Überzogene Erwartungen in Deutschland an Bonibegrenzungen

by Dirk Elsner on 23. September 2009

Spätestens seit dem Kanzlerduell am vorvergangenen Sonntag wissen wir, dass die Lösung aller Probleme in der Bonusfrage liegt. Begrenzt die Boni und schon sind die Probleme im Finanzsektor gelöst. Die Niveau, auf dem hier Lösungen gefordert werden, ist erschreckend.

Ich werde hier sicher kein Plädoyer für unbegrenzte Boni abhalten. Im Gegenteil: Ich sehe die hohen Bonusbeträge ebenfalls kritisch und bin der Auffassung, dass zwei- oder gar dreistellige Millionenbeträge weder in der Sache noch in den Leistungen der Personen gerechtfertigt sind.

Aus dieser Ablehnung folgt aber nicht, dass ich eine gesetzliche Regelung befürworte, die Gehälter in welcher Form auch immer reglementiert (Ausnahme, wenn der Steuerzahler für eine schlechte Unternehmensperformance haften soll). Es ist ohnehin nicht einmal klar, welchen Anteil die Empfänger exorbitanter Bonuszahlungen an den vielfältigen Ursachen der Finanzkrise hatten (siehe hier zu den fundamentalen Ursachen und hier zum Mindset). Meines Erachtens dürfte eine Kausalität schwer nachweisbar sein. Und ohnehin überschätzt eine wie auch immer gestaltete Begrenzung der Vorstandsgehälter den Einfluss eines CEO auf die Performance seines Unternehmens. Es gibt Untersuchungen, die erklären Unternehmensergebnisse zu 15% durch die Leistungen des CEO.

Mehr Erfolg verspricht da der Weg, den die US Notenbank gehen will. Laut einem Artikel im „Wall Street Journal“ (kostenpflichtiger Artikel) will die Fed keine konkreten Gehaltsgrenzen vorschreiben, sondern ihren Bankkontrolleuren mehr Einfluss in punkto Vergütung einzuräumen. Weiter dazu breakingviews.com:

„Dazu zählt die Befugnis, Gehaltspakete abzulehnen, die ihrer Meinung nach das Eingehen zu großer Risiken fördern würden. Es wäre nicht logisch oder gar ratsam, wenn die Branchenwächter Dollar-Grenzen bei der Vergütung ziehen würden. Aber sich dafür zu interessieren, wie umfangreiche Zahlungen strukturiert sind, ist sinnvoll.“

Zur Frage der staatlichen Regulierung von Boni und Gehältern haben sich weiterhin Ökonomen gegenüber dem Handelsblatt geäußert:

“Harsche Kritik äußerte auch der Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther. „Die Politik läuft Gefahr, das Thema zu verfehlen sowie den Menschen billige wie ebenso unbedeutende Lösungen anzubieten“, sagte er Handelsblatt.com. Bezogen auf die anstehenden Arbeiten zur Renovierung der globalen Finanzmarktordnung sei die Frage der Managergehälter nachrangig. „Ordnungspolitisch ist die staatliche Begrenzung von Gehältern oder einzelnen Gehaltsbestandteilen nicht zu begründen.“

Gustav Horn, Chef des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung in der Hans-Böckler-Stiftung, erklärte, im Grunde gehe es darum, „die Monopolmacht einer relativ kleinen Gruppe von Finanzmarktspezialisten zu brechen, die sie dazu nutzen, teilweise exorbitante Gehaltszahlungen zu fordern und auch zu erhalten“. Wenn die Komplexität der Produkte eine solche Machtfülle für Wenige hervorbringe, dass diese im Versagensfall die Weltwirtschaft gefährden, dann seien die Produkte selbst auch zu gefährlich und sollten verboten werden, forderte er. „Dann würde auch die Machtbasis der Spezialisten und mit ihr deren exorbitante Gehälter verschwinden“, ist sich der Ökonom sicher. Daher sei nun die entscheidende Frage, ob die Wirtschaftpolitik beiderseits des Atlantiks zu einem solch radikalen Schritt bereit sei. „Ich zweifle daran“, sagte Horn nüchtern.”

Und auch Conrad Mattern liefert in der Zeit plausible Argumente, die zeigen, dass in der Bonitdebatte die falschen Schwerpunkte gesetzt werden.

“In Wahrheit aber ist es naiv zu glauben, die Gehaltsexzesse könnten so begrenzt werden. Bereits vor Wochen verordnete die Politik jenen Banken, denen sie mit Staatshilfen beisprang, einen Stopp der Bonuszahlungen. Die Institute taten wie befohlen – und erhöhten stattdessen das Grundgehalt ihrer Mitarbeiter.

Am Ende standen die Banker sogar besser da als vorher. Denn durch das höhere Grundgehalt erwerben sie mehr Rentenansprüche und können höhere Abfindungen kassieren, wenn sie das Unternehmen verlassen. Die Politik hatte das Gegenteil dessen erreicht, was sie bezwecken wollte.

Ohnehin zielt die Boni-Debatte am eigentlichen Problem vorbei. Es mag zwar richtig sein, dass die Gier viele Banker antrieb. Viel wichtiger aber war, dass es kein System gab, dass verhinderte, dass die Banker unkalkulierbare Risiken eingingen.”

Noch einmal, damit ich nicht missverstanden werde. Ich bin kein Freund dieser Fantasiebonuszahlungen und habe dies schon in zahlreichen Beiträgen in diesem Blog zum Ausdruck gebracht. Weitere Argumente liefern die Bücher Narren des Zufalls (von Nassim N. Taleb) und Der Halo-Effekt (von Phil Rosenzweig). Beide Autoren machen in ihren übrigens sehr lesenswerten Büchern deutlich, dass die Einzelleistungen der meisten Top-Manager solche hohen Beträge nicht rechtfertigen, weil die erbrachte Performance von vielen Faktoren u. a. vom Zufall abhängig ist und die Leistungslegende von einer guten PR befördert wird. Im Klartext bedeutet dies, in der Mehrzahl der Fälle könnten auch andere Manager (sie sagen nicht von jedem) mindestens die gleichen Leistungen erbringen, z.B. von Personen, die weniger bekannt sind, dafür aber inhaltlich ihr Handwerk beherrschen.

Das Interesse an einer Bonibegrenzung und alternativer Anreizsysteme muss weiter von den Eigentümern der Unternehmen kommen (siehe dazu Bonus im Fokus: Die ewige Debatte bisher ohne Fragen an Aufsichtsräte und Eigentümer).

Die Regulatoren sollten sich für die Struktur der Vergütungspakete interessieren und dafür sorgen, dass diese transparent werden. Die Normensetzer selbst müssen sich insbesondere beim G-20-Gipfel dringend auf andere Baustellen konzentrieren und sollten unbedingt einen Streit über das Thema Bonuszahlungen vermeiden.

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