Dokumentation einer G+ Diskussion: Sind einheitliche Regeln für Banken nötig?

by Gastbeitrag on 12. Mai 2012

Vergangene Woche hatte ich unter dem Post eines Links auf einen Beitrag von Norbert Häring zur Bankenregulierung einen so langen und spannenden Thread zwischen Ralf Sippel und Michael Vincent, dass ich die Beiden fragte, ob ich diese noch einmal in einem Beitrag hier im Blog veröffentlichen darf. Ich dokumentiere damit quasi ein Gespräch, das so auf Google+ zwischen zwei interessierten Menschen stattgefunden hat, die sich Gedanken über die Hintergründe und Konsequenzen der aktuellen Wirtschaftspolitik und Aktivitäten an den Finanzmärkten machen. Dabei streifen sie ein breites Spektrum an Themen.

Ausgangspunkt war der Beitrag: “Stimmt es, dass…Sind einheitliche Regeln für Banken nötig?”

Michael Vincent 

Das stimmt nur zum Teil. Das Hauptproblem sind nicht einheitliche Regeln für Banken an sich. Sondern es braucht härtere Regeln für den Handel von Zertifikaten, Futures, Optionen, und weiteren Derivaten. Es ist auch denkbar, den Markt für Devisengeschäfte zu regulieren, beispielsweise über eine Art Kapital-Fluss-Steuer direkt an der Quelle der Clearing-Banks (oder zu Ihnen und von Ihnen wieder zurück).

Ein metrisches System, das die Kapital-Umlauf-Geschwindigkeit, die Anzahl der Transaktionen einer Finanz-Organisation (selbst Zentralbanken) usw. misst. Daraus resultieren verschiedene Steuer-Parameter zur Steuerung der jeweiligen Finanz-Ströme. Ein solches Finanz-Instrument wäre in der Tat wünschenswert, aber auf absehbare Zeit vermutlich nicht durchsetzbar, auch nicht nach der Finanz-Krise von 2008.

Während traditionell US-amerikanische und britische Banken vorwiegend mit Fremdkapital arbeiten, waren deutsche Banken traditionell auf den Mittelstand oder den heimischen Finanzmarkt ausgerichtet. Dies hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert, nicht nur für deutsche Großbanken. Viele halbstaatliche  Länder- u. Finanzbanken haben sich zur Gewinn-Maximierung auf das Risiko-Geschäft, dem internationalen Finanz-Markt beteiligt, obwohl ihnen dazu weder die Kompetenz reichte, noch haben sie sich auf eine Konsolidierung ihrer Häuser beschränkt.
Die Einführung von Basel 2 hat dazu geführt, dass Kleinkredite, aufgrund der härteren Kreditrichtlinien an Privat-Kunden, diese dann durch eine geringere Akkreditierung kaum noch in Frage für Kredite gekommen sind. Firmenkunden mit niedriger Bonität mussten höhere Sicherheiten vorhalten und werden wie Privat-Kunden mit niedrigem Rating und Bonität mit höheren Zinsen belastet. Es besteht ein direkter Zusammenhang der zunehmenden Privat-Insolvenzen, der Einführung von Hartz4 und der weitaus früheren Umsetzung der Basel-Richtlinien gegenüber der USA.

Die Kosten von Basel (I+II+III) werden allein für Deutschland seit seiner Einführung und im weiteren Verlauf auf bis zu 1000 Mrd. € geschätzt.
Das ist Geld, das im sowohl im Privat-Kunden- u.  Firmenkunden-Geschäft, und letztlich auch bei der Binnennachfrage und der damit zusammenhängenden Binnenkaufkraft fehlt.

 

Stattdessen haben  Banken und Sparkassen, die Spareinlagen der Sparer weiterhin dazu verwendet, immer mehr Kredite an solche Firmen zu vergeben, die aufgrund ihrer hohen Bonität und Liquidität eigentlich kein Geld bräuchten.

Zur Zeit als Deutschland 2008 Basel 2 bereits umgesetzt hatte, waren die USA mit Basel noch gar nicht soweit. Im Gegenteil, es wurden billige Kredite vergeben wo es nur ging. Die Auswirkungen waren eine Immobilien-Blase, die zum Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes führte.
Erst im Dezember 2011 haben die USA nach heftigen Widerstand Basel 3 angenommen.

Die USA und Großbritannien haben bereits mit Basel II sich weitaus länger zeit gelassen, als Deutschland und das übrige Europa. Damit haben sich Deutsche Banken Wettbewerbsnachteile von Anfang an eingehandelt. Die Erweiterung auf Basel III droht aufgrund Verzögerungstaktik des US-Banken-Verbandes zu platzen. Die durch Basel III vorgehaltenen Gelder oder Investitionen wären für deutsche Banken unwiderbringlich verloren.

Es ist nicht hinnehmbar, dass einerseits Deutschland Basel 2 und 3 durchsetzt, was zu einer transparenteren Eigenkapitalquote der einzelnen deutschen Banken führt und andererseits, deutsche Banken aufgrund der durch Basel 2+3 verschärften Wettbewerbsbedingungen sich immer weiter vom klassischen Geld-Verleih-Geschäft verabschiedet haben, um das "Glück" und Profit in Derivaten oder den Zertifikatshandel zu suchen, um Wettbewerbsnachteile gegenüber den englisch-sprachigen Bankenwesen auszugleichen.

Das Kerngeschäft deutscher Banken war immer der heimische Markt, und nicht ein durch Fremdfinanzierung kapitalisiertes Risiko-Geschäft.
Wenn also die britischen Banken für deutsche Banken eine höhere Eigenkapital-Erhöhung fordern, dann fordern Sie im Grunde eine Verschärfung oder Erweiterung der Basel-Richtlinien, und das aufgrund der fehlenden Durchsetzung ihrer (ursprünglich) eigenen Idee von Basel im eigenen Land.
Dabei sind es insbesondere US-Banken und britische Banken gewesen, die ein besonderes Interesse an der Destabilisierung des Euro interessiert waren. England befreite Griechenland nach dem 2. WK von den Nazis und hat ein besonderes Verhältnis zu diesem Land. Daher ist der Wunsch Griechenlands einerseits zum Euro-Land zu gehören und EU Hilfen anzunehmen im Widerstreit mit der Tatsache,  sich dabei gleichzeitig von Deutschland helfen lassen zu müssen und andererseits Interessen Englands nachzukommen oder erfüllen zu wollen.

Der Euro hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen, vor allem nach der US-Finanzkrise, bei der die USA im Grunde gehofft haben, dass durch die Basel-Belastungen der EU-Banken, diese dann zusammenbrechen. Das hat jedoch so nicht stattgefunden. Im weiteren Verlauf zogen die USA und US-Banken Euro-Dollars aus dem Euroland ab. Auch diese Maßnahme verschärfte die Krise in Europa nicht.
Der Wert des Euro könnte bei den Öllieferungen in USD (oder „Petro-Dollar“) zugunsten einer Abrechnung in Euro umschwenken.
Wenn verschiedene Öl-Staaten ihre Öl-Lieferungen nicht mehr in USD abrechnen, dann haben sowohl die Briten als auch die USA ein mächtiges Problem.

