Das große Match um Mobile Payment (1): Was wird gespielt?

by Dirk Elsner on 13. April 2012

Eine Einleitung zu dieser Beitragsreihe gab es bereits gestern. Daher kann es sofort losgehen.

Mobile Payment ist mehr als eine Vision

Mobile Payment elektrisiert die Tech- und Webwelt [1]. Was damit gemeint ist, zeigt das folgende Video viel besser als lange theoretische Einleitungen [2]. So stellen sich viele die Zukunft des Einkaufens und des Bezahlens[3] vor (hier in der in der PayPal Version):

Ähnliches Videos gibt es hier von Google oder dieses von ISIS.

Der Blog engadget stellt in diesem Video die Funktionsweise der Google Wallet an einem Cola-Automat vor[4].

Clover stellt in diesem Video die simple Geldübertragung zwischen zwei Smartphonenutzern vor.

Und auch das schwedische Start Up iZettle stellt sein Konzept der mobilen Kreditkartenannahme hier in einem Video vor.

All diese Videos zeigen, was mit mobilen Endgeräten bereits jetzt machbar ist. Daraus wird deutlich, dass diese Formen der Bezahlung längst keine Visionen mehr sind, sondern Realität werden.

Technische Voraussetzung für die hier gezeigte Umsetzung ist meist die sogenannte Near Field Communication (NFC). Das ist derzeit die gehypte technologische Basis der Mobilbranche. NFC ist ein internationaler Übertragungsstandard, der den drahtlosen Datenaustausch zwischen Geräten ermöglicht, die mit einem entsprechenden NFC-Chip ausgestattet. Das erinnert zwar an Bluetooth und WiFi, jedoch muss man bei NFC die Geräte sehr nah aneinanderhalten (deswegen „Nahfeldkommunikation”), um zu einem Datenaustausch zu kommen. So soll sichergestellt werden, dass kein anderes Gerät die Daten “abfangen” kann.

Daneben gibt es viele weitere Formen des Mobile Payments und der Übertragungstechniken. Im Video ging es um das Bezahlen in Geschäften (= Point of Sale) oder zwischen zwei Privatpersonen. Unter Mobile Payment wird aber auch das kontaktlose Bezahlen mit Karten verstanden, wie dies etwa die Deutsche Kreditwirtschaft mit girogo gerade einführt. Daneben dient Mobile auch als Ersatz für die bisherige Abrechnungstechnik in Geschäften und für andere Übertragungsformate über mobile Endgeräte, für die nicht zwingend NFC eine Voraussetzung ist[5]. Eine großartige Übersicht hat vergangenes Jahr die Webseite mobile payments today erstellt.

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Für die volle Ansicht bitte auf die Grafik klicken (Quelle der Grafik: mobile payments today)

Im Idealfall, so die Vision, soll Mobile Payment mindestens genau so bequem wie Bargeld funktionieren. Im Vergleich zur Barzahlung aber auch zur Scheckzahlung offenbaren die neuen Anbieter den Kunden zusätzliche Komfort für Zahlungsvorgänge. Die Kehrseite: Die Kunden geben damit deutlich mehr Informationen preis als mit der anonymen Barzahlung[6].

Mobile Payment im Zentrum des Next Bankings

Mobile Payment ist im Prinzip nur ein kleiner Ausschnitt aus einer Reihe von Bezahlverfahren, die das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik einmal so kategorisiert hat[7].

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Quelle: Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

In der von mir regelmäßig gepflegten Mindmap des Next Bankings nehmen die Neuerungen im Zahlungsverkehr mittlerweile eine zentrale Position ein. Die Entwicklungen sind so vielfältig, dass ich zur besseren Übersicht daraus eine eigene Map erstellt habe, die nur die Entwicklungen im Next Payment zeigt. Dazu gehören auch Online-Bezahlverfahren gehören. Diese stehen zwar hier nicht im Zentrum[8], viele neue Anbieter spielen aber zweigleisig: online und mobile. Die Entwicklungen im Mobile Payment findet man hier vor allem in den Ästen Web/Mobile und NFC.

Zum Navigieren in der Map auf Vergrößern klicken oder über diesen Link in einem neuen Fenster öffnen

Diese Mindmap wird ständig aktualisiert. Und ich freue mich über Hinweise via Kommentarfeld oder Google+ oderTwitter.

Weitere aktuelle Beiträge nebst interessanter Infoquellen habe ich hier zusammengestellt.

Im nächsten Beitrag schaue ich auf die großen Spieler und wo Mobile Payment boomt und wo nicht.


[1] Die Aktivitäten um das mobile Bezahlen sind nicht neu. Bereits seit Mitte der 90er Jahre, schreibt die WebseiteWIMobile, “wurden Anstrengungen unternommen, das Mobiltelefon im Bereich des B2C für Bezahltransaktionen einzusetzen. Diese Art von Verfahren wird als Mobile Payment bezeichnet. Die ersten Bemühungen im Mobile Payment beruhen auf der Tatsache, dass das Mobiltelefon dank seiner speziellen Eigenschaften, seiner weiten Verbreitung in der Bevölkerung sowie des Nutzerverhaltens für Bezahlaktivitäten besonderes geeignet ist.”

[2] Einige sehr grundlegende Überlegungen nebst Definition haben Robin Contius, Robert Martignoni in ihrem etwas länger zurück liegenden Workingpaper “Mobile Payment im Spannungsfeld von Ungewissheit und Notwendigkeit” aufgeschrieben. Ein aktuelleres Whitepaper gibt es von Microsoft und M-Com.

[3] Unter Zahlung versteht man übrigens, jemand anderem willendlich Zahlungsmittel zur Verfügung zu stellen. Die Zahlung dient in der Regel der Erfüllung einer Geldschuld, z.B. der Zahlung eines Kaufpreises, der Zahlung eines Schadensersatzes oder der Auszahlung eines Darlehens (Wikipedia).

[4] Von Engadget gibt es hier außerdem einen ausführlichen Erfahrungsbericht zur Google Wallet.

[5] So nutzt der US-Dienst Square etwa die sogenannte Geofencing-Technologie. Mehr dazu im nächsten Beitrag. Es gab und gibt zum Teil weitere Techniken, wie etwa QR- und Barcodes, SMS, Spracheingabe oder Übermittlung von Zahlencodes durch das Tonwahlverfahren. Siehe auch Jay Donova auf Techcrunch zu der Frage, ob die Zukunft ausschließlich auf NFC basiert in: Do We Even Need NFC For Mobile Payments?

[6] Aber auch für Barzahlungen wird die Anonymität immer häufiger eingeschränkt, vor allem wenn Kundendaten genutzt werden.

[7] Vgl. Studie “Sichere Zahlungsverfahren für E-Government” v. 10.5.2005. S. 6. Dort und auf den folgenden Seiten werden diese Verfahren genau erläutert.

[8]. Siehe dazu aber dieses ausführliches Special auf PC Welt Online.

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