur an Utz Classsen (Solar Millenium) , Thomas Middelhoff (Bertelsmann, Arcandor), Wendelin Wiedeking (Porsche) oder Karl-Gerhard Eick (Arcandor) erinnern.

Die oben genannten ehemaligen Manager und viele andere haben es geschafft, sich so gut in Szene zu setzen, dass sie auf ihren Toppositionen wie Stars gefeiert wurden. Insbesondere Thomas Middelhoff galt als Meister der Eigen-PR. Was sie und andere bei Porsche, Arcandor und vielen anderen Unternehmen am Ende hinterlassen haben, ist bekannt. Es bleibt vor allem ein bitterschaler Beigeschmack.

Tatsächlich stände vielen Medien etwas Buße gut an. Da ist etwa der unkritische Umgang mit den ewig gleichen “renommierten Fachleuten” und “angesehenen Experten”, die meist sehr ungefiltert zitiert werden. Es wird dann jeweils so getan, als müsse das, was George Soros, Nouriel Roubini oder Warren Buffet von sich geben, einfach stimmen. Selten macht sich jemand die Mühe, diese Personen, geschweige denn ihre Aussagen auf den Prüfstand zu stellen. So kann man Medienkompetenz nicht zurück gewinnen.

Schlimmer als die ewig gleichen “aufgeblasene Experten” (Thomas Knüwer) ist zeitweise die “Hof-Berichterstattung” über einige Manager. Besonders auffällig sind dabei Attribute, mit denen einige Personen hochgelobt werden und die ein eigenes Bullshit-Bingo füllen könnte:  “Er gilt als knallharter Sanierer”,  “Er hat sich als charismatische Führungsfigur durchgesetzt”, oder “Er hat sich mit dem Aufbau von xyz einen Namen gemacht.” Selten wird die Frage gestellt, ob diese Erfolge wirklich den Personen so zuzuschreiben sind und welchen Anteil der Zufall oder andere Personen am Erfolg hatten. Die PR-Abteilung lässt in jedem Fall grüßen, womit solche Beiträge nur selten genießbar sind.

Als Medienkonsument interessiert mich übrigens mittlerweile sehr, ob ein Interview oder ein “Hintergrundbericht” auf Initiative eines Journalisten oder der Presse-Abteilung eines Unternehmens entstanden ist. Genauso wichtig wäre es zu erfahren, ob die sogenannten “Kreise”, die Journalisten mit vertraulichen Informationen versorgen, selbst Interessen an der der Lancierung bestimmter Informationen haben. Diese Transparenz muss doch einfach möglich sein, ohne die Quellen zu gefährden.

Wie gesagt, die Wirtschaftsgeschichte ist voll mit ehemals hochgejubelten und später gescheiterten Führungsfiguren. Ergänzen könnte man hier noch Lars Windhorst, Jean-Marie Messier oder Jürgen Schrempp. Diese sind freilich nur kleine Fische im Vergleich zu Alan Greenspan, der noch bis zum Ende seiner Amtszeit von den Medien vergöttert wurde und erst mit dem Ausbruch der Finanzkrise ausgestoßen wurde.

Hardy März 10, 2011 um 16:11

Als Beispiel die SZ:

http://www.sueddeutsche.de/politik/guttenberg-auf-reisen-minister-top-gun-im-einsatz-1.959500
http://www.sueddeutsche.de/politik/guttenberg-auf-reisen-minister-top-gun-im-einsatz-1.959500-3

“Ein Auftritt, der an Coolness kaum zu übertreffen ist: Dynamisch schreitet der Minister mit Helm und Schutzbrille über die Landebahn auf hoher See. Im Hintergrund peitschen noch die Rotorblätter des Hubschraubers durch die Luft, der ihn auf den Träger gebracht hat.”

Für so etwas muss sich doch jeder ernstzunehmende Schreiberling noch Jahrhunderte schämen (gibt es auch “statisches Schreiten”?).

Adam März 8, 2011 um 02:26

Mir hat dieser Artikel gut gefallen. Hätte nichts dagegen, wenn das Internet als “fünfte Gewalt” die Medien etwas in Zaum hält ;-)

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