Neue Variante der Bankenrettung: Rekapitalisierung durch die Privatwirtschaft

by Dirk Elsner on 10. Oktober 2016

imageIch hatte vor drei Jahren hier im Blog mal geschrieben, warum ich die Bankenkrise nicht für beendet halte. Für mich ist die Bankenkrise genau dann beendet, wenn

  1. Unternehmen im Finanzsektor erhaltenen Hilfen zurückgezahlt hätten und
  2. sichergestellt ist, dass Banken keine direkten oder indirekten Subventionen mehr erhalten.

Diese Kriterien sind für Europa bisher immer noch nicht erfüllt. Neben den offiziellen Hilfen kommen die indirekten Subventionen (z.B. durch implizite Staatsgarantien), vor allem dadurch, dass notleidende Großbanken, die “too big to fail” sind, weiterhin vom Staat gerettet werden müssen. Das soll eigentliche durch die Beschlüsse zur Bankenunion und Bankenabwicklung verhindert werden. Ich hatte aber schon 2013 geschrieben, dass die europäischen Regeln zur Abwicklung von Banken der Versuch sind, einen Tsunami mit Pappwänden aufzuhalten.

Und als ob diese neuen Regeln nicht existieren, keimte in den letzten Wochen eine Diskussion zur staatlichen Bankenrettung für die Deutsche Bank auf. Die Bundesregierung bereite einen Notfallplan für Deutsche Bank vor, hieß es in der ZEIT. Erwartungsgemäß wurde das dementiert bzw. kein Bedarf dafür gesehen, dass der Staat in welcher Form auch immer die größte deutsche Bank unterstützen solle.

Nun hat das Handelsblatt kurz vor dem Wochenende eine neue Rettungs-Variante an die Öffentlichkeit gebracht. Danach sollen sich Großkonzerne der Bank frisches Eigenkapital zur Verfügung stellen.

Wer hier die Strippen gezogen hat (und irgendjemand muss es gemacht haben), bleibt bislang unklar. Das Handelsblatt bezieht sich auf Informationen aus Unternehmenskreisen” nach denen Topmanager mehrerer Dax-Konzerne in den vergangenen Tagen über einen Rettungsplan für das angeschlagene Institut gesprochen haben. Soweit ich das sehe, hat niemand bisher diese Variante offiziell bestätigt. Gleichwohl begrüßen bereits zahlreiche Politiker diese Initiative.  Dem Kurs der Deutschen Bank hat das ein wenig geholfen. Der freie Fall der Aktie scheint vorerst gestoppt.

Mir gefällt diese Variante diese Variante der Bankrettung, denn es handelt sich um eine marktgerechte Lösung. Die Entscheidung steht im freien Ermessen der Unternehmen und Institutionen, die Kapital zeichnen wollen. Niemand wird gezwungen mitzumachen.

Marktwert nur ein Viertel des Buchwerts

Die Süddeutsche Zeitung hatte vergangene Woche den “den Niedergang der deutschen Großbanken” anhand einer Kennzahl verdeutlicht: dem Kurs-Buchwert-Verhältnis:

“Der Ausdruck klingt technisch, doch die Details haben es in sich: Sowohl Deutsche Bank als auch Commerzbank kommen beim KBV gerade noch auf einen Wert von rund 0,25. Das heißt, dass sie an der Börse nur mit einem Viertel dessen gehandelt werden, was an Vermögen in ihrer Bilanz steht. Man könnte auch sagen: Wer alle Aktien beider Institute aufkauft und danach ihre Vermögenswerte verkauft, würde theoretisch seinen Einsatz vervierfachen.” 

Eine so niedrige Bewertung zeigt einerseits das große Misstrauen der Kapitalmärkte in die Bankbilanzen, bereitet andererseits aber auch die Grundlage für Spekulationen einer Übernahme, wie sie z.B. der Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank für möglich hält. Markus Frühauf schreibt für die FAZ über die große Diskrepanz zwischen Markt- und Buchwert (in “Die Bilanz der Deutschen Bank ist ein Mysterium”):

“Die Investmentbanker haben in den vergangenen Jahren die Deutsche Bank dominiert. Auch bei anderen Banken gab es immer wieder den Verdacht, dass Bewertungsspielräume bei sehr komplexen Wertpapieren oder Derivaten genutzt wurden, um das Ergebnis und die Erfolgsprämien der Investmentbanker höher ausfallen zu lassen. Die hohen Abschreibungen der Deutschen Bank auf Firmenwerte im vergangenen Jahr von 5,8 Milliarden Euro nähren solche Zweifel.”

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