Armselige Führung: Bonus um Leistungsgträger zu halten

by Dirk Elsner on 30. Januar 2009

Money

Bonus im Tresor lassen (Foto: flickr/Davic)

Die Bonusdebatte hat gestern eine neue Schärfe erhalten. Barack Obama hat sich in einem Gespräch mit Reportern am Donnerstag sehr verärgert über die Höhe der Bonuszahlungen an Wall Street. Nach einem Bericht der New York Times soll trotz des kompletten Desasters 18,4 Mrd. US$ gezahlt worden sein oder gezahlt werden. Dies war immerhin der sechsthöchte Betrag, der je gezahlt wurde.

Ehrlich gesagt, habe ich ihn noch nie so verärgert, ja fast wütend erlebt, wie zu diesem Thema. Er nannte dieses Verhalten schamlos, unverantwortlich und überhaupt nicht angemessen für das, was die Wall Street angerichtet hat. Es hatte fast den Eindruck, als habe er die Presse nur für diese Aussagen eingeladen, denn zu weiteren Themen äußerte er sich nur auf Nachfrage.

Aber nicht nur in den USA sorgen die Bonuszahlungen weiter für Gesprächsstoff. Ein Leser hat mich am Mittwoch auf die Bonusmeldung der UBS aufmerksam gemacht. Danach soll die Banbk vertraglich verpflichtet sein, 1,3 Milliarden Franken variable Lohnanteile auszuzahlen. Dieser Fall löst auch in der Schweiz erhebliches Befremden aus, wie der Thread unterhalb des Artikels im Tagesanzeiger zeigt.

Eine Begründung der Finanzaufsicht, die Bonuszahlungen zu genehmigen war, dass ansonsten gute Mitarbeiter zur Konkurrenz wechseln würden. Diese Argumentation ist weder in diesen noch in anderen Zeiten zu fassen.

Ein Leser, der selbst ebenfalls ein Unternehmen geführt hat, schrieb mir dazu:

„Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass meine Mitarbeiter nie durch hohe Geldzuwendungen gehalten wurden,  sondern immer durch Integrität in die Unternehmensziele. Wenn die Integration fehlt und überdies weder Respekt noch Achtung gegenüber allen Geschäftspartnern und Kollegen und Kunden fehlt, zeigt sich hier meines Erachtens eine ganz fundamentale Charakterschwäche.“

Diese Aussagen kann ich komplett unterstreichen. Gern biete ich den Bankern Motivationshilfen an, wie man auch in schwierigen Zeiten seine Mitarbeiter hoch motiviert im Unternehmen hält. Ich frage mich tatsächlich, warum den Banken, die sicher in den letzten Jahren Millionenbudgets für Motivation und Coaching ihrer Führungskräfte ausgegeben haben, nur Geld als Motivationsfaktor einfällt.

Meiner erste Tipp  dazu ist übrigens gratis: Sollten Sie einen Mitarbeiter haben, der sich für sehr wertvoll hält, der aber deswegen viel Geld verlangt und damit droht, Ihr Unternehmen zu verlassen, dann setzen Sie ihn am besten sofort auf die Straße. Dieser Tipp richtet sich ebenfalls an Aufsichtsräte, die über die Bonushöhe ihrer Vorstände entscheiden. Lassen Sie den CEO gehen. Wenn Sie denken, das ginge nicht, weil der Mann ja ein Star ist und einen blendenden Ruf hat, dann lesen sie diesen Artikel hier und lassen Sie ihn gar nicht mehr zurück an seinen Schreibtisch.

Meldungen dieser Tage über Bonuszahlungen

NYT: Obama Calls Wall Street Bonuses ‘Shameful’

Alphaville: Obama attacks ’shameful’ bonus binge

NYT: Obama, Dodd Slam Wall St. Bonuses

Zeit: MANAGERGEHÄLTER: Ein bisschen mehr Offenheit

FAZ: Trotz Finanzkrise Wall Street zahlt Milliarden-Prämien

HB: Der Bonustopf steht auf dem Prüfstand“

NYT: What Red Ink? Wall Street Paid Hefty Bonuses

FAZ: Amerikas Manager Das Ende der Exzesse

Tagesanzeiger: UBS lässt Details via Bern ausrichten

HB: Banken: Wie aus Verlierern Gewinner werden

WSJ: Merrill Bonus Case Widens as Deal Struggles

Egghat: Zahl des Tages (30.01.09): 18.400.000.000

The Street.com: BofA Deferring Bonuses: Report

GBC: Do Cognitive Skills Depend on Non-Cognitive Skills? And If So, What Does the Labour Market Reward?

WSJ: Q4 Losses and the $4 Billion Question: Thain and Lewis on the Hot Seat

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