Banken: Angst vor dem Jahresabschluss

by Dirk Elsner on 28. Dezember 2008

Feuerwerk

Keine Freude über Jahresabschluss auf Baustellen der Banken

Am Mittwoch geht ein denkwürdiges Finanzjahr zu Ende. Mit den dann anstehenden Jahresabschlüssen könnte es noch einmal so richtig ernst werden für die Finanzbranche. Es drohen in den nächsten Wochen nämlich weitere Hiobsbotschaften. Hintergrund sind die Bewertungen in den Bilanzen zum Jahresende.

Bereits seit 2005 müssen börsennotierte Unternehmen ihren Konzernabschluss nach den International Financial Reporting Standards aufstellen, auf deren Basis die Fair-Value-Bewertung von Finanztiteln und Immobilien vorgesehen ist. Dies könne durchaus problematisch sein, denn: Grundgedanke der Fair-Value-Bilanzierung ist es, für die Anteilseigner und Investoren ein realistisches, an den aktuellen Marktwerten orientiertes Abbild der Vermögenswerte, abzubilden.

Wertveränderungen schlagen sich gem. den IFRS sofort im Periodenergebnis nieder, d.h. sowohl Wertsteigerungen als auch Wertminderungen finden Eingang. Der Fair-Value wird aufgrund einer fünfstufigen Bewertungshierarchie ermittelt. Auf den ersten beiden Stufen werden vergleichbare Marktpreise auf aktiven und homogenen Märkten herangezogen. Sind solche Vergleichsdaten nicht verfügbar, werden auf den Stufen drei und vier die Preise vergleichbarer Transaktionen oder Produkte als Schätzer des Fair-Value verwandt. Sollte auch die nicht möglich sein, wird in einem letzten Schritt die Bewertung anhand von anerkannten Modellen wie dem Discounted-Cash-Flow-Verfahren (DCF) durchgeführt.

Die spannende Frage, die sich jetzt die Bilanzer in den Instituten weltweit stellen, ist, wie sie die Kreditportfolios für diesen Jahresabschluss bewerten werden sollen. Hier ist wahrscheinlich, dass es in vielen Instituten zu weiteren Abschreibungen kommt. Offen ist außerdem, in welchem Umfang die Anwendung der geänderten Bilanzierungsregeln Entlastungen für die Banken verspricht. Zweck der Änderung ist eine Erleichterung bei der Bilanzierung bzw. Bewertung von Finanzinstrumenten, bei denen aufgrund der aktuellen Marktsituation die Ermittlung eines Fair Value Probleme bereitet (siehe hier für weitere Details) . Ohne Anwendung der geänderten Bilanzierungsregeln wären die Belastungen bei der Deutschen Bank im 3. Quartal um 900 Mio. € höher ausgefallen, hieß es zur Veröffentlichung des Quartalsabschlusses des Instituts.

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