Fortsetzung der Praxisserie für den Mittelstand: Management in rauen Zeiten

by Dirk Elsner on 21. Januar 2010

Die Zeit der Besinnlichkeit liegt nun fast vier Wochen zurück. In den Unternehmen bereitet man die Jahresabschlüsse vor und versucht einen Blick auf die Geschäftsentwicklung der nächsten Monate zu bekommen. Nicht alle Unternehmen freuen sich auf die Daten, weil sich nach den Bilanzen die Risikoeinstufungen der Kapitalgeber richten. Noch ist ungewiss, ob etwa die Banken auf verschlechterte Daten mit einer weiteren Verschärfung der Kreditvergabepraxis reagieren. Dabei steigt gerade in diesem Jahr der Finanzbedarf, weil mit dem „drohenden“ Aufschwung zusätzliche Investitionen, Leistungen und Waren zu finanzieren sind.

In der im April und Mai vergangenen Jahres veröffentlichten Artikelreihe dieses Blogs zum “Management in rauen Zeiten”, die sie sich vor allem an mittelständische Unternehmen richtet, wurde das Thema Liquiditäts-, Kostenmanagement und Kapitalbeschaffung in einem Beitrag zwar behandelt, viele Nachfragen und Gespräche in der Beratungspraxis haben mich aber dazu gebracht, diesen Themenkomplex auszubauen und in einigen ergänzenden Beiträgen zu vertiefen. Auch diese in den letzten Monaten quasi nebenbei und häufig im Zug und Hotels gewachsene Reihe beruht auf eigenen praktischen Erfahrungen in der Steuerung und Begleitung von Unternehmen in kritischen Situationen[1] und berücksichtigt daneben eine Reihe aktueller Beiträge aus der Tages- und Fachpresse.

Um einen praktischen Mehrwert zu erreichen, beschränken sich die einzelnen Beiträge auf ausgewählte Aspekte. Der Mehrwert ergibt sich vor allem im Zusammenspiel mit den entsprechenden Mindmaps, die bereits komplett online sind und über diese Startmap erreicht werden können. Diese zeigen verschiedenste praktische Handlungsoptionen auf und erleichtern die Orientierung für mittelständische Unternehmer und deren kaufmännische Leiter.

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Übersicht Krisenmanagement (umfangreichere Version durck Klick auf Mindmap abrufbar)

Über die Kommentarfunktion können (auch anonym) gern Fragen, ergänzende Hinweise, Kommentare und natürlich auch Errata gepostet werden. In dringenden Fällen können Sie mich gern anrufen (Daten im Impressum des Blogs)[2].

Vorgesehen sind folgende Beiträge für die nächsten Wochen. Diese Artikel sind wie erwähnt eingebettet in die Beitrags- und Mindmapserie „Management in rauen Zeiten“ (Überblick auf dieser Seite):

  • Finanz- und Liquiditätsplanung (erschienen am 21.1.2010)
  • Liquiditätsrisiko und -simulation (geplant für 25.1.2010)
  • Maßnahmen zum Working Capital Management (geplant für 1.2. 2010)
  • Ausgewählte Maßnahmen zur Deckung des Kapitalbedarf (geplant für Q1 2010)
  • Umgang mit Kapitalgebern (geplant für Q1 2010)
  • Exkurs: Die Lücke im Beteiligungsmarkt (geplant für Q1 2010)
  • Strategische Entscheidung (Teil-)Verkauf (geplant für Q1 2010)
  • Kostenmanagement (geplant für Q2 2010)
  • Exkurs: Wie Tunnelblicke und taktisches Verhalten Geld und Liquidität kosten (geplant für Q2 2010)

Auf ein Wort zur Orientierungshilfe von Fachbeiträgen für die Unternehmenspraxis

Gerade die Lektüre vieler sehr sachkundiger Fachbeiträge vermittelt den Eindruck, in zwei, drei Schritten ließen sich Unternehmen wieder auf Vordermann und etwa die Liquidität ins Lot bringen. Erfahrene Praktiker wissen, dass dies ein Trugschluss ist, zumal Fachbeiträge gar nicht auf die konkrete Unternehmenssituation eingehen, sondern nur allgemeine Hinweise geben können. Wie eine Landkarte, die die Erreichung eines Reiseziels unterstützt, müssen Fachartikel die tatsächliche Verkehrslage und individuelle Hindernisse ausblenden. Diese zeigen sich meist erst beim Befahren einer Strecke.

