Die Deutsche Bank erklärt die Digital Society – Aber will die Kreditwirtschaft das auch?

by Dirk Elsner on 14. Mai 2012

Ja, einige Kollegen haben mir schon gesagt, ich solle hier nicht so viele Videos von der Deutschen Bank posten, weil man dann denken könne, ich ergreife hier Partei für das größte deutsche Kreditinstitut. Aber dieses (leider nur in englischer Sprache verfügbare) Video über die Veränderungen hin zu einer Digitalen Gesellschaft muss man trotzdem bringen. Es basiert nämlich auf einer wirklich guten Studie des Researchs der Deutschen Bank von Thomas Dapp.

Die digitale Gesellschaft: Neue Wege zu mehr Transparenz, Beteiligung und Innovation (pdf)

Diese Untersuchung ist nämlich eine faszinierende Zukunftsvision aber gleichzeitig ein verheerendes Gegenwartszeugnis für die Banken zugleich, weil der Finanzsektor darin ausgespart wird. Mit dem Autor, Thomas Dapp, habe ich daher anlässlich einer im Handelsblatt und im PR-Blogger erschienen Artikelserie (siehe unten) telefoniert. Dapp sieht auch (zitiert nach Handelsblatt Online), “dass die traditionellen Banken die Veränderungen mitgehen müssen, wenn sie nicht den technologischen Anschluss verpassen wollen. Die momentane Haltung der Banken, teilte Dapp uns mit, sei auch Ausdruck großer Vorsicht insbesondere bei sicherheitskritischen Anwendungen. Bislang seien keine Vorreiter aus der Bankenbranche in Sicht. Dapp ist aber überzeugt, dass die Banken die Entwicklungen sehr genau beobachten. Er könne sich auch vorstellen, dass einzelne Häuser bereits an Dienstleistungen arbeiten, üblicherweise wird darüber erst gesprochen, wenn die Leistungen marktreif sind.” 

In einer aktuellen Zusammenfassung zur Studie schreibt Dapp auf der Webseite von DBResearch

“Politik und Wirtschaft werden zunehmend gezwungen, sich mit den neuen Paradigmen im Netz (z.B. Öffnungsprozesse in Wertschöpfungsnetze) und mit einem besser informierten Bürger konstruktiv auseinanderzusetzen. Alle Akteure können davon profitieren und dazulernen. Es entstehen experimentelle Organisationsformen sowie moderne Arbeitsweisen, die den Menschen mehr interaktive Mitgestaltung ermöglichen. Die Menschen im Netz stimulieren z.B. im Bereich Open Innovation oder Open Government durch externes Wissen und neue Ideen Innovations- und Wertschöpfungsprozesse. Eine dieser durch Öffnungsprozesse etablierten modernen Arbeits- und Organisationsformen stellen sogenannte Wikis dar.”

Die spannende Frage ist nun, ob die Kreditwirtschaft diese Öffnung für den eigenen Sektor auch will. Florian Semle und ich bemerkten dazu im PR-Blogger:

 

“Die Botschaften der Kapitalmarktkommunikation sind häufig das Gegenteil der Kundennähe, die das Marketing verspricht. Diese interne und öffentliche Schizophrenie ist unseres Erachtens eine Mitursache für die desaströse Reputation der Banken in der öffentlichen Debatte. Das Handelsblatt bemerkt dazu spitz, die Banken seien in der öffentlichen Wahrnehmung „vom Dienstleister zum Bedroher“ geworden.” 

Die disruptiven Elemente der Digitalen Gesellschaft erreichen auch den Finanzsektor. Dieser Paradigmenwechsel wird allerdings in der klassischen Finanzbranche noch nicht als bedrohlich wahrgenommen. Sanfte Öffnungen sind zwar zu beobachten. Aber einige Banken glauben, sie bewegen sich mit einem Twitteraccount und einer Facebookseite (manchmal lassen sie dort nicht einmal Kommentare zu) schon mitten in der neuen digitalen Welt. Regelmäßige Leser dieses Blogs werden wissen, dass ich das für einen großen Irrtum halte. Man braucht dazu nur einen Blick in die Beitragssammlung auf dieser Seite werfen oder auf die Mindmap des Next Banking schauen und sich fragen, was die eigene Bank davon bisher realisiert hat.

Die Banken haben aus meiner Sicht noch einen weiten Weg hin zu der Digitalen Gesellschaft zurückzulegen, viele gehen diesen Pfad derzeit nur widerwillig. Oder was meinen die Leser? Diskussionen dazu gern über die Kommentarfelder oder via. Google+ oder Twitter.

Vertiefung

Artikelserie auf Handelsblatt Online

Weitere aktuelle Beiträge zu den Veränderungen im Finanzwesen

SB2.0: Banken: Wann kommt die digitale Roadmap via Social Media?

Bank Blog: The Innovator’s Dilemma Umgehen mit disruptivem Wandel

Bank Blog: Die innovativsten Finanzunternehmen 2012 – Banken weitgehend außen vor

HB: iWallet-Patent Kommt nun die iBank? (6.04.12)

Darüber hinaus gibt es die oben bereits empfohlene Sammelseite 

Next Banking und Social Media

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