Sind Finanzwetten für Jedermann wieder in?

by mnockerl on 14. Januar 2014

Der Begriff der Finanzwette ist ja in Deutschland ausgesprochen negativ belegt. Punkte kann man in Blogbeiträgen vor allem damit sammeln, wenn man Finanzwetten verteufelt und zu ihrem Verbot aufruft. Überhaupt gilt der Begriff Wette in Deutschland als verpönt, obwohl viele Statistiken zeigen dürften, dass auch in Deutschland gern gewettet wird, insbesondere wenn, wie beim Lotto, der Erwartungswert negativ ist.

In Finanzkreisen verwendet man statt des Begriffs Finanzwette lieber die Bezeichnung Finanzderivat. Gablers Wirtschaftslexikon definiert derivative Finanzinstrumente als Termingeschäfte auf der Grundlage von bestimmten Basiswerten (Underlyings). Dabei kann es sich um Festgeschäfte oder Optionsgeschäfte handeln. Bricht man Derivate – wie Professor Roger Zantow in dem Vorlesungsskript Finanzderivate – weiter herunter kann man unterscheiden in:

  1. Financial Swaps: Tausch von Zahlungsverpflichtungen
  2. unbedingte Termingeschäfte (Festtermingeschäfte): Geschäfte mit Konditionenfestlegung in der Gegenwart und unbedingter Ausübung in der Zukunft
  3. bedingte Termingeschäfte (optionsartige Termingeschäfte): Geschäfte mit Konditionenfestlegung in der Gegenwart und bedingter Ausübung in der Zukunft nach Wahl eines der Vertragspartner

Geschäfte in Derivaten sind im Vergleich zu vielen Glückspielen immerhin fast Nullsummenspiele zwischen den Vertragspartnern. Was die eine Seite gewinnt, muss die andere Seite (auch in Form von Opportunitätskosten) verlieren. Fast Nullsummenspiel schreibe ich, weil die Geschäfte natürlich auch Transaktionskosten verursachen.

Aber das soll hier keine Einführung in den Derivatehandel werden, das kann etwas das oben verlinkte Skript viel besser. Neben börsengehandelten Derivaten, wie Optionsscheinen, Zertifikaten, Optionen und Futres, haben sich in den letzten Jahren einige außerbörsliche Spielformen etabliert Über die Google-Suche nach Finanzwetten landete ich ziemlich schnell auf dieser Seite mit einer Übersicht über binäre Optionen, mit denen ich mich noch in einem weiteren Eintrag befassen werde. Diese scheinen sich zu einer neuen Spielform für kleine Spieler an den Finanzmärkten entwickelt zu haben.

Neben binären Optionen, die nach der obigen Übersicht zu den bedingten Termingeschäften gehören, hat auch ein Spielart für unbedingte Termingeschäfte in den letzten Jahren das Retailgeschäft erreicht: Die “Contracts for Difference” (= CFD). CFDs bilden nach Definition des FAZ.net-Börsenlexikons “Kursbewegungen genau ab, bieten aber den Vorteil, dass mit einem Bruchteil des Kapitals Aktien, Indizes, Rohstoffe oderRenten gehandelt werden können.” Etwas anspruchsvoller definiert es die Wikipedia: “Ein Differenzkontrakt (englisch contract for difference, kurz CFD) ist eine Form eines Total Return Swaps. Hierbei vereinbaren zwei Parteien den Austausch von Wertentwicklung und Erträgen eines Basiswerts gegen Zinszahlungen während der Laufzeit. Er reflektiert damit die gehebelte Kursentwicklung des zu Grunde liegenden Basiswertes.” Ein CFD ist kein Wertpapier, sondern ein Kontrakt aus dem gegenseitige Zahlungsansprüche abhängig sind von der Entwicklung eines Basiswertes.

Neben binären Optionen und CFDs ist außerdem die Spekulation mit Devisen (Forex) sehr beliebt bei so genannten Daytradern. Das Handelsblatt schrieb dazu: “Nach Schätzungen liegt die Zahl der Nutzer von Online-Plattformen, die aktiv mit Forex oder CFD spekulieren, bei rund 65.000. Diese Zahl dürfte sich im letzten Jahr weiter erhöht haben. Schaut man auf die Anzeigen auf einschlägigen Webseiten, dann scheint außerdem ein harter Wettbewerb um die Kunden ausgebrochen zu sein.

Der Handel mit CFDs und Forex ist im Vergleich zu den Aktien- und Terminmärkten wenig reguliert. Verbraucherschützer sind von den Produkten nicht angetan.” Dass die Geschäfte hoch riskant sind, muss man wohl regelmäßigen Besucher dieses Blogs nicht noch einmal klar machen. Dabei meine ich aber nicht nur das aus den Preisschwankungen des Basiswertes resultierende Marktrisiko, sondern auch das Kontrahentenrisiko. Meist werden die Geschäte nämlich nicht über eine Börse und eine Clearingstelle abgewickelt, sondern lediglich über einen Broker. Und der kann, wie eine Bank, in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Das zeigt etwas das Beispiel von FXdirekt. Laut Handelsblatt hatte die Finanzaufsicht Bafin die Oberhausener Wertpapierhandelsbank FXdirekt Ende 2012 geschlossen. Es ist also ganz wichtig hinzuschauen, wie die Einlagen gesichert sind.

Wie versprochen, werde ich mir in einem weiteren Beitrag noch einmal die binären Optionen anschauen.

Previous post:

Next post: