Kapitalbedarf der BayernLB bei 6,4 Mrd. Euro, aber wo hat die Bank ihr Geld versenkt?

by Dirk Elsner on 22. Oktober 2008

Auf einer der Webseiten der BayernLB ist der Satz zu lesen: „Die oberste Regel beim Value-Investing hat Warren Buffet in einem prägnanten Satz formuliert: „Don’t lose money!“

Offensichtlich hat sich die Bank selbst nicht daran gehalten. Die Schätzungen für den Kapitalbedarf der BayernLB zeigen eine für bayerische Verhältnisse unglaubliche Volatilität. Auf  6,4 Mrd. Euro beziffert nun der Verwaltungsrat die benötigten Mittel der einstigen Vorzeigebank Bayerns.

Nicht klar wird aus den Medienberichten, wo die BayernLB eigentlich ihr Geld versenkt hat. Aus der Süddeutschen Zeitung erfahren wir lediglich, dass sie Wertpapiere im Umfang von 21 Milliarden Euro hält und hier hohe Ausfälle drohen. Daneben soll das Institut mit 1,5 Mrd. € in Island engagiert sein. Hier drohen 700 Mio. Euro.

Bayern LB selbst klärt kaum auf

Die Bank selbst klärt ebenfalls kaum auf. In einer Presseerklärung heißt es nur:

„Maßgeblich für den aktuellen Kapitalbedarf der BayernLB sind die Entwicklungen an den Finanzmärkten in den letzten Wochen. Die Verschärfung der Finanzmarktkrise hat auch zu einer Verschlechterung der geschäftlichen Rahmenbedingungen für die BayernLB Group geführt.

Vor allem die Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers hat zusätzliche Folgewirkungen an den Märkten ausgelöst, die unter anderem zu weiteren Marktwertminderungen bei strukturierten Wertpapieren und negativen Entwicklungen im Geschäft mit institutionellen Kunden geführt haben.“

Vermutung 1: Zertifikate

Die Aussage „Marktwertminderungen bei strukturierten Wertpapieren“ könnte Anlass zu weiterer Betrachtung sein. Schaut man sich die Presseseite der BayernLB an, dann hat das Instiut sehr intensiv auf das Zertifikategeschäft gesetzt. Wie heute z.B. in der FAZ zu lesen ist, ist dieser Markt vollkommen zusammengebrochen. Üblicherweise schließt eine Bank bei Zertifikatemissionen entsprechende Gegengeschäfte ab, so dass die verschiedenen Marktrisiken hier eliminiert werden.

Zertifikateemittenten verpflichten sich im Rahmen eines Market-Making aber häufig freiwillig dazu, Zertifikate von Kunden zurücknehmen, um einen liquiden Markt zu gewährleisten. Nimmt ein Institut Zertifikate zurück und hält diese im eigenen Bestand, dann öffnet sich damit wieder die Risikoposition. Da viele Zertifikate stark an Wert verloren haben, entsteht dadurch zusätzlicher Abschreibungsbedarf.

Vermutung 2: Internationale Immobilien

Der frühere bayerische Finanzminister, Kurt Faltlhauser, hatte lt. FAZ den Plan der Bayern LB abgesegnet, das Geschäft mit amerikanischen Hypotheken-Verbriefungen von rund 10 auf im Juli 2007 rund 32 Milliarden Euro auszudehnen. Faltlhauser sagte später: „Was soll ein kleiner Provinz-Finanzminister klüger sein als alle Banker der Welt.“ Hier geht es also um Kapitalanlagen in internationalen Immobilien und Asset Backed Securities.

Recht auf konkrete Aufklärungen

Dies sind allerdings nur Vermutungen, in welchen Bereichen Verluste entstanden sein können. Wenn man sich die Mühe macht und die Geschäftsberichte der Bank studiert, werden sicher weitere potentielle Verlustbereiche sichtbar.

Es ist aber nicht die Aufgabe dieses Beitrages, die Verluste der BayernLB zu erklären. Ich denke, die Öffentlichkeit hat bei der Bereitstellung von 6,4 Mrd. Euro ein Recht, von dem Institute selbst zu erfahren, wo konkret die Verluste angefallen sind. Vermutlich überfordert aber die Erklärung über die komplexen Zusammenhänge sogar schon den Aufsichtsrat der Bank.

Trotzdem ein Lob für die BayernLB

Einen Lob zum Schluss für die BayernLB. In ihren Prospekten für Anlagezertifikate klärt sie immerhin über das Adressenrisiko auf. In einem Prospekt heißt es:

„Wie auch andere Marktteilnehmer ist die Bayerische Landesbank im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit bestimmten Risiken ausgesetzt, deren Realisierung im schlimmsten Fall dazu führen könnte, dass die BayernLB ihren Verpflichtungen im Rahmen von Emissionen von Wertpapieren nicht oder nicht fristgerecht nachkommen kann.“

Und auch sonst klärt sie mehr über die Risiken von Anlagezertifikate auf als manche anderes Institut, wie ich vor einigen Wochen in einem Beitrag geschrieben habe.

PS zur politischen Diskussion

Der CSU-Regierung soll der enorme Kapitalbedarf schon länger bekanntgewesen sein, womöglich sogar schon vor der Landtagswahl, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt. „Schon in den vergangenen Wochen sei „jedem Verwaltungsrat“ der BayernLB bekannt gewesen, dass die Bank großen Kapitalbedarf habe. Dem Verwaltungsrat gehören Finanzminister Huber und weitere Vertreter der alten CSU-Regierung an, darunter Innenminister Joachim Herrmann.“

Die Personaldiskussion um Herrn Huber und andere Verantwortliche interessiert mich nicht. Für mich gehört in die öffentliche Debatte vor allem die Frage nach dem Auftrag einer Landesbank. Dieser Auftrag wurde hier offensichtlich falsch erteilt.

Nachtrag

Der bayerische Finanzminister hat inzwischen die politischen Konsequenzen aus dem Debakel der BayernLB gezogen: „Angesichts der Entwicklung bei der BayernLB übernehme ich damit politische Verantwortung.“ sagte einer in einer Erklärung. Ob er genau weiß, über welche Geschäfte er gestolpert ist, bezweifle ich.

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