Und wir auch.

Ralf Sippel

Zitat: “Zur Zeit als Deutschland 2008 Basel 2 bereits umgesetzt hatte waren die USA mit Basel noch gar nicht soweit. Im Gegenteil, es wurden billige Kredite vergeben wo es nur ging. Die Auswirkungen waren eine Immobilien-Blase, die zum Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes führte.”

Aus meiner Sicht hat Basel mit der Immobilienblase gar nicht zu tun. Denn diese günstigen Kredite waren für kreditunwürdige Personen einmal unabhängig von den "staatlich verordneten" Immobilienwertsteigerungen nur möglich, weil fast alle dieser Kredite gebündelt in #CDS verkauft werden konnten und endete bekannterweise mit "Den Letzten (Käufer) beißen die Hunde.

Zitat: “Auf der anderen Seite kann nicht sein, dass Deutschland Basel 2 und 3 durchsetzt, was zu einer transparenteren Eigenkapitalquote der einzelnen deutschen Banken führt und andererseits, deutsche Banken aufgrund der durch Basel 2+3 verschärften Wettbewerbsbedingungen sich immer weiter vom klassischen Geld-Verleih-Geschäft verabschiedet haben, um das "Glück" und Profit in Derivaten oder den Zertifikatshandel zu suchen.”

Kann sein, dass Sie recht haben. Ich denke jedoch, dass eine Deutsche Bank sich ganz bewusst gegen Privatkredite und für das #investmentbanking entschieden hat. Denn der Ertrag von gewünschten 25% ist mit guten Bonitäten im Kreditgeschäft kaum oder gar nicht zu schaffen. Klar, bei einer EK-Hinterlegung von 1% schon. Das verhindert natürlich oder tatsächlich Base III. Denn die auch lange Zeit von Professor Sinn behauptete Kreditklemme gibt es in Deutschland nicht. Es ist jedoch im Sinne der Allgemeinheit, dass Kredite nur an Personen und Firmen vergeben werden, wo die Rückzahlung absehbar ist. Auch andere Banken, wie die Commerzbank und die Hypobank haben sich bewusst für andere Geschäfte entschieden. Das "schräge" Immogeschäft der Hypobank wurde wohl aus der späteren Hypovereinsbank in die HypoRealEstate übergeführt. Und die Commerzbank mit ihrer EuroHypo? Wenn man soviel Geld "verbrennt", verliert man wohl auch EK, was für Kreditvergabe dann nicht zur Verfügung steht. Aber wie geschrieben, eine Kreditklemme gibt es sicherlich für schlechte Bonitäten, aber nicht wegen Basel II. Und über die KfW / IKB unter ihren Aufsehern der Finanzexpertin Scheel (Grüne) und Lafontaine (Die Linke), Jörg Asmussen (EZB) und weitere, mag ich mich gar nicht mehr äußern.

Auch wenn es keine präzise Antwort auf Ihre These ist, siehe meine erste Antwort in diesem thread.

Tja, so ist das wohl mit den Lobbygruppen und der Politik.

Da dachte der deutsche Michel, dass ein Grund der Finanzkrise und der Zusammenbruch von Lehman auch das niedrige EK war und nun…
Und mit der Einschränkung der Kreditvergabe, wir Unternehmer und sicherlich die meisten Banker sehen es doch so, stimmt die Bonität nicht, gibts keinen Kredit. Egal wie wenig EK die Bank vorhalten "muss".

Und wenn ich die Target2 Diskussion verfolge, dann hat sich selbst Professor Sinn davon verabschiedet (seitdem gemeinsamen Interview mit dem damaligen Chefvolkswirt DB Meyer?), dass es eine Kreditklemme wegen Target2 in Deutschland gebe.

Ich persönlich habe kein Problem damit, wenn ein Land seine Banken "härtere" EK Regeln auferlegt. Auch waren EK-starke Banken in der Krise nach meinem Wissen nicht systemrelevant. Aber da bin ich mit meiner Sympathie bzgl. EK-Höhe zum Finanzmarkt eher eine Außenseitermeinung 🙁

Das ist wie die Diskussion um die „Henne und das Ei“.

Ralf Sippel

Zitat: “Dabei sind es insbesondere US-Banken und britische Banken gewesen, die ein besonderes Interesse an der Destabilisierung des Euro interessiert waren.”

Das soll wohl so sein. Auch wenn es mir/manchem irrational erscheint. Denn ein starker Euro würde die Exportfähigkeit der USA bedeutend erhöhen, auch wenn der Importe teurer werden. Aber manchmal ist der amerikanische Stolz auf den USD doch wichtiger als ökonomische Interessen (zu der Angst, was kommt dann). „Dank dem Euro“ müssen sich die USA doch etwas anstrengen, um den Anschluss außerhalb von Kriegswaffen und genmanipulierten Pflanzen, Lebensmittel und Getreide (beispielhaft genannt) nicht zu verlieren.

Zitat: “Wenn verschiedene Öl-Staaten ihre Öl-Lieferungen nicht mehr in USD abrechnen, dann haben sowohl die Briten als auch die USA ein mächtiges Problem.”

Da rate ich mal: Dieses Jahrzehnt bleibt es wohl noch außerhalb vom Iran beim USD. Sofern Gaddafi wirklich vor hatte, eine afrikanische Liga nach Vorbild der EU zu "zimmern" incl. gemeinsamer Währung und Hussein sein Öl in Europa bezahlt haben wollte, ist denen es schlecht bekommen. Ob es China von einer angedachten Währungsunion mit einigen asiatischen Staaten und südamerikanischen Staaten abhält? Denn China sitzt ja bekanntermaßen in der USD Falle und kommt da mit der derzeitigen Politik nicht raus. Was natürlich für die USA gut ist, auch wenn sie aus populistischen Gründen ein anderes Vorgehen von China fordern.

#eu #usd #währungsunion

Michael Vincent

+Ralf Sippel Treffer. versenkt!

Allerdings muss ich noch etwas anfügen. Der Kampf um das Öl auf Euro Basis hat längst begonnen.
Denn:
eigentlich hätte die Finanzkrise zu einer Marktbereinigung führen müssen. Eine solche Marktbereinigung, hat aber in einem größeren Maße nicht stattgefunden. Stattdessen, haben wir (alle westlichen Staaten), Banken gestützt. Der Hinweis den man uns aufgetischt hat, ist ganz einfach:

"Banken sind systemimmanent" (Bundesregierung /Merkel).

Nun das stimmt sogar. Aber: dieses Geld wurde gar nicht verwendet, um die Banken zu stützen. Sondern floss in die Destabilisierung des schwächsten Staates in Europa, also Griechenland über Staats-Anleihen.

