Sparkassen zeigen hohes Interesse an Social Media und Anwendungen für Next Banking

by Dirk Elsner on 14. Oktober 2011

Mitte dieser Woche hatte ich die Ehre auf einer Fachveranstaltung über Neuerungen in der IT der Deutschen Sparkassenakademie über “Social Media – Banking 2.0: Was kommt auf Sparkassen zu?” zu referieren. Für mich war das wirklich etwas Besonderes, weil ich meine berufliche Laufbahn einst bei der Sparkasse in Bremen begonnen habe und nun erstmalig von einer Sparkassenorganisation wieder eingeladen war.

Die Veranstaltung war auch deswegen interessant, weil ich durch die Rückmeldungen und Rückfragen gelernt habe, wie hoch das Interesse mittlerweile im Finanzbereich an den Themen rund um das Next Banking geworden ist, jedoch noch immer nachvollziehbare Unsicherheit besteht, wie sich dies auf die klassischen Geschäftsfelder auswirken könnte. Das Interesse beschränkt sich dabei längst nicht mehr auf die reine werbliche Nutzung von Facebook, Twitter und Co. (hier holen die Banken und insbesondere die Sparkassen, so mein Eindruck, jetzt auf).

Nein, großes Interesse besteht darin, Social Media für die Kundenbindung wirklich strategisch einzusetzen und diese Instrumente gerade nicht nur dem Marketing und der PR zu überlassen. Über das Wie herrscht dabei aber freilich noch Unklarheit. Einig waren wir uns, dass man nicht zwingend was in Facebook & Co. machen muss, um lediglich dabei zu sein. Dies kann auch schnell negative Effekte haben.

Ich glaube, die Multimediaagenturen, das hat die Veranstaltung gezeigt, haben hier noch erheblichen Lernbedarf im Umgang mit den Bedürfnissen von Banken, von denen lt. einer Umfrage unter Studenten auch nicht alle erwarten, dass sie in Facebook und Co. dabei sein müssten.  Mirko Lange drückte das in einem Beitrag auf Google+ aus, den ich auf der Veranstaltung vortrug:

“Corporate Social Media löst aktuell (nur) Probleme, welche die meisten Unternehmen noch gar nicht als (dringende) Probleme erkannt haben. Dagegen hat sich noch nicht erwiesen, dass Social Media Probleme wirksam löst, welche die Unternehmen aktuell haben, allem voran Marketingziele wie "Aufmerksamkeit" und "Absatzsteigerung".

Und Next Banking beschränkt sich ja keineswegs nur auf Social Media, sondern auch auf weitere Leistungen, von denen viele rein gar nichts mit Social Media zu tun haben (siehe dazu auch “Aus Banking 2.0 wird New Banking”). Noch mehr Interesse bestand daher daran, wie man Bankdienstleistungen tatsächlich weiter entwickeln kann. Hier zeigte ich in einer erweiterten Präsentation der IBM-Roadshow, wie weit mittlerweile viele Neugründungen in banknahe Geschäftsfelder eingedrungen sind bzw. direkt Bankdienstleistungen im Zahlungsverkehr, Kreditgeschäft und Anlagebereich anbieten. Das Auditorium jedenfalls, so war meine Wahrnehmung, sieht hier schon Handlungsdruck auf Sparkassen und Banken zukommen. Die Zeit des Ignorierens scheint damit langsam vorbei zu sein.

Natürlich haben wir auch über die mir sehr gut bekannten Restriktionen im Finanzbereich gesprochen, die einer schnellen Implementierung von Next-Banking-Leistungen oft entgegenstehen. Das sind insbesondere Sicherheits-, Datenschutz und Complianceaspekte und diverse weitere regulatorische Themen, die oft von den Newcomern aber auch von Beratern aus der Social Media Szene unterschätzt werden (das negative Beispiel für falsch eingeschätzte Regulierungsthemen war im vergangenen Jahr die von der BaFin geschlossene Noa bank). Neben den vorgenannten Themen spielen im Finanzbereich aber auch Hindernisse eine Rolle, die sich durch die extrem komplexen IT-Landkarten ergeben und schnelle Reaktionen nahezu unmöglich machen. Hier haben die Newcomer, die sich auf wenig Produkte beschränken, klare Vorteile.

Banken und Sparkassen können aber ohnehin nicht das Next Banking in allen Facetten noch einmal selbst erfinden oder aus den oben genannten Gründen einfach nur kopieren. Chancen für Banken und Sparkassen könnten etwa darin liegen, mit einigen der neuen Mitspieler Formen der Zusammenarbeit zu prüfen. Aus meinen Kontakten zur Next-Banking-Szene weiß ich, dass es solche Überlegungen durchaus gibt und so mancher Banker wäre überrascht, wie professionell die Szene mittlerweile aufgestellt ist.

Ich habe aus der Veranstaltung mit genommen, dass sich Sparkassen intensiv auch mit mobilen Anwendungen etwa für Smartphones und Tablets befassen. Dabei stehen zwar aktuell erst einmal traditionelle Anwendungen im Vordergrund, die die Arbeitsabläufe für Berater und Marktfolgebereiche erleichtern, jedoch wird die neuen Tools, so die Hoffnung der Teilnehmer, künftig auch für Anwendungen genutzt, die den Nutzen für Kunden erhöhen.

Mich hat jedenfalls die Veranstaltung motiviert für einen Folgebeitrag (oder mehrere Beiträge) noch einmal Handlungsempfehlungen für Banken im Umgang mit Social Media und vor allem der Strategieentwicklung im New Banking darzustellen. Wer es nicht abwarten kann, dem empfehle ich die folgenden Beiträge, in denen Florian Semle und ich uns mit der Nutzung von Social Media in der Finanzbranche und auch mit der Weiterentwicklung von Dienstleistungen intensiv befasst haben:

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