Ausstieg von Finanzinvestoren schadet Wirtschaft

by Dirk Elsner on 5. Januar 2009

In der vergangenen Woche war in Spiegel Online zu lesen, dass die Wirtschaftskrise „auch die vielgeschmähten Finanzinvestoren“ trifft. Warum „vielgeschmähte“ Finanzinvestoren. Dem liegt die Vorstellung zu Grunde, Finanzinvestoren würden vorwiegend wirtschaftlich unerwünschte Aktivitäten entfalten.

Private-Equity-Investoren kaufen Unternehmen oder Teile von Firmen, richten sie neu aus und verkaufen sie einige Jahre später weiter. Dabei werden die Übernahmen in der Regel mit großen Kreditanteilen finanziert, um über die Hebelwirkung (Leverage) einen höheren Gewinn zu erzielen. Das Fremdkapital kommt häufig von einem Konsortium bestehend aus Banken und zunehmend auch aus institutionellen Investoren. Nach Abschluss des Kaufs werden die unterschiedlich risikobehafteten Kredittranchen an die beteiligten Investoren und teilweise auch an den Markt weitergegeben. Der Fremdkapitalanteil am gesamten Kaufpreis schwankt üblicherweise zwischen 60 und 80 Prozent.

Wissenschaftliche Befunde bestätigen nach Aussagen des DIW eher einen positiven Einfluss von Finanzinvestoren auf den Aktienkurs und die Produktivität der betroffenen Unternehmen. Anzeichen von Auswirkungen auf die Beschäftigungsentwicklung im Zusammenhang mit der Einführung von LBO in jüngster Zeit sind hingegen rar.

Insgesamt wurden 2008 rund 15 Milliarden Euro in Private-Equity-Transaktionen investiert. Das sind 50 Prozent weniger als im Vorjahr, zitiert Spiegel Online das Beratungsunternehmen Ernst & Young.

Bereits im Frühjahr hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung sich mit den Aktivitäten der Finanzinvestoren intensiver auseinander gesetzt und geschrieben:

„Insbesondere Private-Equity-Fonds können als eine Ergänzung zum traditionellen Instrumentarium der Unternehmensfinanzierung verstanden werden. Das DIW Berlin hat in einer kürzlich vorgelegten Studie festgestellt, dass Private-Equity-Fonds in der Regel nicht als „Heuschreckenschwärme“ über deutsche Unternehmen herfallen. Ihre gesamtwirtschaftliche Bedeutung ist bislang eher gering.

Eine Ausweitung des Engagements von Private-Equity-Fonds wäre zu begrüßen. Gerade mittelständische Unternehmen könnten davon profi tieren. Private-Equity-Fonds und Hedgefonds werden hierzulande häufig unter dem Oberbegriff Finanzinvestoren zusammengefasst, so auch im Risikobegrenzungsgesetz. Für beide Fondsarten gleichermaßen ist eine intensive Beobachtung durch die Deutsche Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vorgesehen.“

Der Sachverständigenrat hat sich im vergangenen Jahr in seinem Jahresgutachten mit Beschränkungen des Beteiligungserwerbs durch ausländische Investoren auseinander gesetzt und kommt zu folgendem Ergebnis:

„Die Analyse zeigt, dass ökonomisch gerechtfertigte Beschränkungen der Beteiligung an deutschen
Unternehmen durch ausländische Investoren vor hohen Hürden stehen: Die für derartige Eingriffe
angeführten ökonomischen Begründungen können regelmäßig nicht überzeugen, weil entweder
nicht klar ist, inwieweit eine Übernahme überhaupt das Gemeinwohl beeinträchtigen würde, oder
weil andere, weniger invasive Instrumente zur Verfügung stehen, wie etwa das Wettbewerbsrecht.
Der Sachverständigenrat sieht daher keine unmittelbare Notwendigkeit, Beteiligungen durch ausländische
Unternehmen über das im Außenwirtschaftsgesetz bereits geregelte Maß hinaus zu beschränken.“

Auch Hedgefonds sind im Beteiligungsmarkt aktiv, wie das DIW schreibt:

Hedgefonds sind im Unterschied zu Buy-Out-Fonds auf die Ausnutzung von Volatilitäten in ausgereiften Fremd- und Eigenkapitalmärkten ausgerichtet. Eine der bekannteren Spielarten aus der umfangreichen Palette von Hedgefonds-Strategien besteht darin, unterbewertetes Eigenkapital aufzuspüren. Um Kursänderungen umgehend ausnutzen zu können, ist der Investitionshorizont von Hedgefonds üblicherweise kurzfristiger als der von Buy-Out-Fonds. Hedgefonds treten zudem im Gegensatz zu Buy-Out-Fonds vorwiegend dann als „Shareholder-Aktivisten“ in Erscheinung, wenn damit der Kurs des Zielunternehmens kurzfristig in die gewinnbringende Richtung verändert werden kann. Auch verschulden sich Hedgefonds auf Fondsebene, wohingegen bei Buy-Out-Fonds die Verschuldung auf der Ebene der Zielunternehmen stattfindet und Kredite direkt mit den vorhandenen Unternehmenswerten besichert werden.

2005 betrugen die insgesamt aus Deutschland stammenden für Buy-Out-Fonds aufgebrachten Mittel 4,5 Milliarden Euro. Im internationalen Vergleich ist diese Summe gering. Trotzdem wurden hiervon nur knapp zwei Drittel (2,9 Milliarden Euro) auch in Deutschland verwaltet. Demgegenüber verwalten britische Manager mit 45,6 Milliarden Euro mehr als das Doppelte der auf der britischen Insel aufgebrachten Mittel.

Mit dem Austrocknen des Marktes für Eigenkapital können Unternehmen aktuell ihre Haftungsmasse über diesen Weg nicht mehr stärken und müssen sich andere Formen der Eigenkapitalbeschaffung suchen. Dies ist gerade in der aktuellen Situation für viele Unternehmen schon deswegen erforderlich, weil die Banken bei der Bereitstellung von Krediten deutlich zurückhaltender verfahren als noch vor einigen Monaten und Kredite eher bei einer hohen Eigenkapitalquote vergeben.

Quellen und weitere Beiträge zum Thema

DIW: Angst vor Finanzinvestoren unbegründet

Dealbook: The Year in M&A

Spon: Finanzinvestoren brechen die Geschäfte weg

Handelsblatt: Finanzinvestoren stehen vor dem Ruin

Handelsblatt: Ebbe im Investment-Banking

Sachverständigenrat: Beschränkungen des Beteiligungserwerbs durch ausländische Investoren?

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