Kommt Finanzkrise bei Sparkassen an?

by Dirk Elsner on 29. Januar 2009

Anfang Januar hatte ich in diesem Blog gefragt, ob die Bankenkrise keine Sparkassenkrise ist? Bis gestern hatten es die Sparkassen geschafft, sich selbst aus den Schlagzeilen zu halten. Nun war gestern im Handelsblatt zu lesen, dass die Sparkassen ihre Renditeziele kassieren. Keinesfalls will ich daraus auf eine Krise bei den Sparkassen schließen. Gleichwohl kommt jetzt mit Blick auf die intern sicher schon fertig gestellten Jahresabschlüsse Ernüchterung auf. Man will sich von der seit dem Jahr 2002 geltenden starre “Vorgabe” einer Eigenkapitalrendite vor Steuern von 15 Prozent lösen. Wow.

Nur was so harmlos klingt, kann auch Vorbote für schlechtere Nachrichten sein. Die 15% hatte ohnehin kaum eine Sparkasse realisieren können, glaubt man dem Handelsblatt. Und, dass die Sparkassen so gut wie gar nicht von den Vermögensverlusten der übrigen Banken betroffen sein sollen, vermag ich mir kaum vorzustellen.

Der Blick Log ist sicher, dass auch die Sparkassen “vergiftete Assets” in ihren Depots schmoren haben, weil die Sparkassen im Anlagegeschäft sehr eng mit den Landesbanken zusammen arbeiten. Hier ist es üblich, dass sich Sparkassen auch Papiere ins eigene Depot (sogenannte Depot A) legen, die die Landesbanken selbst kreiert oder von anderen Marktteilnehmern gekauft haben. Mittlerweile ist einschlägig bekannt, dass die Landesbanken sehr viel riskante Risikoaktiva in ihren Büchern brennen haben. Bei den engen Verflechtungen ist es kaum vorstellbar, dass keine Sparkasse von einer Landesbank diese Papiere (ich spreche hier von ABS und CDOs), die noch vor zwei Jahren in Bankenkreise als äußerst attraktiv galten, an Sparkassen weitergereicht haben.

Und falls die Sparkassen diese Papiere tatsächlich in den Büchern haben sollen, stellt sich dennoch die Frage, warum man davon nichts hört. Meine Vermutung ist, die Sparkassen haben für diese toxischen Papiere die Bewertungsspielräume genutzt, die ihnen die geänderten Bilanzierungsrichtlinien gestatten.

Sparkassen und Banken haben für die Bilanzierung unter bestimmten Voraussetzungen ein Bewertungswahlrecht, d.h. sie müssen nicht alle Marktwertverluste buchen. Kernstück der Erleichterungen ist, dass zum Fair Value oder Marktpreis bewertete Wertpapiere aus dem Handelsbestand in den Anlagebestand umgebucht werden dürfen, wo sie bis zur Endfälligkeit gehalten werden. Dann können Banken zur Bilanzierung bankinterne Bewertungsmodelle nutzen.

Die Deutsche Bank nutzt zum Beispiel diese Bewertungsspielräum nicht und schreibt viele dieser Assets, weil sie diese im Handelsbestand hält. So jedenfalls lässt sich Presseerklärung des Instituts zum vorläufigen Ergebnis des 4. Quartals verstehen. Sie erzeugt damit nach meiner Meinung höhere Abschreibungen als eigentlich notwendig (sehr detailliert gehe ich in diesem Beitrag auf die Bewertung ein), denn nach meiner Vermutung sind die Bewertungen vieler „toxischer Assets“ nur deswegen so schlecht, weil die Risikoprämien sehr hoch waren. Mit den langsam greifenden Rettungsplänen und weiteren Maßnahmen zur Bankenrettung könnte sich hier aber die Lage wieder entspannen.

Aber zurück zu den Sparkassen. Wenn die Sparkassen toxische Papiere in ihren Depots haben (sicher nicht in dem Umfang wie viele Landesbanken oder Großbanken), dann brauchen sie diese auch nach IFRS nicht abschreiben, wenn diese im Anlagebestand liegen. Aus diesen Papieren wird aber ein mehr oder weniger regelmäßiger Zahlungsstrom generiert aus Zinsen und Tilgung. Handelt es sich bei diesen Assets z.B. um CDOs auf der Basis von US-Hypotheken, dann wird dieser Zahlungsstrom in den nächsten Jahren geringer ausfallen. Wie gering weiß im Moment allerdings kaum jemand.

Damit lässt sich aber die Verabschiedung von dem bisherigen Renditeziel erklären. Die Sparkassen „zocken“ nicht mit CDO´s und ABS, halten aber vermutlich ebenfalls Positionen davon im Anlagebestand. Dort brauchen sie derzeit keine Abschreibungen vornehmen und können warten bis die Risikoprämien sinken und sich die Werte erholen. Für den Fall von Ausfällen, die keineswegs feststehen, oder geringeren Zahlungsströmen beugt man halt schon jetzt vor und senkt die Gewinnprognosen. Geschickter Schachzug.

Beiträge zum Thema

HB: Sparkassen kassieren Renditeziel

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