Böse Spekulanten? Wer sind die eigentlich „die Märkte“?

by Dirk Elsner on 12. Mai 2010

Hinweis: Ein deutlich erweiteres Update dieses Beitrags gibt es hier unter dem Titel: „Update: Und wer sind nun eigentlich “die Märkte”?

Die Finanzmärkte sollten gezähmt, die Spekulation (was Spekulation ausmacht, erklärt Valuation in Germany hier sehr gut) eingedämmt und die „Zockerei“ beendet werden. Regierungen sind empört über den Spekulation gegen einzelne Länder und verschärfen den Kampf gegen Spekulanten. Die Märkte, so eine gängige Behauptung, ignorieren die Anstrengungen der Politik  oder die „Finanzmärkte“ hätten sich gegen den Euro verschworen. Solche oder ähnliche Aussagen hört und liest man täglich. Unklar bleibt aber, wer eigentlich mit den “Märkten” gemeint ist.

Das Handelsblatt stellt diese Frage ebenfalls und schrieb (paid content):

Wer nach dem Gesicht des Spekulanten sucht, den die Politik ins Visier nimmt, wird nicht so schnell fündig, wie es die deutlichen Worte vermuten ließen. Als bekanntester Devisenmarkt-Spekulant ist der Hedge-Fonds-Manager George Soros in die Geschichte eingegangen. … In der aktuellen Euro-Krise haben andere Spekulanten die Rolle von Soros übernommen. Hierzu zählt zum Beispiel John Taylor, Gründer des weltweit größten Devisen-Hedge-Fonds FX Concepts LLC mit Sitz in New York City, der derzeit ein Vermögen von rund neun Mrd. Dollar verwaltet. Taylor ist seit geraumer Zeit Dollar-Fan und überzeugt, dass der Euro bis August dieses Jahres auf 1,20 Dollar fallen wird. Entsprechend positioniert er sein Vermögen und verstärkt damit den Trend. Gehört er damit zu denen, die die Politik aufs Korn nimmt?

Tatsächlich ist also die Frage, wer etwa „gegen“ Griechenland oder den Euro spekuliert gar nicht so einfach zu beantworten. Griechische Anleihen fallen im Preis (vice versa steigt der Zins), wenn die Nachfrage nach diesen Papieren zurück geht. Ist es Spekulation, wenn ein Lebensversicher, der das Geld seiner Kunden ja irgendwie anlegen muss, nicht in griechische Anleihen investiert, sondern in aus seiner Sicht sicherere Produkte in anderen Währungen? Wohl kaum. Aber gerade auch diese Zurückhaltung bestimmter Investoren kann ebenfalls einen Preisdruck erzeugen.

Natürlich kann der Druck auf Währungen und Anleihen auch durch bestimmte Handelsstrategien erzeugt werden. Michael Maisch nennt in einem Artikel Hedge-Fonds (paid content), die sich angeblich gegen den Euro positioniert haben könnten:

„Allen voran John Paulson, der US-Hedge-Fonds-Manager, der mit Wetten auf einen Kollaps des US-Immobilienmarkts Milliarden verdiente und zuletzt im Zusammenhang mit Betrugsvorwürfen gegen die Investmentbank Goldman Sachs wieder in die Schlagzeilen geriet. … Ebenfalls mit am Tisch: SAC Capital, Greenlight Capital und Brigade Capital. Auch George Soros, der Altmeister der Hedge-Fonds-Branche, hat sich gegen den Euro positioniert. Zu den üblichen Verdächtigen zählt außerdem Brevan Howard, einer der größten europäischen Hedge-Fonds.“

Es ist aber ein Vorurteil, dass Hedge Fonds, über die allerlei Legenden im Umlauf sind, nur ultraspekulativ orientiert sind und nur eigenes Geld investieren. Hedge Fonds sammeln wie andere Fonds Kapital von verschiedenen Marktteilnehmern ein, wie etwa von Banken, Versicherungen, Investmentfonds, Pensionskassen oder Privatpersonen. Dabei verfolgen sie jeweils bestimmte Strategien, an die sich in der Regel halten. Und natürlich gibt es unter diesen Strategien einige hoch spekulative Ansätze.

Neben den Hedgefonds gibt es viele weitere Marktteilnehmer, wie Banken, Investmentfonds, Versicherer, große Staatsfonds, Unternehmen der Realwirtschaft und natürlich auch Privatpersonen, die entweder an Kursschwankungen verdienen wollen oder Finanzinstrumente für ihr Geschäft einsetzen (müssen).

Zu den Märkten gehören ebenfalls Unternehmen, die an der Börse Aktien oder Anleihen für die eigene Finanzierung platzieren.

Die Motive sind übrigens einer Transaktion an den Märkten gar nicht ansehbar. Wenn ein Importeur auf Termin Rohöl über eine Terminbörse kauft und zur Währungsabsicherung Euro auf Termin gegen Dollar verkauft, dann würde man das nach landläufiger Meinung nicht als Spekulation ansehen. Was ist aber, wenn er die doppelte Menge kauft, die er physisch benötigt? Wäre das dann Spekulation, die man freilich der Transaktion nicht ansehen kann?

Daneben sind zahlreiche öffentliche Institutionen an den Finanzmärkten aktiv , wie etwa die Finanzagentur des Bundes, die Zentralbanken oder supranationale Institutionen, wie der IWF.

Und letztlich gehört auch Oma Stopkas Sparbuch oder Heinz Heimwerkes Festgeldkonto ebenso zu den Marktaktivitäten, wie die Aktivitäten von BWL-Stundenten in Optionsscheinen oder Zertifikaten.

Vor einigen Wochen veröffentlichte der Blick Log außerdem eine Präsentation, die Zero Hedge zur Verfügung stellte, mit den 15 wichtigen institutionellen Investoren, deren Verhalten ebenfalls auf die Märkte beeinflusst:

MS 15 Investors That Matter

Hinter diesen Investoren stecken oft weitere Anleger, die diesen institutionellen Investoren ihre Gelder zur Vermögensverwaltung überlassen. Das können etwa Pensionskassen, Unternehmen, Investmentfonds oder Versicherungen sein. Hinter ihnen wiederum stecken meist private Ersparnisse oder Versicherungsanlagen, etwa aus einer privaten Lebensversicherung, für die die Versicherungsnehmer ja auch eine Verzinsung erwarten.

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