Finanzierung und restriktive Beleihungswerte (Teil 2): Was zu tun ist

by Dirk Elsner on 9. März 2011

Nahezu unbestritten ist, dass die neuen unter Basel III firmierenden Eigenkapital- und Liquiditätsregeln, die Kreditvergabe an Unternehmen nicht gerade fördern, sondern weiter im Vergleich zu anderen Anlageformen diskriminieren werden. Gegen die aufsichtsrechtliche Benachteiligung des klassischen Kreditgeschäfts wehren sich Banken freilich kaum. Sie fürchten vor allem generell den hohen Kapitalbedarf, der ihre Geschäftsmöglichkeiten einschränkt.

Im ersten Teil dieser zweiteiligen Reihe habe ich an einem Beispiel erläutert, welche Wirkungen eine äußerst restriktive Kreditbesicherungspolitik für die Finanzierung von Unternehmen hat und was die Ursachen dafür sind. Heute soll geschaut werden, was Banken, Unternehmen Verbände und Politik tun könnten, um sich gemeinsam die Kreditvergabe zu erleichtern.

Viele Unternehmen können oder wollen die hohen Sicherheitsanforderungen nicht erfüllen und verzichten daher auf eine Finanzierung. Die Anforderungen  sind aber, wie der Fall im ersten Teil gezeigt hat, häufig deswegen besonders hoch, weil Kreditinstitute auf viele Sicherungsgüter absurd hohe Bewertungsabschläge vornehmen. Das zentrale Problem für Banken bei der Bestimmung der Beleihungswerte liegt darin, für eine Vielzahl von Gütern jeweils aktuelle und vor allem realisierbare Verwertungspreise verfügbar sowie geeignete Verwertungspartner zu haben. Allein die schlichte Menge an Produkten, die theoretische als Sicherungsgut dienen können, beschränkt die Institute.

In dem im ersten Teil dieses Beitrags genannten Beispiel konnte die Bank aufgrund mangelnder Ressourcen gar nicht nachhaltig die Marktgängigkeit des Produktes prüfen und müsste sich allein auf Angaben des Großhändlers verlassen. Es fehlt da das, was etwa im Wertpapierbereich Standard ist: Eine Produkt- und Preisdatenbank mit nachvollziehbaren und realisierbaren Preisen. Daneben mangelte es der Bank an einem entsprechenden Marktzugang, um für spezielle Produkte einen Käufer zu finden.

Tatsächlich gibt es für zahlreiche Produkte, die als Sicherungsgut dienen, entsprechende Datenbanken, aus denen sich realistische Verwertungspreise abschätzen lassen. Man denke etwa an Autos, Immobilien, Flugzeuge, Schiffe oder marktgängige Rohstoffe. Hier erhalten die Institute jeweils ziemlich verlässliche Werte, so dass sie die Abschläge differenziert und sachgerechter vornehmen können.

Daher lohnt es sich für Banken, ein institutsübergreifendes Verfahren zur Kategorisierung und Bewertung zu implementieren. Ich sehe dafür mindestens drei Vorteile für die Finanzhäuser:

  1. Sie könnten mehr Kredite vergeben und
  2. Sie brauchen dafür c.p. nicht so viel Eigenkapital hinterlegen.
  3. Sie vermeiden, dass ihre Sicherungsverträge möglicherweise wegen Übersicherung angefochten werden und sie in dann gänzlich ohne Sicherheiten dastünden.

Kreditsuchende Unternehmen können eine hinreichend realistische Berücksichtigung ihrer gestellten Sicherheiten erwarten, erst recht, wenn sie in einem Gesamtkontext mit weiteren Sicherheiten gewährt werden. Die Banken selbst müssen aufpassen, dass sie es mit der Absicherung nicht übertreiben, denn die  Übersicherung kann zur Unwirksamkeit der Sicherungsvereinbarung führen. Weil das einige Institute frühzeitig erkannt haben, haben sie sich auf ausgewählte Kunden oder Produkte spezialisiert (Immobilien, Ärzte, Schiffe, Autos, Rohstoffe). Hier erwarten Kunden meist zu Recht auf eine realistischere Einschätzung der Ausfallrisiken.

Hilfreich wäre es also, wenn sich die Finanzierungsbranche mehr Transparenz über Sicherheiten verschaffen und die Informations- und Verwertungsprozesse auch auf weitere Güter ausweiten und entsprechend professionalisieren würden. Dazu gehört etwa der Aufbau entsprechender Datensammlungen für realisierte Verwertungspreise und entsprechende Verwertungspartner. Oft gelingt die Sicherheitenverwertung nur über spezielle Dienstleister, die ihrerseits noch eine Marge erwarten, mit entsprechender Wirkung auf den Bewertungsabschlag.

Klar, der Aufwand entsprechende Datensammlungen aufzubauen ist hoch und lohnt sich für kleinere oder mittlere Institute nicht. Aber im Ergebnis nützt diese Sammlung sowohl den Kreditnehmern als auch den Kreditinstituten. Banken, Handel und Industrie könnten sich hier die Kosten teilen. Das Wirtschaftsministerium könnte die Maßnahme entsprechend fördern als konkrete mittelstandsfreundliche Maßnahme.

Daneben ist der Gesetzgeber zwingend aufgerufen, bei der Implementierung von Basel III die mittelstandsfeindlichen Umsetzungsdetails zu eliminieren. Sowohl die Umsetzung von Basel II, als auch die jetzt in Rechtsnormen zu gießende Vorschläge Basel III diskriminieren den normalen Unternehmenskredit ausgesprochen stark, wie ich bereits in diesem Beitrag dargestellt habe. Es wundert, dass Unternehmensverbände und die sich sonst so mittelstandsfreundliche gebende Politik hier nicht aktiv werden.

Den einzelnen Unternehmen selbst empfehle ich unbedingt, ein systematisches Sicherheitenmanagement aufzubauen. Mehr dazu habe ich in diesem Beitrag für die CFOWorld geschrieben.

Sicherlich gibt es noch weitere Maßnahmen, wie Unternehmen und Banken hier zu unternehmensfreundlicheren Verfahren kommen können. Ich freue mich über Anregungen und auch über Hinweise, welche alternativen Wege Unternehmen gehen.

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