Deutsche Bank: Kreditderivate können Highlight von Q1 werden

by Dirk Elsner on 5. Februar 2009

Deutsche Bank warnt vor schweren Zeiten titelt zwar das Handelblatt, was aber in dem Artikel und auch in den veröffentlichten Zahlen zu lesen ist, liest sich deutlich besser, als es die Überschrift erwarten lässt. Wer regelmäßig in diesem Blog schaut, der weiß, dass ich aktuell vor allem auf die Kreditderivate schaue, weil sich dahinter der vielgescholtene „Giftmüll“ der Banken verbirgt. Wie erwartet sind diese Kreditderivate (hier für eine Erläuterung) auch verantwortlich für das negative Ergebnis.

Dies bestätigte die Bank, die dazu schreibt, dass die die Nettoverluste in Höhe von 4,8 Mrd. € überwiegend im Handel mit Kreditprodukten angefallen sind.  Ergänzend schreibt die Bank dazu: „Das Geschäftsmodell der Bank in diesen Bereichen war im vierten Quartal extremen Marktvolatilitäten, Korrelationen und sich verändernden Relationen zwischen einzelnen Kategorien finanzieller Vermögenswerte ausgesetzt, verbunden mit extremer Illiquidität in einem außergewöhnlich schwierigen Marktumfeld.“

Etwas weiter heißt es detaillierter:

Das Ergebnis im vierten Quartal 2008 enthielt Verluste im Handel mit Kreditprodukten in Höhe von 3,4 Mrd €. Davon entfielen Verluste von 1,0 Mrd € auf das kreditbezogene Eigenhandelsgeschäft. Sie resultierten vorwiegend aus Long-Positionen im US-amerikanischen Automobilsektor, sinkenden Kursen von Unternehmens- und Wandelanleihen sowie einem Anstieg des Basisrisikos der Credit Default Swaps (CDS), die zu deren Absicherung eingegangen wurden. Die darüber hinaus gehenden Verluste im Handel mit Kreditprodukten betrafen mehrere Sektoren. In einem Umfeld, in dem viele Marktteilnehmer ihre Risikopositionen abbauen wollten und das von geringer Liquidität geprägt war, kam es zu massiven Verkäufen von Anleihen und einer deutlichen Ausweitung der Basisspreads.“

Interessant ist außerdem, dass von diesen Verlusten im Kreditderivatebereich durch Marktwertanpassungen 1,7 Mrd € Verlust entstanden ist, auf Bewertungsanpassungen für Monoline-Versicherer 1,1 Mrd €,  auf verbriefte Wohnungsbaukredite 244 Mio €, auf gewerbliche Immobilienkredite 214 Mio € und auf Wertminderungen von zur Veräußerung verfügbaren Positionen 58 Mio €.

Soweit die Bank hier von Marktwertanpassungen spricht meint sie ein Abwertung der Bestände nach dem Fair-Value-Prinzip, weil es sich hier offenbar um Handelspositionen handelt. Dass bedeutet, sie hat weiter hohe Positionen dieser „giftigen“ Aktiva in ihren Bilanzen, diese aber bereits erheblich abgeschrieben.

Wenn meine Vermutungen, die ich in verschiedenen Beiträgen in diesem Blog (zuletzt hier) dargestellt habe, richtig sind, dass die Marktbewertungen aus verschiedensten Gründen viel zu weit weg sind von einer „realistischen“ Bewertung, dann hat die Bank hier erhebliches Potential für die nächsten Monate, wenn sich der Kreditmarkt weiter beruhigt.

Allerdings hat Herr Dr. Ackermann es richtig gemacht und ausgerechnet darauf nicht hingewiesen, denn trotz der im Vergleich zum Dezember erfolgten Entspannung bei den Risikoprämien vieler Kreditderivate, können immer noch Entwicklungen eintreten, die solche positiven Erwartungen zerstören. Daher sollte man hier den Ball flach halten. Man bewegt sich hier auf dünnem spekulativen Eis.

Es sei aber darauf hingewiesen, dass es am Markt Käufer für die „giftigen“ Kreditderivate gegeben haben muss, denn die Bank schreibt: „In dieser Situation waren zahlreiche Marktteilnehmer, einschließlich Hedgefonds, gezwungen, große Bestände an Investment-Grade- und Hochzinsanleihen, Wandelanleihen, Default Swaps sowie an Vermögenswerten in Long-Short-Aktienhandelsstrategien zu liquidieren.“

Interessant wären Informationen darüber, wer hier eigentlich als Käufer aufgetreten ist und auf Basis welcher Informationen dieser seine Investmententscheidungen getroffen hat. Das ließe vielleicht auch Rückschlüsse darauf zu, wie giftig das Gift tatsächlich ist. Und wer weiß, vielleicht hat Herr Dr. Ackermann ja dies im Hinterkopf, wenn er sagt, „Aber es wird ein „Nach-der-Krise“ geben. Und dann wird auch das jetzt bisweilen verteufelte Investmentbanking in altem Glanz erstrahlen – so seine Prognose.“

Zu der Entwicklung des Eigenkapitals teilte das Institute übrigen mit:

„Die gemäß Basel II ausgewiesene Tier-1 Kapitalquote lag zum Ende des Berichtsquartals bei 10,1% gegenüber 10,3% zum Ende des dritten Quartals 2008 beziehungsweise 8,6% zum Ende des vierten Quartals 2007 (gemäß Basel I). Der Effekt des oben genannten Verlusts im Berichtsquartal auf die Tier-1 Kapitalquote konnte durch mehrere andere Faktoren nahezu ausgeglichen werden. Zu diesen Faktoren zählten die Auflösung der im ersten Halbjahr gebildeten Dividendenabgrenzung, die Umwandlung von Contingent Capital und ein Effekt aus der Änderung der Rechnungslegung für Pensionszusagen. Die Bank bestätigte erneut die Zielgröße für ihre Tier-1 Kapitalquote von rund 10%. Die Kernkapitalquote ohne Berücksichtigung hybrider Bestandteile betrug zum Ende des Berichtsquartals 7,0% im Vergleich zu 7,5% zum Ende des dritten Quartals 2008 und 6,9% zum Ende des vierten Quartals 2007.“

Berichte zu den Jahreszahlen der Deutschen Bank

Wirtschaftsquerschuss: „Weitere Nebelkerzen?“

FTD: Januar topp – aber was kommt danach?

HB: Deutsche-Bank warnt vor schweren Zeiten

Spon: Ackermann hofft auf Profit durch Konjunkturpakete

FAZ: Ackermanns Bank: Keine Enttäuschung, aber auch keine Euphorie

FTD: Die Krise im Wortlaut: Auf Talfahrt mit Josef Ackermann

HB: Ackermann glaubt ans Investmentbanking

Spon: WALL- STREET- BANKER- BLUES „Ich bin am Ende“

Reaktionen aus Blogs:

Stefan Jung: Zweckoptimismus bei der Deutschen Bank

Duckhome: Aufgelesen 101

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