Über magische DAX-Marken und CFDs

by mnockerl on 8. November 2013

Jetzt wo die Börsen wieder boomen, erhöht sich die Aufmerksamkeit für den Handel spekulativer Instrumente wieder deutlich. Vielen werden hellhörig, wenn runde Index-Marken durchbrochen werden. In Deutschland war das gerade mit der 9.000er Marke der Fall. “Dax 9000 und kein Ende” feierte etwa die Wirtschaftswoche.

Das Handelsblatt blickte im Beitrag DAX 10.000 auf die “Magie der runden Zahlen” und schreibt:

“Die runden Marken sind verlockend. Schon die 9000 wurde an der Börse gefeiert. Sie sei „prominenter als 8.745 und erzeugt deswegen mehr Aufmerksamkeit“, sagt Martin Weber von der Uni Mannheim und Experte für Börsenpsychologie. „Runde Zahlen kommen dem Bestreben der Menschen entgegen, Dinge zu vereinfachen“, sagt auch Conrad Mattern, Vorstand der Vermögensverwaltung Conquest Investment Advisory. „9000 ist nun einmal markanter und einfacher zu merken als 8973.“

In Deutschland freuen sich viele Anleger an den täglichen Rekorden des DAX-Index, obwohl der eigentlich mit anderen internationalen Börsenindizes besser vergleichbarere DAX-Kursindex noch weit von seinem Rekordhoch entfernt ist (vgl. hier die Charts).

Dennoch, der Reiz der magischen 10.000 dürfte wieder viele Medienberichte produzieren. Die Frage, die sich viele stellen, ist natürlich, wann wird die nächste magische Grenze geknackt? Müssen wir wie von der 8.000er Marke im März 2000 bis zur 9000er wieder über 13 Jahre warten? Niemand weiß das.

Derweil fragen sich nicht nur Profis, sondern auch immer mehr Normalanleger, wie man den DAX selbst handeln kann. Ich will hier jetzt nicht alle Möglichkeiten beleuchten, sondern habe eigentlich eine Überleitung zu den so spekulativen Differenzkontrakten gesucht, die seit einigen Jahren immer populärer werden.

Die Anbieter solcher Kontrakte, wie etwa alpari, erklären diese so:

“Differenzkontrakte (CFDs) auf Indizes bilden die Performance eines zugrundeliegenden Index Futures ab. Der Gewinn oder Verlust wird dabei aus der Differenz zwischen dem Kauf- und Verkaufspreis berechnet.”

Wikipedia bietet diese Erklärung in Kurzform:

“Ein Differenzkontrakt (englisch contract for difference, kurz CFD) ist eine Form eines Total Return Swaps. Hierbei vereinbaren zwei Parteien den Austausch von Wertentwicklung und Erträgen eines Basiswerts gegen Zinszahlungen während der Laufzeit. Er reflektiert damit die gehebelte Kursentwicklung des zu Grunde liegenden Basiswertes.

Differenzkontrakte gehören zur Gruppe der derivativen Finanzinstrumente. Sie sind hochspekulative Instrumente, bei denen das Risiko des Totalverlusts des ursprünglich eingesetzten Kapitals und von Nachschusspflichten besteht.”

Wem das wie mir noch zu abstrakt ist, der liest am besten mal bei €uro am Sonntag. Wichtig ist nämlich: “Käufer müssen bei ihrem Broker nur einen geringen Teil des Basiswerts als Sicherheitsleistung hinterlegen, partizipieren aber wegen des Hebeleffekts überproportional an Bewegungen des Basiswerts — je nachdem, ob sie auf anziehende oder fallende Kurse wetten.” Der Kapitaleinsatz erfolgt beim CFD nicht in Höhe des Basiswertes, sondern nur als Sicherheitsleistung (Margin), die vor allem der Abdeckung potenzieller Verluste dient. Dadurch kann man mit großem Hebel arbeiten, eben aber auch hoch riskant.

Ein fiktives Beispiel für einen virtuellen DAX-CFD, bei dem man für den Kauf einer DAX-Einheit 10% des aktuellen DAX in Euro hinterlegen muss. Bei einem DAX von 9.000 entspräche dies 900 Euro Kapitaleinsatz, der auf einem Konto zu hinterlegen ist. Steigt der DAX auf 10.000 Punkte, dann wird aus dem Kontrakt die Differenz von 1.000 Euro ausgezahlt. Während der DAX also um 11,11% zugelegt hätte, hätte sich der Einsatz aus dem Kontrakt mehr als verdoppelt. Fällt der DAX dagegen, ist mein seinen Einsatz genauso schnell wieder los. Aber immerhin kann man mit CFDs auch auf fallende Kurse setzen.

Ursprünglich, so erklärt der Blog Each Trading Day, waren CFDs Instrumente für institutionelle Investoren. Durch die Entwicklung des Internets wurde dann diese Handelsform auch für Privatpersonen zugänglich. Der Blog erläutert einige weitere wichtige Details:

“Um die kosten einer CFD Transaktion so gering wie möglich zu halten ist sie von Natur aus als Over-the-Counter Produkt ausgelegt, d.h. die Abwicklung des Kaufes oder Verkaufes eines CFDs erfolgt ausschließlich nur zwischen zwei Parteien. Dem Trader/Investor und dem Broker/Market Maker.

Als CFD Nutzer schließe ich also eine Vereinbarung mit meinem Broker ab, der mir permanent Bid- und Ask- Kurse zu den angebotenen Underlyings stellt und das unabhängig von der wirklichen Marktliquidität.

Der große Nachteil eines CFDs liegt in dem sogenannten Counterparty Risiko, also dem Risiko, dass meine Vereinbarung direkt mit dem Market Maker erfolgt und nicht über eine Börse läuft.”

Ganz entscheidend ist also, dass man sich genau ansieht, mit welchen Broker man diese Kontrakte handelt und ob er einer staatlichen Regulierung unterliegt. Dazu sollte man sich stets das Kleingedruckte auf den Anbieterseiten ansehen. Bei dem oben erwähnten Anbieter alpari gibt es die Details auf einer eigenen Regulierungs-Seite.

Aber selbst, wenn solche Informationen vorhanden sind, rate ich nur Personen, die sich sehr intensiv mit der Materie befasst haben dazu, die Eröffnung eines Kontos zu erwägen. Mit CFDs begibt man sich in das Terrain von “OTC-Derivaten”. So erfreulich es ist, dass Privatanleger somit Zugang zu diesen Instrumente erhalten, so muss man auch die Kehrseiten kennen. Die Logik des Handels von CFDs bringt es mit sich, dass der gesamte Handel ein Nullsummenspiel ist. Und da Transaktionskosten anfallen und/oder ein Spread gezahlt wird, muss die Erfolgserwartung für die Privatkunden negativ sein. Weiter bestehen neben dem eigentlich Risiko, dass sich der Basiswert gegen die eigene Position entwickelt, weitere Risiken, wie das Kontrahentenrisiko oder das Liquiditätsrisiko.

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