Nun… offensichtlich verdient die Deutsche Bank, US-Investment-Banken usw. alle daran, andere Staaten, wie Spanien /Portugal könnten folgen. Aber warum?

Die Antwort: Die Deutsche Bank hat "giftige" Zertifikate aus den USA gekauft, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen (durch US-Investment-Banken).

Die Zertifikats-Pakete hatten deutlich weniger Triple-AAA+ Anteile als ausgewiesen. Dadurch, dass deutsche Banken diese Papiere an deutsche Kunden verkauft haben, sind US-Investmentbanker in den Genuss gekommen, deutschen Bürgern in die Tasche zu greifen ( es werden bis zu 10 Billionen Euro im deutschen Sparstrumpf vermutet).

Die deutsche Bank führt also indirekt einen Wirtschaftskrieg gegen die USA durch. Wenn man so will einen Revanchismus, als Antwort dafür dass Deutschland immer zahlen soll. Dies belegt die enge Zusammenarbeit zwischen Politik und Deutsche Bank, zuletzt das Duo (Ackermann / Merkel).

Es war nicht das erste mal, dass Deutschland das Ziel englisch-sprachiger Finanzangriffe war. Den Irak-Krieg Nr. 1 , also 1991 war Deutschland nicht beteiligt. Wir zahlten offiziell eine Summe von 500 Millionen D-Mark und das war es dann. 1991 war zwei Jahre nach der Wiedervereinigung und den Milliardenzahlungen an Russland. Darüberhinaus, mehrere Jahre nach der Ermordung von Barschel (1987), dessen Weigerung mit dem Mossad und den US-Behörden zusammenzuarbeiten (Training von Iranischen Piloten an einem geheimen Flugsimulator in Schleswig Holstein, durch Mossad und USA) letztlich sein Leben gekostet hat.

Dies ist dann auch im größeren Zusammenhang zu sehen mit der Iran-Contra Affäre (zur Geldbeschaffung der CIA, der Unterstützung der Mudschaheddin) usw.

Die Basel-I-Richtlinie wurde 1988 ausgehandelt und 1998 endgültig von deutscher Seite eingeführt.

All dies geschah, als der Irak auch noch im Namen der USA gegen den Iran vorging. Warum? weil der Ayatolla Khomeini den Schah Reza Pahlewi (US-Marionette) vertrieben hat, dessen Gefolgsleute die US-Botschaft in Teheran besetzten und die dortigen Botschafts-Angehörigen gekidnapped wurden. Eine Befreiung auf Anweisung des damaligen Präsidenten Jimmy Carter misslang).

Irak Krieg Nr. 2 haben wir auch nicht teilgenommen, weil Schröder (trotz seiner „uneingeschränketen“ Zusicherung ) sich weigerte. Diesen Krieg bezahlten und bezahlen wir immer noch über höhere Benzin-Preise (der deutsche Finanz-Minister freut sich über die Steuereinahmen).
China sitzt keineswegs, wie allgemein angenommen in der USD-Falle. Man könnte das glauben aufgrund ihrer hohen USD-Devisenreserven und genau das wird allgemein so angenommen.

Tatsache ist:  Kaum ein Land hat so viel in China investiert, gemessen an dem BIP, wie Deutschland. Deutschland verkauft sogar Technik-Know-How an China für billiges Geld, unter anderem einen Milliarden-Markt zu erobern. Aber dies ist nicht der einzige Grund.

Deutschland hat ein Interesse, die chinesische Wirtschaft stark zu machen und gleichzeitig einen preiswerten Re-Exporteur deutscher Waren zu sichern. Selbstverständlich keine kopierten Wirtschaftsgüter sondern "echte". Das ist auch der Grund warum chinesische Business-Vertreter auf deutschen Messen, sich die harte Vorgehensweise des Zolls gefallen lassen: sie folgen im weiteren Sinne chinesischen Polit-Anweisungen.
China ist also weitaus mehr deutscher Partner, als ein Partner der USA.

Wenn der USD geschwächt wird, dann wandert chinesisches Geld wieder in die deutsche  Wir zurück (das ist nicht immer sicher…., deshalb wurde mit dem ESM-Vertrag diesbeszüglich vorgesorgt). Wenn also China z.B. in Griechenland investiert, also den Euro. Dann verdient der deutsche Staat mit (deutsche Maschinen für Griechenland durch China bezahlt, China würde sich griechisches Eigentum dabei sichern).
Mit der verzögerten Marktbereinigung der Finanzkrise von 2008, haben wir also das Problem einer Rezession oder gar einer weltweiten Depression nur aufgeschoben.

Im Moment geht es nur darum, nicht der letzte in einer Reihe von möglichen Staatspleiten zu sein. Der letzte ein einer solchen Reihe von Staats-Pleiten hat es dann am schwersten und wird am längsten diese mögliche Depression durchleiden müssen. Insofern geht es also den Griechen sogar noch „gut“, aufgrund des günstigen Zeitpunkts.

Denn sie werden jetzt wachgerüttelt, zu einem Zeitpunkt an dem noch Geld da ist und nicht später.

Selbst wenn Deutschland pleite gehen sollte, was ich kaum glauben will, dann geht das ganze Spiel der Wirtschaft und Finanzen wieder von vorne los.

Wirtschaft ist letztlich Krieg mit anderen Mitteln, zumindest unter den heutigen Bedingungen eines unkontrollierten Wachstums.
Bei allen Kriegen spielte immer die deutsche Wirtschaftspower eine zentrale Rolle.

Deshalb wollten England nach 1945 aus Deutschland einen Agrar-Staat machen (der ärgste Konkurrent Europas wäre also weg.). In weiten Teilen glauben wir den Nationalismus überwunden zu haben. Die Idee in einem Europa zu leben und von „Freunden“ umgeben zu sein, ist eine ur-deutsche Idee, die in dem vorantreiben eines gemeinsamen Europas mündet.
Ein wirtschaftlich zu starkes Deutschland könnte auch in einem geeinten Europa sehr schnell zu einer erneuten Isolation führen, und der Traum von Freunden umgeben zu sein, wäre dann geplatzt.
Der erste und zweite WK waren bereits Kriege um Öl, das ist den meisten Menschen in der westlichen Welt und auch nicht in Deutschland bewusst. Dennoch kommt man an dieser Tatsache nicht so leicht vorbei.
Denn der Diesel und der Otto Motor waren bereits erfunden. Zwei wesentliche Bestandteile, ohne die, eine Welt von heute undenkbar wäre.
Aber das wird man nie so explizit in einem Geschichtsbuch nachlesen können.
Denn das Resümee aller angesehenen Historiker kritisiert die Rolle Deutschlands von "innen" heraus.

Es gibt aber sehr viele aussenpolitische Elemente, die man bei einer Geschichts-Analyse Deutschlands nicht vernachlässigen kann oder nicht sollte. Die deutsche Wirtschaft spielte zu allen Zeiten eine zentrale Rolle (zumindest im 19. und 20. Jahrhundert). 1932 hatten viele Staaten zum Boykott deutscher Waren aufgerufen, weil sie zu produktiv und zu effektiv Waren.

Das Rad dreht sich erneut. Und es ist irgendwann zu erwarten (aber nicht zu hoffen), dass der Wind sich gegen Deutschland dreht. Dem gilt es strategisch entgegen zu arbeiten.

Ich hoffe jedoch, dass ich eine erneute Isolierung Deutschlands nicht erleben muss.

Ralf Sippel 

Das ist viel. Das erste Drittel unterschreib ich schon mal. 🙂

Michael Vincent

+Ralf Sippel zu Großbritannien ist noch zu sagen: wenn sie ihren Pfund bereits abgegeben hätten, dann wäre ihre Strategie wohl eine andere.
Aber das festhalten an ihrem Pfund, ihre starke wirtschaftliche Abhängigkeit an den Finanzplatz London (sie produzieren bekanntlich fast nichts mehr), macht sie auch äußerst abhängig an die US-Finanzwirtschaft.

Die Wirtschaft der USA ist seit Jahrzehnten völlig abhängig von Kriegen und damit zur Produktion von Kriegswaffen verdammt. Mit allen daraus resultierenden Konsequenzen.

Zur Rolle Amerikas sei ein hervorragendes Buch ans Herz gelegt:

John Perkins "Economic Hitman". Es ist selbst erlebt.

Ralf Sippel

"Banken systemrelevant"
Ja leider. Die schwarz/rote Regierung konnte ja schnell erkennen, dass der „Deutsche Michel“ auf Begriffe wie "systemrelevant" schnell Nationalstolz entwickelt und die sprachliche Steigerung war ja dann noch "alternativlos".

Geld verwendet…Griechenland

Ich denke auch und behaupte sogar keck: Das war der Deal.

So wie jetzt bei Spanien, Italien und Griechenland. Ihr Banken verzichtet unter großen Gezeter auf 50-80 % vom Nominalwert (nicht unbedingt vom Kaufpreis) und dafür erhaltet ihr unbegrenzt Geld zu günstigsten Konditionen und mind. 3 Jahre Laufzeit und kauft von einem kleinen Teil des Geldes ein paar Anleihen, wo die Verzinsung oberhalb europäischer Bonds liegen werden. Dazu passt im Übrigen die derzeitigen Gerüchte, dass das Geld zum Staatsanleihenkauf schon weg sein solle. Wenn man die Käufe oder Auktionen addiert, dürften die EZB Kredite  noch nicht verbraucht sein.

#staatsanleihenkauf #ezb

Aber warum?

Eine weitere Begründung ist nicht zu unterschätzen und hat in meinen Augen zusätzliches großes Gewicht. Für Staatsanleihen sorgt Basel weiterhin dafür, dass sie *nicht* als Kredite gelten, was sie ja faktisch sind. Die Gläubigerbanken müssen dafür nicht die üblichen "Basel-EK-Hinterlegung" für schwache Bonitäten halten. Und durch möglicherweise gezielte Streuung von Bonitäts-Gerüchten erhält man von den Gläubigerländer sogar noch eine ansehnliche Rendite für 2-jährige Papiere.

Wie geschrieben, nur ergänzend zu Ihrer Ausführung.

 

Michael Vincent 

+Ralf Sippel In der Tat, ihre Ausführungen decken sich mit meinen Erkenntnissen (die natürlich nicht immer deckungsgleich sein müssen, aber doch ein interessantes Bild zeichnen).

Wir wissen ja, dass es deutsche Mentalität ist, besonders langfristig zu denken und zu handeln. Aber es eröffnet weitere Fragen.
Seit den 80er Jahren wurde der "deutsche Michel" darauf vorbereitet, aufgrund der "Globalisierung" (an der Deutschland maßgeblich beteiligt ist) den Gürtel enger zu schnallen, zumindest was die Einkommenszuwächse betrifft.

Die Produktivität jedoch ist um ein Vielfaches gestiegen unter anderem, weil viele Firmen über die Früh-Verrentung von Arbeitnehmern sich „fit“ sanierten (auf Kosten der Allgemeinheit).

Und zwar so stark, dass es Länder innerhalb Europas bereits als "Belastung" ansehen, weil ihre eigene Produktivität zu gering ist oder damit nicht mehr nachkommen.

Bedeutet im Klartext, sie müssen mehr Geld aufnehmen um letztlich ihren eigenen Lebensstandard und im weiteren Sinne unsere Wirtschaft finanzieren.

Das gleiche hat 2010 Herr Obama der Frau Merkel mitgeteilt "Sie solle dafür sorge tragen, dass Deutschland nicht so viel exportiert" (kann sie das denn entscheiden? – ich dachte das ginge nicht!)".

Nur mit dem netten Umstand, dass das Außenhandelsdefizit der USA auf diese Weise verringert würde, ohne dass die USA eine Ware mehr produziert oder exportieren muß.

Die Implikationen können äußerst weitreichend sein.

Neuerdings sagt die SPD (hört, hört!), wir hätten unsere Produktivität so massiv erhöht, dass wir langsamer machen müssen (heisst im Klartext wir sollen weitere Schulden machen). Aber der Einwand der SPD ist nicht ohne und deckt sich mit der Aufforderung von Obama.
Es gibt eine Stratfor-Analyse über Deutschland (von der englischen Regierung in Auftrag gegeben, die zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommt, vermutlich war das der Grund für den Einbruch von Anonymous, oder einer anderen fremden Organisation im Namen von denselben).
Es gibt also Bestrebungen, die danach gerichtet sind nicht Europa oder den Euro zu destabilisieren, sondern im erweiterten Sinne Deutschland als zentraler Angelpunkt der EU Entscheidungen.

Die Gretchen-Frage ist: Wie sollten wir uns also verhalten?

Deutschland kann nur eines um leben zu können: Export von Waren gegen Geld, Bodenschätze oder anderer Dienstleistungen.
Es gibt in Deutschland keine nennenswerten Öl-Quellen oder anderweitige wichtige Rohstoffe, über die wir nach gutdünken verfügen könnten.
Da kommt vermutlich die zweite strategische Allianz zu Russland vermutlich gerade recht.

Und in einem erweiterten Sinne bin ich auch deshalb für die Piraten. Denn nur die Transparenz kann solche verborgenen Dinge besser zu Tage fördern, die so langfristig angelegt sind und gleichzeitig so weitreichende Folgen haben können. Aber in zweiter Linie gilt zur Zeit den Piraten meine Sympathie, denn unsere politischen Köpfe der anderen Parteien, kann man weitgehend als phantasielos bezeichnen. Einen drastischere Meinung über unsere Politiker erspare ich mir.

