Sind binäre Optionen Finanzwetten für Jedermann?

by mnockerl on 16. Januar 2014

In dem Beitrag “Sind Finanzwetten für Jedermann wieder in?” hatte ich mich bereits mit der Definition von Finanzwetten (aka Finanzderivaten) befasst. Ich hatte in dem Beitrag versprochen, noch einmal die “binären Optionen” etwas genauer anschauen.

Optionen, das hatten wir ja in dem letzten Beitrag aus dem Vorlesungsskript Finanzderivate

gelernt, sind bedingte Termingeschäfte, also Geschäfte mit Konditionenfestlegung in der Gegenwart und bedingter Ausübung in der Zukunft. Allgemein, so ist in dem Skript weiter zu lesen,

“heißt Option Wahlrecht. Dies gilt aber nur für den Erwerber einer Option. Der Verkäufer mussstillhalten (weshalb er Stillhalter bezeichnet wird) und abwarten, welche Wahl der Käufer trifft. Die Option kann auch in der Form eines Wertpapiers gehandelt werden und heißt dann Optionsschein oder Warrant.”

Binäre Optionen sind ein nicht mehr ganz so neuer Trend. Der Finanzblog Investors Inside hat diese Instrumente in dem Beitrag “10 goldene Regeln für den Handel mit Binären Optionen” skizziert.

Binäre Optionen sind extrem kurzlaufende Optionen mit denen spekulativ orientierte Trader die Möglichkeit haben in wenigen Minuten Erträge bis zu 75 Prozent auf das eingesetzte Kapital zu erzielen. Dazu müssen Sie lediglich vorhersagen ob beispielsweise der Goldpreis, der DAX oder der S&P 500 am Ende einer jeweiligen Handelsstunde höher oder tiefer steht als zum Abgabezeitpunkt ihrer Option. ”

Leider erweckt der Beitrag den Eindruck, als sei es hier einfach, Geld zu verdienen. Ich wäre da deutlich vorsichtiger, denn

1. handelt es sich hier wie bei allen Derivategeschäften um Nullsummenspiele, bei denen die Gebühren bei Anwendung des “Gesetz der großen Zahl” zu einem negativen Erwartungswert führen müssen und

2. kann man nicht als Stillhalter von Optionen auftreten. Stillhalter sind stets nur die Broker, von denen es mittlerweile eine ganze Menge zu geben scheint, wie diese Übersicht zeigt.

Wer solche Derivate ausschließlich zu Spekulationszwecken nutzt, der wird auf lange Sicht keine positiven Erfolgsbeitrag realisieren, auch wenn die Werbesprüche der Anbieter etwas anderes beweisen wollen. Binäre Optionen sind hoch spekulative Geschäfte.

Einen Vorteil sehe ich allerdings darin, dass Kleinanleger über diesen Weg auch Zugang zu Derivaten bekommen, die ihnen sonst verschlossen bleiben. Wer sich mal die Mühe macht und das Kleingedruckte der Kontraktspezifikationen an der EUREX gehandelter Derivate zu studieren, der wird nämlich schnell feststellen, dass dies nur etwas für Großanleger ist. Kleinanleger bleiben somit nur Zertifikate, Optionsscheine, CFDs und eben binäre Optionen. Theoretisch sind binäre Optionen daher auch für kleinere Anleger als kurzfristiges Absicherungsinstrument einsetzbar. Wer finanzmathematisch richtig gut ist, könnte über diesen Weg vielleicht sogar eine Replikationsstrategie für Instrumente aufbauen, an die er sonst nicht ran kommt, wobei ich mir jetzt nicht die Mühe gemacht habe, dies zu prüfen. Ich habe allerdings Zweifel, dass die Mehrheit der Trader sich aus Gründen des Hedgings oder der Durchführung von Replikationsstrategie bei den Brokern tummelt, denn dazu sollte man sich mit den technischen Details der Bewertung von Optionen sehr gut auskennen.

Wichtig ist auch hier, dass die “Anleger” bei binären Optionen “gegen den Broker” spielen. Dazu ist auf ARD Börse zu lesen:

Ähnlich wie beiCFDs handelt es sich bei binären Optionen nicht um Wertpapiere, wie Aktien, Anleihen oder auch Zertifikate. Eigentlich stellen beide Anlagevarianten eine Vereinbarung mit dem Emittenten dar, der mit den Produkten einen Markt abbildet. Anders als an den klassischen Aktien-, aber auch Terminmärkten gibt es keinen Handelspartner am Markt, sondern nur den Broker, der auch gleichzeitig Anbieter der „Wette“ ist.”

Nun wird es auch unter den Lesern dieses Blogs sicher einige Vertreter der These geben, dass solche Instrumente Unsinn für Kleinanleger sind und man solche Angebote daher verbieten sollte. Ich würde solche Verbote als Bevormundung sehen. Vorwerfen kann man den Anbietern aber, dass sie auf ihren Webseiten die Risiken nicht in den Vordergrund stellen. Klickt man sich freilich durch die Seiten, dann findet man neben Risikowarnungen auch steuerliche Hinweise. Insbesondere empfiehlt es sich sehr genau die Geschäftsbedingungen zu studieren, sie zu verstehen und im Zweifel zu hinterfragen. Ich habe außerdem bei oberflächlicher Durchsicht der Anbieter und einschlägiger Empfehlungswebseiten leider weder Informationen zu der Bewertung digitaler Optionen noch ein Onlinebewertungstool gefunden.

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