Groupons institutionelle Investoren wollen keine Muppets sein (+ ex-post Berechnung des Muppet-Faktor)

by Dirk Elsner on 5. April 2012

Egghat hatte es letzte Woche schon geschrieben: Groupons Buchführung ist ein Desaster. Genau Groupon (US-Börsenkürzel GRPN) ist die noch im November für den Börsengang gefeierte Netzbude, die vor allem mit Rabattkupons viel Geld verdienen wollte und vor allem eines geschafft hat, die Gründer reich und die Anleger arm zu machen. Ich will hier nicht erneut den Zahlensalat und die damaligen Warnungen aufgreifen. Die sind alle gut in dem oben verlinkten Artikel in der “Wunderbaren Welt der Wirtschaft” zusammen gefasst.

Klar ist, was jetzt passiert. Nachdem Groupon die Bilanzprobleme eingestanden hat nimmt nun die US-Börsenaufsicht SEC Groupon Daten unter die Lupe. Und parallel setzt ein Prozess ein, der dazu führen könnte, dass Groupon gar nicht mehr richtig auf die Beine kommt, weil er den Abwärtstrend verstärkt. Business Insider schrieb bereits, dass die Haie über Groupon kreisen. Mit Haien sind die institutionellen Investoren gemeint, die für ihre Anleger viele Geld in Groupon gesteckt haben und nun selbst unter Druck geraten.

Institutionelle Investoren halten sich bekanntlich für sehr schlaue Leute und glauben sie sind vor jeder Muppetisierung geschützt. Wenn sie aber jemand zu Muppets macht, dann werden sie richtig böse und schlagen zurück. Sie wollen jemanden verantwortlich machen für ihre Fehlentscheidungen, die sie vermieden hätten, wenn sie etwa die Warnungen von Egghat oder mir gelesen hätten.

Das Dealbook der New York Times hatte gerade erst berechnet, dass Investoren, die am ersten Tag am offenen Markt für 10 Mio. US$ Aktien von Groupon gekauft haben, diese jetzt nur noch für 4,1 Mio US$ verkaufen könnten. Da lohnt es sich schon, große Geschütze gegen die Gesellschaft und das Management aufzufahren, um von eigenen Fehlern abzulenken.

So wollen nun diverse große US-Anwaltskanzleien gegen Groupon klagen, weil sie dem Unternehmen falsche oder irreführende Angaben zur Geschäftsentwicklung vorwerfen. Die erste Klage ist bereits auf dem Weg:

Groupon Class Action Take 1

Aus der Klageschrift wird deutlich, dass nicht nur Groupon selbst, sondern auch das Management und begleitende Banken auf Schadensersatz in Anspruch genommen werden sollen.

Was das bringen soll, weiß ich nicht. Denn wenn Groupon Investoren den durch die Kursverluste erlittenen Schaden direkt oder indirekt ersetzen soll, dann wird die Aktie noch weiter einbrechen. Spannend wird es nur, wenn man an das Vermögen der Altbesitzer bzw. der Emissionsbanken heran kommt. Groupon selbst könnte durch die nun zu erwartende rechtliche Auseinandersetzung sogar ans Ende kommen. Anderen Gründern, die an die Börse wollen, haben sie damit übrigens einen echten Bärendienst erwiesen.

Hier abschließend die Bewertung des Muppet-Faktor des Börsengangs (nicht der Dienstleistung) von Groupon (Erläuterung zur Bestimmung hier):

1. Komplexität der Leistung und Umfang der Mitwirkung: 1 Punkt

Um das Produkt zu verstehen, benötigt man eine gute Allgemeinbildung und/oder ein wenig Erfahrung (1 Punkt). Hier könnte man auch 2 Punkte vergeben, weil die Profitabilität des Geschäftsmodells offenbar reine Spekulation ist.

2. Informationsasymmetrie zwischen Anbieter und Kunde 1 Punkt

Über den Börsengang gab es zwar einen ausführlichen Prospekt und diverse öffentlich zugängliche Informationen, aber längst nicht alle Daten lagen offen. Auch hier spiel die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung eine Rolle.

3. Häufigkeit der Inanspruchnahme 1 Punkt

Die Dienstleistung IPO wird zwar nur einmal in Anspruch genommen. Die meisten börsennotierten Gesellschaften wollen sich aber die Möglichkeit offen halten, später noch einmal das Kapital über die Börse zu erhöhen.

4. Wettbewerbsintensität: 2 Punkte

Zum Zeitpunkt des Börsengangs gab es keine Alternative für Investoren, die glaubten, man müsse in solche Unternehmen investieren

5. Persönliche Anreizsysteme: 2 Punkte

Die Alteigentümer von Groupon haben sehr durch den Börsengang profitiert und hatten sogar die Aussicht, Milliardär zu werden.

Summe: 7 von 10 Punkten

Das ist ein Wert, der zu hoher Vorsicht mahnen sollte. Ähnlich würde übrigens der Muppet-Faktor für den Börsengang von Facebook aussehen. Je höher der Muppet-Faktor eines Produkts ist, desto höher ist das Potenzial bzw. sind die Anreize, dass man als Käufer übers Ohr gehauen werden könnte.

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