Ralf Sippel 

USD-Falle
Meinte ich wohl etwas anderes. China kann derzeit nicht anders, als Dollars horten. Sie haben ja vor so um die 4 Jahre (?) angefangen, größere Teile des Staatsvermögens auch in EURO anzulegen. Nach Griechenland ist denen "der Spaß" im Moment sicherlich vergangen. Mit USD-Falle meine ich Folgendes:

a) eine Stärkung des Renminbi sorgt auf der anderen Seite dafür, dass das USD Devisenvermögen an Wert verliert.

b) wenn tatsächlich ein kleinerer Teil der schätzungsweise 2 Billionen USD am Markt eingetauscht werden sollten, würde dies wie offiziell von Amerika gewünscht, der USD massiv abgewertet. Wobei die Amerikaner erklären ihrem Volk ja nicht die Abwertung der eigenen Währung, sondern die Aufwertung des Renminbis. Das ist scheinbar ganz was anderes. 😉

Da Amerika weiterhin eher Importeur bleiben wird, hätte der amerikanische Präsident zusätzlich ein Problem. Das stört zwar die Chinesen eher weniger, aber der verbleibende Teil des USD Vermögens verliert ebenfalls an Wert. Und ein bissl erinnert es mich an meine langjährige These zum deutschen Exportwunder: *Der deutsche Steuerzahler bezahlt unsere Exporte selbst.*
Die Chinesen gäben durch die USD Abwertung ein Teil ihrer Exportgewinne wieder zurück.

c) einen weiteren Verlust der Bonitätsnote ist kaum zu erwarten, solang es niemanden stört, dass die US FED jederzeit die Welt mit neuen USD überschwemmen kann. Man sollte zwar annehmen, dass die Bonitätseinstufung von Staaten sich hauptsächlich nach der „Kunst der Steuereinnahmen“ richten sollte, aber für die USA reicht die Fähigkeit des Gelddruckens allein schon aus.

Wir wissen natürlich beide, dass die Welt sicherlich nicht so einfach ist, als das man einfach 2 Punkte herausgreifen könnte, ohne weitere makroökonomische Fakten mit zu bewerten. Aber unwichtig sind diese Punkte aus meiner Sicht gar nicht und ergänzen Ihre Ausführungen. Und dies meinte ich mit USD Falle. Egal was China derzeit tut, sie sind zum Mitmachen verdammt. Wenn sie nicht eine andere Währungsunion schaffen.

Investition China in Griechenland

Ich weiß es nicht, ob China doch heimlich in griechische Anleihen investiert. Soweit ich die Anlagepolitik von China bisher verfolgen konnte:

  • Sie reisen durch Europa, lassen sich hauptsächlich in den PIGGS dafür feiern, dass sie zweistellige Mrd. EURO in die jeweiligen Staatsanleihen investieren könnten/würden. Sowie ich weiß, ist dieses Versprechen bisher nicht erfüllt worden. China ist dank der Devisenreserven jedoch bekanntermaßen in der Lage, sein Geld direkt in Sachwerte (Firmen und Rohstoffe) zu investieren. Zuletzt Pumpenweltmarktführer Putzmeister mit dem einzigen europäischen Vorstand aus Deutschland bei einem chinesischen Unternehmen. Hurra, wir sind nicht nur Papst, sondern auch China.
  • Unsere EFSF Leute sind aus China Anfang des Jahres mit leeren Händen zurückgekehrt. Ich geb aber die Hoffnung diesbzgl. nicht auf. Denn China braucht ein starkes Europa für den Export. Aber wie Sie schrieben, China ist ein vorsorglicher Kaufmann und überstürzt nichts. Die „Preise“ fallen ja auch.

China Re-Exporteur

Ja, leider ist es ja den letzten Regierungen wichtiger gewesen, sich mit dem Exportweltmeistertitel zu schmücken, anstelle dem Volk die immer höher steigenden Abgaben an den Staat zu senken. Das Einkassieren der GKV Überschüsse war ja der letzte erfolgreiche Coup.
Also, ich stimme zu. Unsere Regierungen schauen über jede Menschenrechtsverletzung in China, Russland und Asien sowie Nahen Osten hinweg, wenn sie nur unsere Waren kaufen. Mir ist jedoch klar, dass es ein schmaler Grad ist und wir nicht den Export mal schnell um 15% absenken können. Also, einverstanden.

So, ich sehe, ich muss erst mal Ihre Antworten lesen. Dann folgt mein letzter Teil zu diesem Thread.

Michael Vincent01:13
+Ralf Sippel das mit der Abhängigkeit von China an den USD habe ich schon richtig eingeordnet. Ich wusste ja, was sie damit meinten. Ich habe nur vorgezogen auf meine Weise zu antworten und ein erweitertes Bild zu zeichnen.

Früher oder Später wird China ihre eigene künstlich unterbewertete Währung den Renminbi vor dem USD vorziehen müssen. Das verschärft dann die Import-Situation der USA nur noch. Deutschland ist  davon nicht so sehr betroffen, denn wir können auch ohne China noch gut exportieren. Denn hohe Rohstoffpreise betrifft letztlich alle produzierende Länder. Demgegenüber ist Deutschland Weltmeister im Recycling, das sich jederzeit als strategisch nützlich erweisen kann.

Es könnte vermutlich unter anderem so laufen: Deutsche Produkte, die unter anderem die begehrten "seltenen Erden" brauchen werden von China für Deutschland produziert oder re-exportiert. Bei diesem Handel wird ein Großteil der USD nach und nach mit einfließen.
Die strukturelle Schwäche des USD ist offensichtlich. Da können noch so vieles Nachdrucken neuer Banknoten nicht helfen. Am Ende kommt immer die Rechnung: spätestens in einer Krisen-Situation. Die globale Geldsituation ist ja die: der Geldkreislauf verfügt über 10 mal Geld als an Waren weltweit jeden Tag produziert wird. Demgegenüber müssten Waren einen entsprechenden Warenwert darstellen in Form von höheren Endverbraucher-Preisen. Das findet jedoch nicht statt. Das heißt im Umkehrschluss, dass nach und nach der Wert des Geldes in Wirklichkeit an Kaufkraft verlieren wird. Das heißt aber auch, dass ein weiterhin preiswertes Brot in Wirklichkeit bereits einen Luxus darstellt, weil es einen nominell höheren Preis hat, als am Markt zu erzielen ist. So gesehen leben bereits heute, die meisten Menschen in Deutschland über ihre Verhältnisse, weil Geld der Reichen sich durch Zinseszins ohne Produktion eine Ware vermehrt. In jeder Volkswirtschaft sind es aber die Waren und nicht das Geld, die einen Wert darstellen.

Über die eigenen Verhältnisse leben heißt weder ein Auto sein Eigen zu nennen, noch in einer hochwertigen Wohnung leben, es reicht dass zu viel Geld im Umlauf ist.