Daneben setzen viele Fachbeiträge häufig einseitige Schwerpunkte, die im Zweifel sogar in die falsche Richtung führen können. Ein Beitrag verspricht die Unternehmenssicherung durch optimiertes Working Capital Management, der nächste meint, im Einkauf liege die Lösung, der Marketingexperte setzt voll auf den Vertrieb und der Organisationsexperte auf Six-Sigma, um Qualität und Kosten in den Griff zu bekommen.

In der komplexen Welt der Unternehmenspraxis gibt es aber keine schnellen Lösungen mit eindeutigen Antworten auf die Frage: Was macht Unternehmen erfolgreich oder wie sichere ich die Existenz eines Unternehmens? Eine starke Unternehmenskultur, eine “visionäre Führung”, Kunden- oder Mitarbeiterorientierung, hartes Kosten- und Qualitätsmanagement können, müssen aber nicht der Schlüssel zum Erfolg sein[3].

Fachbeiträge können eine Hilfestellung für die Orientierung liefern. Sie ersetzen nicht den eigenen Orientierungssinn für die spezifische Unternehmenssituation. Das bedeutet im Klartext, das Management eines Unternehmens muss stets in Abhängigkeit von der individuellen Situation und den Zukunftserwartungen seine eigene Strategie und entsprechende operative Maßnahmen entwickeln. Es muss dabei die Balance finden zwischen notwendiger schneller Reaktion und sinnvollen zukunftsorientierten Maßnahmen und darf sich dabei dennoch nicht zu sehr mit sich selbst beschäftigen.

Verkaufstaktisch müsste ich abschließend darauf hinweisen, dass die Leser mit der Lektüre dieser Serie alles erfahren, was sie für das praktische Krisenmanagement in mittelständischen Unternehmen benötigen. Neuroökonomische Forschungen haben nämlich gezeigt, dass das Hirn durch besonders positive Erwartungen Dopamin freisetzt und dies positiv stimulierend wirkt. In der Praxis zeigen sich indes bei der Umsetzung vieler „Erfolgsrezepte“ meist unerwartete Hindernisse, die den Dopaminkater dann umso größer werden lassen. Daher ist fast überflüssig darauf hinzuweisen, dass, Strategien und Maßnahmen stets auf die aktuelle Unternehmenssituation abzustimmen sind. Im Zweifel hilft eine Coaching oder manchmal auch die Unterstützung durch eine Unternehmensberatung[1].

Und dennoch, steuern müssen Unternehmer und Führungskräfte stets selbst.


[1] Der Autor, Dirk Elsner, lebt in Bielefeld und ist Senior Berater der INNOVECS GmbH und berät und unterstützt Unternehmen deutschlandweit. Er hat als Bereichsleiter in Banken und als Geschäftsführer in mittelständischen Unternehmen gearbeitet und kennt die Praxis kritischer Unternehmenssituationen sowie die Anforderungen von Banken und Investoren aus erster Hand. Sie erreichen ihn unter dirk.elsner[at]innovecs.de. Für mittelständische Unternehmen liegen die Schwerpunkte der Unternehmensberatung INNOVECS GmbH in der betriebswirtschaftlichen Analyse, Planung und Optimierung sowie in der Strategieentwicklung, der Unternehmenssicherung und im Krisenmanagement (mehr dazu hier).

[2] Bei einem Anruf werde ich mich um einen schnellstmöglichen Rückruf bemühen. Ihre Angaben werden selbstverständlich vertraulich behandelt und nicht für Akquisitionszwecke verwendet, wenn dies nicht gewünscht ist.

[3] Kritisch hat sich der Blick Log mit Managementmoden-, -theorien und –philosophien in dem Beitrag Managementmoden, Halo-Effekte und Seifenblasen der Management-Ratgeber befasst.

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