Deutsche Bank zum Vertrauensverlust der Banken

by Dirk Elsner on 11. Januar 2010

Eine Antwort auf die Frage, warum die Banken selbst so wenig dazu beitragen, das Vertrauen in die Branche wiederherzustellen und dies hauptsächlich dem Staat und den Medien überlassen, hat Jan Schildbach von der Deutschen Bank Research gegeben im Bericht: Globale Bankentrends nach der Krise (pdf, 28 Seiten)

Im Fazit schreibt Schildbach u.a.:

“Daneben sollte eine weitere, eher unterschwellige Konsequenz der Krise nicht unterschätzt werden: der enorme Vertrauens- und Reputationsverlust, den die Banken erlitten haben. Dieser dürfte kurzfristig keine allzu schmerzlichen Folgen haben, da die Nachfrage nach Finanzdienstleistungen relativ unelastisch ist.”

Die Elastizität ist in der Ökonomie ein Maß, das die relative Änderung einer abhängigen Variablen auf eine relative Änderung einer ihrer unabhängigen Variablen angibt. Von einem unelastischen Produkt spricht man, wenn sich trotz Leistungs- oder Preisänderungen die Nachfragemenge nicht verändert. Angewendet auf die Aussagen von Schildbach bedeutet dies im Klartext, dass Banken auf viele Forderungen aus Politik und Öffentlichkeit nicht reagieren, weil die Kunden keine Alternativen zu den Finanzinstituten haben.

Dam bestätigt Schildbach eine These des Blick Logs. In Bezug auf Bankdienstleistungen hatte ich im Sommer vergangenen Jahres zur Veränderungsbereitschaft und dem Nachfrageverhalten geschrieben:

“Die Behäbigkeit im Veränderungswillen der Banken hat ihre Ursachen in den umfangreichen Regulierungs- und IT-Organisationsanforderungen und übrigens auch im Verhalten der Kunden. Durch den kollektiven Vertrauensverlust stellt sich aktuell kaum eine Bank schlechter, weil Kunden bisher kaum Alternativen haben. Vielleicht ist das Verhältnis zwischen Banken und Kunden vergleichbar mit einer angeschlagenen Ehe. Es wird auch nicht jede zerrüttete Ehe sofort geschieden. Man hat sich auf bestimmte Art und Weise bequem eingerichtet in seinem Leben und mit seiner “ungeliebten” Bank. Da wechselt man nicht sofort wegen eines Ausraster und ein paar Marotten den Partner.

Dieses Trägheit gepaart mit einer Mentalität, die alles billig will und möglichst hohe Rendite bei geringem Risiko, macht es den Banken einfacher, nicht zu reagieren. Allerdings bietet das auch Chancen für etablierte Institute, die jetzt  aktiv werden mit neuen Produkten, Prozessen und transparenterer Konditionenpolitik”.

Schildbach weist übrigens richtig auf die Konsequenzen der vielkritisierten Trägheit der Banken hin:

“Auf längere Sicht jedoch könnten die Banken erhebliche negative Auswirkungen zu spüren bekommen. Politische wie regulatorische Entscheider dürften ihren Argumenten und Interessen zum Beispiel öfter mit Ablehnung begegnen, ebenso wie es den Banken schwerer fallen könnte, angesichts geringerer materieller Anreize und eines gesunkenen Ansehens von Tätigkeiten im Finanzsektor die besten Nachwuchskräfte an sich zu binden. Eine der größten  Herausforderungen für die Banken – neben der Anpassung an ein beträchtlich verändertes Geschäftsumfeld – wird es daher sein, ihre beschädigte Reputation möglichst schnell wiederherzustellen und das Vertrauen der Kunden, Entscheidungsträger und der Öffentlichkeit insgesamt zurückzugewinnen.”

Was Schildbach aber nicht erwähnt, dass sich ein etabliertes Institut jetzt erhebliche Vorteile verschaffen kann, wenn es die Trägheit als erste Bank überwindet.

Nachtrag

Lothar Lochmaier hat sich in einem Beitrag ebenfalls mit der oben zitierte Studie befasst und kommentiert diese unter dem Social Media Aspekt:

„Wer sich die 28 Seiten aufmerksam durchliest – wird feststellen, dass die Verantwortlichen selbst wissen, welch schwierige Zeiten auf sie zukommen. Welch kreative Rolle soziale Medien in diesem Prozess spielen, darüber fällt übrigens kein einziges Wort.

Umso mehr verwundert diese Aussage hier, die auch ein Ausdruck der Hilflosigkeit gegen „Social Media“ darstellt, gegenüber der geballten Macht der Bankkunden, die sich womöglich künftig anderer Kommunikationskanäle und Organisationsformen bedienen, als die ausschließlich von oben hierarchisch gesteuerten.

Und hier schließt sich wenig elegant der Kreis zwischen dem was Social Media im konventionellen Bankenumfeld darstellt, und dem, was es sein könnte. Wer nicht loslassen kann, und sich für neues öffnet, wird auch das Vertrauen der Kunden nicht wirklich zurück gewinnen. Die Abwanderung der Kunden wird sich indes schleichend vollziehen, ähnlich wie bei der SPD, als sie in Widerspruch zu ihrem eigenen Parteiprogramm geriet. Da bleibt den Oberen der Deutschen Bank tatsächlich wie oben angedeutet nur noch, die politischen Entscheidungsträger für ihre Zwecke zu gewinnen. Wie wäre es stattdessen mit dem Versuch, soziale Medien als offenes Dialoginstrument einzusetzen? Darüber fällt in dem Forschungsreport von DB Research kein Wort.“


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