Eine Depression ist normalerweise genauso zyklisch, wie eine Hochkonjunktur oder die Tatsache einer Rezession. Billiges Geld verzögert diese natürliche Entwicklung. In einer Depression kann es sehr leicht sein, dass es Menschen gibt, die für einen Laib Brot unter Umständen ein Jahresgehalt hinblättern müssen.

Eine perverse Situation, die kaum zu überbieten wäre. Mieten, Öl und elektrische Energie wären, wenn überhaupt nur durch Hungern zu bezahlen. Vermutlich wären viel Menschen durch die Folgen  einer solchen Situation obdachlos, arbeitslos und an den Folgen sterben.
Die chinesische Wirtschaft ist meines Erachtens nicht an kurzfristigen Gewinne auf Kosten von Staaten über Anleihen angewiesen. Das widerspricht grundsätzlich ihrem Charakter, der einer deutschen Mentalität durchaus nicht unähnlich ist. Jedoch wird China alles tun, um weiterhin die Welt mit chinesischer Ware zu beliefert, genauso wie Deutschland.
China wird versuchen das Geld strategisch anzulegen. Dabei wird Deutschland eine besondere Rolle zukommen.
Allerdings bin ich mir da nicht so sicher, ob es mir persönlich recht sein soll. Denn Deutschland macht sich gerne strategisch gerne klein, schon aufgrund des Ausgangs des 2. WK.

Aber auf Dauer wird Deutschland sich nicht klein machen können. Der Druck wächst bereits.

Ralf Sippel

Teil 3 zu Ihrem ersten großen Post:

Depression / Rezession

Kann natürlich immer passieren. Wer etwas genauer hinschaut (wir sowieso, ich meine den weniger interessierten europäischen Bürger), kann am Fall Griechenland sehen, wie man es als Staat (bzw. EU) machen muss, damit man diese schnellst möglich bekommt. Für Deutschland und einige andere Nordländer glaube ich daran weiterhin derzeit nicht. Genauso wenig wie an eine erhöhte Inflation oberhalb von 5 oder 6%, damit sich Staaten angeblich "günstig entschulden" können. Diese Geschichte erzählen Immobilien- und Goldverkäufer schon seit 20 Jahren. Vielleicht haben die ja irgendwann mal recht.

Dadurch bleibt Ihre Aussage natürlich richtig, dass die Depression / Rezession nur aufgehoben ist. Mehrere Fehler wie das hüh-hott um Griechenland kann sich die EU daher nicht leisten. Im Moment scheint ja ein plötzlicher und unerklärlicher abrupter Meinungswechsel statt. Die Inflation kann vereinfacht nur entstehen, wenn die Bürger mehr Geld in die Hand bekommen. Das ist derzeit kaum zu sehen, denn wir nähern uns trotz massiv gesunkener Arbeitslosigkeit doch in der Bezahlung der Beschäftigten dem (neo-)liberalen USA-Modell an. Die moneymaker treiben zwar immer wieder einzelne Produkt- und Rohstoffpreise nach oben. Danach stürzen diese ja immer wieder ab, sodass mit den geänderten Inflationsberechnungen (Stichwort technischer Fortschritt) wohl die nächste Zeit weiterhin zwischen 2-3% liegen werden. Sofern wir nicht der letzte "Nicht-Pleite-Staat" in Europa bleiben, wird dank der Geldschöpfung des Bankenwesens nicht viel zu befürchten sein.

Interessant in diesem Zusammenhang ist jedoch, dass plötzlich immer mehr Politiker (zuletzt Ende April EUROPA SPD Präsi Schulz) von einem Austritt Griechenlands und ggf. der Gefahr des Zerfalls des EURO sprechen.

Krieg
Kann man in Bezug auf Wirtschaft so sehen. 1. und 2. Weltkrieg?, Fällt mir schwer, mich in das Denken des Anfangs des letzten Jahrhunderts reinzuversetzen.

Boykott
Die Zeit ist wohl vorbei. Ich glaube Dänemark wurde im Nahem Osten boykottiert, in den USA wurden chinesische Waren boykottiert, Nokia wurde in Deutschland boykottiert, Shell wird wegen den immer wieder eintretenden Umweltverschmutzungen boykottiert.
Tja, was soll man sagen. Vielleicht ist das europäische Volk und die Amerikaner schon so gleich geschaltet, dass solche Aufrufe nur eine kleine Gruppe kurzfristig beeinflusst.

Deutsche Waren sind überwiegend so beliebt (Qualität scheint Käufern immer noch wichtig), dass wie sie in einem anderen Zusammenhang schrieben, China als Re-Exporteur und vielleicht noch andere südasiatische Staaten aufgebaut wird.
Aufruf zur Schwächung des Export

Ja, da haben Obama und Co ja auch recht. Unbegrenzter deutscher Wachstum zulasten Dritter wird auch zu unserem Untergang führen. Da müssten wir dann schnell die Grenzen von den anderen "verarmten" Europäern schließen.

Ralf Sippel

Vielen Dank erst mal. War sehr interessant und wie Sie schrieben, für mich auch Horizont erweiternd. Also Ihre Stellungnahme vor meinen 3. Teil unterstütze ich voll.

Außer, dass ich ein wenig weiter befürchte, dass der Abgesang auf die USA wieder zu früh kommt. Ich glaube ja auch schon seit Ende der 90er Jahre, dass es bei denen nicht so weiter gehen kann. Werde aber jedes Jahr erneut wieder überrascht, wie die es mit der losen Geldpolitik und vor allem nach der Bonitätsabstufung geschafft haben, ihre Schrottanleihen weiterhin loszuwerden. Und wenn mal kein Käufer bereitsteht, kaufen es amerikanische Banken und die FED kauft sie diesen wieder ab. Natürlich hilft da auch die Ölpreisbindung an den USD. Aber ich finde es schon verwunderlich.

Kurzfristiger Gewinne auf Anleihen

Das stimmt. Ergänzend und passend zu Ihren "vorsichtigen Chinesen": Wenn eine Spanien- oder Italienanleihe "ausfällt", ist das Verhältnis zu dem niedrigen Zinsertrag zu hoch. Normalerweise müssten die Anleihen nach Risiko bei den PIGGS Staaten zwischen 8-20% liegen. Denn gesichert sind die Anleihen ohne Eurobonds oder / und ESM sowieso nicht und da muss die Rendite stimmen. 5% oder 6% bei Spanien ist wohl kaum ein angemessener Ausgleich für das Risiko.

Michael Vincent

Boykott: nun Boykott ist nicht gleich Boykott. Wenn also Verbraucher eine Ware oder eine Firma boykottieren, dann ist das legitim, in den meisten Fällen sogar.

