Grund für Down Gold ist 63

by Dirk Elsner on 16. April 2013

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Quelle Chart: go.guidants.com

Eigentlich habe ich nichts zu sagen zum Crash des Goldpreises (gestern noch einmal über –8%. Ich will jetzt auch keine schlauen Sprüche nach dem Na-siehste-Motto klopfen. Ich finde einfach, wie nach dem Platzen jeder Blase, putzig, wie jetzt nach Erklärungen für etwas gesucht wird, dass sich eigentlich nicht erklären lässt. Und der Fall des Goldpreises bietet da wieder erstklassiges Material, um dies zu dokumentieren. Insbesondere diejenigen, die auf Gold gesetzt haben und jetzt große Verluste eingefahren haben, sind sauer und grummeln, sie suchen nun nach Erklärungen. Und die werden haufenweise geboten von Analysten und Medien. Die praktische Relevanz dieser Erklärungen geht gegen Null, allenfalls können sie ein psychologisches Trostpflaster darstellen.

Und wie immer können wir in solchen Phasen Überschriften lesen, wie etwa bei Spiegel Online: Preisverfall: Experten sehen Ende des Gold-Booms. Zu dieser Aussage 20 Monate nach dem Höchstkurs zu gelangen, zeigt den Mut und die Qualität vieler Analysten. Ebenso gut sind die vom Wall Street Journal zitierten Analysten, die fürchten, dass sich eine Preisblase gebildet hat, die zu platzen beginnt.

Nur mal für die Dokumentation, was so als ex-post-Gründe von “Experten” via Medien verbreitet wird:

  • Anzeichen für eine vorzeitige Straffung der US-Geldpolitik
  • sollte Europäische Zentralbank an ihrer bisherigen Geldpolitik festhalten, sinke die Wahrscheinlichkeit einer anziehenden Teuerung deutlich. Damit werde Gold als „Anti-Inflationswährung“ weniger attraktiv
  • aktuelle Gemengelage lässt Anleger immer skeptischer werden lässt, ob sie im Gold noch richtig positioniert sind
  • technische Faktoren
  • japanische Geldpolitik
  • Anschlussverkäufe
  • verschärfende Margin Calls
  • mutmaßliche Goldverkäufe Zyperns
  • schwaches Wirtschaftswachstum in China
  • nicht eingetretene Inflationserwartungen
  • geringer als ursprünglich erwartete Auswirkungen der Zypernkrise
  • Ruf des Goldes kurzfristig irreparabel beschädigt
  • in Indien wurde im ersten Quartal 24 Prozent weniger Gold verkauft als sonst
  • uvm

Man kann das glauben, wenn man es nötig hat, sollte es aber nicht. Ich glaube kein einziges Argument, gestehe aber auch keines wirklich geprüft zu haben. Warum auch? Ich könnte genau so in die Runde werfen: 63 ist die Ursache für den Preisverfall. Wenn ich das Argument vielleicht geschickt verpacke und gut erzähle, andere es unreflektiert übernehmen und zitieren, dann kann das eben so gut sein.

Ich finde solche Ereignisse vor allem interessant, weil sie erstklassiges Anschauungsmaterial für narrative Verzerrungen produzieren. Dabei geht es im Sinne von Kahneman und Taleb um fehlerhafte und unvollständige Geschichten vergangener und oft gerade passierter Ereignisse, die so konstruiert werden, dass sie im Nachhinein vollkommen plausibel erscheinen. Viele Berichte, etwa von Experten, Analysten, Journalisten, Unternehmensberatern, Bloggern vermitteln wieder im Nachhinein genaues Wissen darüber, wieso ein Ereignis genau so stattgefunden hat. Manchmal klingt das so, als ob es gar keine andere Möglichkeit gegeben hätte und es genau so passieren musste. Damit wird Zuhörern und Lesern ein Gefühl gegeben, genau zu verstehen, was z.B. bei Unternehmen zum Erfolg, Misserfolg, Anstieg, Crash geführt hat. Leider spricht aus Sicht von Kahneman vieles dafür, dass wir hier einer Illusion unterliegen, wenn wir glauben, etwas verstanden zu haben.

Um das zu erkennen hat Kahneman in seinem aktuellen Buch einen Test vorgeschlagen, den er am Beispiel Google erklärt::

“Der entscheidende Test für die Güte einer Erklärung ist die Frage, ob sie das Ereignis im Vorhinein vorhersagbar gemacht hätte. Keine Geschichte über Googles unwahrscheinlichen Erfolg wird diesen Test bestehen, weil keine Geschichte die zahllosen Ereignisse eibeziehen kann, die auch ein anderes Ergebnis hätte hervorbringen können. Das menschliche Gehirn beschäftigt sich nicht mit Nichtereignissen. Die Tatsache, dass viele der stattgefundenen wichtigen Ereignisse auf Entscheidungen beruhen, verleitet Sie noch stärker, die Rollen von Können und Geschick überzubewerten und den Anteil, den das Glück an dem Ergebnis hatte, zu unterschätzen. Weil jede maßgebliche Entscheidung positiv ausging, deutet die Geschichte auf ein beinahe makelloses Vorauswissen hin – aber Pech hätte jeden einzelnen der erfolgreichen Schritte zunichtemachen können. … Natürlich spielen Können und Geschicke eine große Rolle in der Erfolgsgeschichte von Google, aber Glück hatte in Wirklichkeit einen größeren Anteil daran, als in der Schilderung zum Ausdruck kommt.  Und je größer der Anteil des glück, umso weniger lässt sich aus der Geschichte lernen.”

Interessant übrigens, wie man mit den Charts Darstellungen beeinflussen kann. Hier zwei Beispiele für zwei Zeiträume

1. Seit Sommer 2011: Crash

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2. Seit Januar 2002: Korrektur

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