Was hat Porsche den Scheichs aus Katar ins Benzin gemischt?

by Dirk Elsner on 13. Juli 2009

Am Wochenende bestimmte wieder einmal Porsche die Wirtschaftsschlagzeilen. Das Emirat Katar sei nach verschiedenen Medienmeldungen nun endlich bereit, Porsche mit sieben Milliarden Euro “zu helfen”. Die deutschen Qualitätsmedien sind sich dabei aber keineswegs darin einig, worin konkret die Unterstützung bestehen soll. Fest dagegen steht, dass es bislang keine Informationen über einen Abschluss mit einer Investmentgesellschaft aus Katar gibt.

Wenn Katar sich tatsächlich an Porsche beteiligen sollte, dann darf man fragen, was die Herren Wiedeking und Porsche den Scheichs aus dem Emirat Katar in den Treibstoff gemischt haben. Nach einem Bericht des Handelsblatts bietet Katar etwas sieben Milliarden Euro für 25% an der Porsche SE nebst einem Paket von VW-Aktienoptionen (lt. Focus für einen 24%-Anteil an VW) . Seltsam mutet an, dass ausgerechnet VW selbst ein verbesserte und damit preistreibendes Angebot für die Porsche AG vorgelegt haben soll. Wird hier das Emirat in den Treibsand des Familienzwists gezogen?

Der Tagesspiegel schrieb von einem großzügigen Angebot aus dem Golfstaat, mit dem Porsche viele Probleme lösen könnte. Hier unterschätzt man die Emirate, die nicht an Aladins Wunderlampe für die deutsche Wirtschaft reiben werden, zumal es in der Region auch viele eigene Probleme gibt.  Für 25% Anteil an der Porsche SE erhält man nämlich 25% an der Porsche AG (Marktwert auf Basis des VW-Gebots etwa 8 Mrd. €) sowie etwa 50% an VW (Marktwert etwa 63 Mrd. €, errechnet aus 295 Mio. Aktien und Preis pro Stammaktie mit einem aktuellen Preis von 213 € je Aktie). Der Wert dieses Pakets beträgt damit etwa 10 Mrd. €. 7 Mrd. € wären also selbst dann ein gutes Geschäft für das Emirat, wenn man annimmt, dass der Preis der VW-Aktie weiterhin aufgeblasen ist.

Da das Emirat auch sonst sehr klug investiert,  gehe ich davon aus, dass es von einer Fusion zwischen VW und Porsche die Finger zu lässt. Eine solche  Fusion ist betriebswirtschaftlicher Unsinn und birgt darüber hinaus erheblichen ordnungspolitischen Zündstoff. Möglich aber, dass in Katar Pläne geschmiedet werden, die selbst “Fachleute” wie Herr Dudenhöfer nicht einmal erahnen können.

Sicher sein darf man dagegen, dass die Öffentlichkeit zum Statisten dieser Inszenierung gemacht wird, denn 7 Mrd. € Kaufpreis wären unabhängig vom Wert der VW-Optionen äußerst erstaunlich für das Paket. Man muss daher angesichts der oben genannten Daten fragen, wofür eigentlich welches Geld bezahlt werden soll. Sind es vielleicht doch nur Anteile an der Porsche AG? (dann wäre 7 Mrd. € allerdings zu viel) oder wird gar nur ein Darlehen gewährt gegen Abtretung von Anteilen?

Für eine öffentliche Inszenierung spricht, dass es bisher nicht zu einem Vertragsabschluss zwischen Porsche und Katar gekommen ist. Laut Medienberichten verlangt das Emirat nämlich eine Beendigung des Streits zwischen Porsche und VW. Und angesichts der Bedeutung dieses Geschäfts sprechen die gestreuten Indiskretionen eher gegen einen Einstieg Katars. Schauen wir mal, was die Sommerssoap der Alphatiere in den nächsten Folgen an Überraschungen bringt. Die Veröffentlichung hat jedenfalls schon einmal den nötigen Treibstoff für den Aktienkurs von Porsche gebracht.

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