Wenn allerdings Staaten zum Boykott von deutschen Waren aufrufen, dann würde das zu einer unschönen Entwicklung führen.
Und natürlich haben wir auch eine Verantwortung, gegenüber anderen Ländern.
Die Verantwortung heißt, dass eine unkontrollierte Vermehrung durch Wachstum (um billigen Geld einen Wert zu geben), nicht beliebig erweiterbar ist.
Denn dann müssten wir weltweit einmal über die Zinseszins-Formel reden. Die ist ja der Antrieb für Wachstum.
Wenn überhaupt, wäre einjähriger Zins erlaubt oder über eine ganze Laufzeit linear, ohne den exponentiellen Effekt. Das wäre durchaus umsetzbar.

Aber dazu fehlt der Wille der Reichen, der Politik, der Banken. Und zwar weltweit.

Ralf Sippel 

Boykott – ok.

Michael Vincent

was die 25%-tige EK-Rendite betrifft, so rechnen manche Menschen so (Beispiel war ja Deutsche Bank)

"25 Prozent Eigenkapitalrendite heißt, dass der Gewinn 25% des Eigenkapitals ausmachen soll. Die Deutsche Bank hatte im Jahr 2010 eine Bilanzsumme von 1.905 Mrd. Euro. Dies ist die Gesamtsumme von Eigenkapital und Fremdkapital, also vereinfacht gesagt das Geschäftsvolumen, mit dem man arbeitet. Das Eigenkapital war im Jahr 2010 mit zirka 49 Mrd. Euro ausgewiesen. Das Ergebnis vor Steuer war ca. 4 Mrd. Euro. Das heißt, dieses Eigenkapital wurde mit knapp über 8% verzinst. Das Ziel "25 Prozent Eigenkapitalrendite" wurde somit total verfehlt. Um es zu erreichen hätte die Bank ca. 12-13 Mrd. Euro Überschüss erwirtschaften müssen.

25 Prozent sind nur 0,65% und mehr nicht! Wäre es der Bank gelungen 12,5 Mrd. Euro Gewinn zu machen wäre die Gesamtkapitalrendite bei 0,65%. Jedes gesundes Industrieunternehmen hat eine höhere Rendite, aber komisch, da regt sich niemand auf? Man muss wissen, dass Banken im Vergleich zum Geschäftsvolumen nur einen sehr kleinen Teil Eigenkapital haben müssen. Bei Industrieunternehmen sind 20%-40% üblich, hier bei Banken sehen wir irgendwas im 2-Komma-Bereich. Wer die Prozent-Rechnung beherrscht merkt es: Je kleiner das Eigenkapital, desto höher die Rendite bei gleich bleibendem Gewinn. Die Bank macht also nicht mehr Gewinn als möglich und nötig, es sieht nur nach mehr aus, wenn man es in Prozent ausdrückt. "

Das klingt äußerst kompetent und auf diese Weise rechnet man das auch wieder klein. Je nachdem, welche Zahlen ich dazu noch ins Spiel bringe.
Aber es ist sehr interessant, und wie man sieht lässt sich der Zahlentanz auf das Trefflichste durch eine komplizierte Weise ganz klein rechnen.
Ich überlasse es Ihnen das zu beurteilen 😉

Die Bilanzsumme, sagt ja nur aus, wie viel Geld bewegt werden muss um diese EK-Rendite zu erwirtschaften. Und genau diese Bilanzsumme entscheidet, ob z.B. in Asien oder Afrika ein Sack Reis doppelt oder dreimal so teuer wird wie bisher. Das zu den Auswirkungen.

Ralf Sippel 

Jetzt habe ich Ihnen im anderen post etwas erklärt bzgl. EK, was Sie hier ebenfalls geschrieben haben.

Und ich stimme Ihren Aussagen bedenkenlos zu. Die Hatz auf Akkermann durch die (teilweise IKB-) Politiker war reine Polemik.
Und zur Bilanz der DB. Ja, wir werden es wohl erst nächstes Jahr sehen. Es ist doch immer die gleiche Geschichte. Ein Vorstand tritt in oder nach einer Krise freiwillig ab. Die Presse schreibt, dass er nun ein gutes Ergebnis abliefern müsse, das habe er ja dann fast auch verdient. Und das Gegenteil ist die Logik. Der Nachfolger soll es im ersten Jahr nicht so schwer haben. Also werden alle möglichen Kosten und alle möglichen Abschreibungen mit den höchstmöglichen Beträgen in die "alte" Bilanz genommen. Und der Neue glänzt dann schon im ersten Jahr und unsere gleichgeschalteten Medien reiben sich verwundert die Augen: Hätte man denn den Neuen nicht schon früher holen sollen?
‚ikb #deutschebank

Michael Vincent

+Ralf Sippel in der Tat. Wirtschaft ist ein weiten Teilen ein reines Hütchen-Spieler-Wirtschaften. Und das Personal, Kosten und "good /bad news"-Geleiere, geht kritiklos weiter.

Ralf Sippel

Ein noch nicht beantworteter Teil gefunden:
Die Gretchen-Frage ist: Wie sollten wir uns also verhalten?
Deutschland kann nur eines um leben zu können: Export.

Die Aufforderung zum Schuldenmachen:

Zu Trichet und nun Frau Largarde sag ich einfach weiter: Erst mal sind sie Franzosen. Würde es Spanien besser gehen, würden sie halt von denen das Geld fordern. Mit Forderungen an Frankreich sind weder früher Trichet, noch heute Largade aufgefallen. Bei Frau Largade liegt es sicherlich daran, sie war ja Wirtschaftsministerin und weiß im welchen jämmerlichen zustand sie Frankreich zurückgelassen hat.

Ich bin kein Gegner des Export. Uns ist jedoch sicherlich beiden klar:
Mit mehr verfügbaren Einkommen wird der Binnenmarkt automatisch gestärkt und von jede steuerlichen Erleichterung fließen je nach Produkt bis zu 80% an Steuern in den Staatssäckl zurück.

Noch besser läuft es bei der Senkung der GKV Beiträge. Da muss der Staat erst einmal gar nichts bezahlen (schöpft aber auch nix ab) und erhält über den Binnenmarkt möglicherweise auch so um die 50% Steuereinnahmen zurück.

Wenn der Binnenmarkt besser laufen würde, würde das unseren Exportüberschuss senken, ohne dass wir den Export verringern müssten. Wäre zwar eher als volkswirtschaftlicher Trick anzusehen, würde aber den klassischen Kritikpunkt (E-Überschuss) entwerten.

Dazu könnte man bei der guten Arbeitslosigkeit auch ein paar mutigere Streichungen von Subventionen vornehmen und manche Haushaltsausgaben halt verschieben. Auch Politiker wissen, weniger Schulden bedeutend weniger lasten für unsere Kinder
Das man ohne Schulden besser lebt, ist bis auf bei der Politik allgemein bekannt. Mit den riesigen Überschüssen müssten zusätzlich halt schon mal auch Schulden abgebaut werden. Ich mag gar nicht dran denken, wenn der Kapitalmarktzins ansteigt. Derzeit Finanzieren wir 2-5% Anleihen für 0,8-1,7% um. Der Zinsgewinn versickert ebenfalls im Haushalt, trotz einer FDP Beteiligung. Wir werden vor die gleichen Probleme gestellt, wie derzeit die PIGGS, sollten die Zinsen ansteigen. Und dann kommt ja eins zum Anderen. Steigende Zinslasten knabbern an unserer Bonität, der Gläubiger fordern dann noch etwas höhere Zinsen usw. Es kommt dann zur falschen zeit, der Staat muss sofort ein paar Konjunkturprogramme streichen…

Also neue Verschuldung muss sicherlich nicht sein

Ralf Sippel

Zitat: “Aber dazu fehlt der Wille der Reichen. Und zwar weltweit.”

Wille ist gut. Die Versklavung der Menschheit heißt das Ziel. Und fast jeder strebt danach, einen Herrenmensch zu sein und zu denen da oben dazu zugehören. Sonst würden nicht so viele Politiker wie bspw. auch Fischer ihre Ideale verraten.

Die Gier, dass des anderen Besitz/Vermögen zu besitzen, sit für mich zu kurz gegriffen. Denn wer Mrd. hat, könnte großzügig sein und auch mal Verzicht üben. Das wird jedoch nur unter dem Lohndumping von der arbeitenden Bevölkerung gefordert.

Michael Vincent
+Ralf Sippel Der Hinweis auf den Binnenmarkt ist absolut richtig, der ja nichts anderes heisst: Gehälter müssen nach und nach moderat angehoben werden oder die Lohn-Nebenkosten runter oder eine Kombination von beidem.

Es geht ja um die Binnenkaufkraft. Und die ist viel schwächer als gemeinhin vermutet. Lediglich die gut verdienenden Kreise legen das Geld auf der Bank an und kaufen gleichzeitig auf Kredit noch größere Autos, Immobilien etc.

Der Hinweis auf die PIGS und Deutschland sehe ich ein wenig anders, denn viele deutsche Produkte sind modular aufgebaut, das heißt ein Diesel-Motor kann z.B. in einem Panzer eingebaut werden oder in einem Schiff oder Auto eingebaut werden (als Bild). Diese Variabilität der Produkte und ihrer Einzelteile ist einmalig auf der Welt.

Kaum ein Land ist in dieser Form strukturiert, wie Deutschland. Auch erleben wir bei den Einfamilien-Häusern keinen Boom der vergleichbar wäre mit den USA, Spanien oder auch Portugal. Bei Griechenland war es noch zusätzlich etwas anderes. Griechenland produziert nicht nur wenig, sondern die Menschen arbeiten tatsächlich weniger und gingen bisher viel früher in Rente. Die Verwaltung war so redundant aufgebaut, dass sich die verschiedenen Ministerien im Weg standen und blockierten.

Einkommenssteuer gab es praktisch nicht. Man könnte sogar sagen, es war bisher ein Steuerparadies für Reiche.

Die ersten Tranchen von Deutschland oder der EU an Griechenland wanderte direkt von deutschen Banken an den reichsten Banker Griechenlands, der nichts besser vorhatte, als genau dieses Geld über seine Bank in die Schweiz zu transferieren. Andere Teile des Geldes sind als Renten-Aufbesserung für Beamte weg geschmolzen.
Geredet wird indes darüber nicht.

Im Detail. Eine Zinsbelastung merken wir in Deutschland auf jeden fall. Jedoch sind traditionell die Zinsen in Deutschland höher.

Meine Mutter hat in Spanien ein Haus gekauft, zu Euribor-Zins, mit sofortiger bzw. monatlicher Tilgung. Das geht in Deutschland nicht so einfach (davon mal abgesehen haben Rentner in Deutschland offiziell kein Einkommen, oder es wird als solches nicht gezählt).

Ralf Sippel

PIGGS und Deutschland:
Ich meinte hier allein die zusätzliche und ungeplante Zinssteigerung in der Krise.
Ich hatte bei der 0,7% Versteigerung/Auktion mir mal unsere Zinsbelastung der letzten 50 Jahre angeschaut. Also auch derzeit werden immer mal 3,4 oder sogar 5% Zinspapiere gegen bis zu 2% Papiere ausgetauscht.
Vermutlich hier:
http://www.deutsche-finanzagentur.de/finanzagentur/informationsmaterial/schuldenstand/
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Ralf Sippel12:25Bearbeiten

Links zur Vertiefung:
Basel II und III
http://de.wikipedia.org/wiki/Basel_II
http://www.banklounge.de/index.php?id=15&no_cache=1&tx_ttnews[backPid]=14&tx_ttnews[tt_news]=2112
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/basel-iii-banken-warnen-vor-unfairem-spiel-der-usa/3533354.html
http://www.banklounge.de/index.php?id=15&no_cache=1&tx_ttnews[backPid]=14&tx_ttnews[tt_news]=2112
Basel I 1988 eingeführt. Seitdem Verschärfung der verfügbaren Einkommen (Binnenmarkt).
Geldmenge M3 und USA
http://www.banklounge.de/index.php?id=15&no_cache=1&tx_ttnews[backPid]=14&tx_ttnews[tt_news]=2112

"euro-dolloar" abzug aus EU: http://derstandard.at/1319183500945/Banken-US-Geldmarktfonds-drehen-Hahn-fuer-Europa-weiter-zu

http://diepresse.com/home/wirtschaft/boerse/717136/Amerikaner-ziehen-massiv-Geld-von-europaeischen-Banken-ab
http://www.badische-zeitung.de/wirtschaft-3/kapitalflucht-aus-europas-banken–53571684.html (41% der Russischen Währungsreserven halten sie in Euro).
Informationen zur Geldmenge M3 /USA (die nicht mehr von der Federal Reserve Bank auswgewiesen wird, sondern privat errechnent wurde, ohne "Euro-Dollars".
http://www.nowandfutures.com/key_stats.html
Kosten von Basel 3 und das fehlen in der Wirtschaft.
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/basel-iii-neue-regeln-kosten-banken-milliarden-/1920138.html
Die dämpfende Wirkung von 1000 Milliarden auf die Volkswirtschaft werden als gering angesehen, eine Meinung die ich nicht teile.
Kosten Basel III FAZ-Finanzen für Großbanken 2011 auf 50 Milliarden geschätzt (bisher 200 Mrd)
Kosten Basel III für den Mittelstand : Quelle Bankenverband mit PDF-link https://www.bankenverband.de/publikationen/ods/folgen-von-basel-iii-fuer-den-mittelstand
Solvency II für Versicherungen http://de.wikipedia.org/wiki/Solvency_II Minimal-Solvenzkapital-Ausstattung.
baseler aussschuss für bankenaufsicht http://www.bis.org/statistics/bankstats.htm
Joint External Debt Hub (JEDH /Worldbank) http://www.jedh.org/
http://www.basel-ii-usa.com/

Auswirkungen von Basel II auf die Verbraucher – ein Gutachten /Studie
www.vzbv.de/mediapics/studie_basel2_05_2003.pdf

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