Blick Log Retro: Wie die Propheten der Ökonomie danebenliegen

by Dirk Elsner on 25. Juli 2012

Die Sommerpause im Blick Log ist noch nicht zu Ende. Überbrückt wird die Auszeit mit bereits erschienen Beiträgen, die ich immer noch für aktuell halte oder die in anderer Weise einen Bezug zu aktuellen Ereignissen haben.


Im Beitrag “Geschäftsmodell Schwarzsehen: Die düsteren Propheten der Ökonomie relativierte das Handelsblatt die Wirtschaftsgurus. Matthias Eberle und Dirk Heilmann schreiben über prominente “Experten”, die ihren Promibonus vor allem dadurch erreicht haben, dass sie mehr oder wenig genau bestimmte Ereignisse vorhergesagt haben. Wirtschaftsmedien neigen dann dazu, diese “Experten” unkritisch in einen “Gurustatus” zu  befördern und ohne Distanzierung für die düster klingenden Prognosen als Presseverteiler zu arbeiten.

Eberle und Heilmann schreiben u.a.

“Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat ganze eine Schar ultrapessimistischer Außenseiter-Ökonomen zu Stars gemacht. Auch Marc Faber oder Nouriel Roubini haben sich so einen Namen gemacht. Und sie verdienen prächtig mit ihren düsteren Prophezeiungen zu Inflation, Immobilien- und Börsen-Crash – obwohl die Welt nicht wie versprochen untergeht.”

In dem Beitrag porträtieren Eberle und Heilmann folgende “Analysestars”:

Meredith Whitney – Die Quotenkönigin
Nouriel Roubini – Dr. Untergang
Marc Faber – Der Goldfinger
Jim Rogers – Der Notenbankfresser
Robert Shiller – Der Feinsinnige
Paul Krugman – Der Krawallmacher
Nassim Taleb – Der Doppelzüngige

Ich persönlich würde freilich Shiller und Taleb nicht zu denjenigen zählen, deren Profession Vorhersagen sind. Sie sind Fachleute, die sich mit Risikomanagement auskennen und ständig auf Risiken hinweisen. Beide lehnen es ab Prognosen abzugeben.

Eberle und Heilmann schließen ihre lesenswerte Untersuchung mit folgendem Fazit:

“Ob Taleb, Faber, Rogers, Shiller, Krugman, Roubini oder Whitney – das Problem erfolgreicher Propheten ist stets, den Erfolg zu wiederholen. Nur wenige Prognostiker haben mehrmals nacheinander an bedeutenden Wegmarken der Wirtschaftsgeschichte den richtigen Weg gewiesen, und ihr Ruhm kann schnell verblassen. Kaum mehr jemand erinnert sich beispielsweise an Elaine Garzarelli. Die Analystin von Shearson Lehman sagte einmal den Schwarzen Montag von 1987 voraus und wurde, nachdem er tatsächlich die Wall Street ereilt hatte, über Nacht zur gefeierten Prognostikerin. 1995 gründete sie ihre eigene Firma, Garzarelli Research. Heute fragt sie kaum mehr jemand im Fernsehen um Rat, nun haben Whitney und Roubini, Krugman und Rogers ihre Sendeplätze bei CNBC, Fox und Bloomberg News übernommen. Bleibt die Frage, für wie lange?”

Aber nicht nur die Prominenz hat Probleme mit Vorhersagen. Hans Christian Müller berichtet im Beitrag “Warum Börsenprognosen so oft daneben liegen” über eine Studie, die sich mit der Treffsicherheit von Finanzmarktforscher, Analysten oder Fondsmanager befasst. Auch hier fallen die Ergebnisse wenig schmeichelhaft aus.

Die Ergebnisse der beiden Texte kommen für den Blick Log und wohl für viele andere Beobachter nicht überraschend, denn es gibt keine Modelle, die die Zukunft für Börsen und die Ökonomie treffsicher vorhersagen können. Und ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Es wird solche Modelle auch nie geben. Die Wirtschafts- und Kapitalmarktwelt mit ihren Millionen Akteuren ist viel zu komplex. Turbulenzen, Rückkopplungen zwischen den Teilnehmern und vom ökonomischen Modell abweichendes Verhalten machen es unmöglich, präzise Modelle zu entwickeln, die dauerhaft langfristig richtige Vorhersagen liefern.

Der Komplexitätsforscher Klaus Mainzer bestätigt dies in seinem Buch “Komplexität (Paderborn 2008). Er schreibt dort im Abschnitt über das Gleichgewicht von Finanzmärkte (S. 80):

“In einer Kausalanalyse könnte man versuchen, die Kurse von Aktien und Anleihen durch Ursache und Wirkung wie in der Mechanik zu erklären: Etwas geschieht, darauf reagieren die Kurse aufgrund des Kaufverhaltens von Millionen von Börsianern, was wiederum Unternehmensentscheidungen beeinflusst, die auf politische Entscheidungen nehmen, worauf die Kurse wieder reagieren etc. Im Nachhinein kann im Einzelfall das verwickelte kausale Wechselspiel vielleicht mehr oder weniger zutreffend rekonstruiert werden. Der Einzelfall lässt sich aber nicht vorhersagen, da wir nicht alle Anfangs- und Nebenbedingungen kennen können.”

Das schließt natürlich nicht aus, dass es immer wieder Modelle und Marktteilnehmer gibt, die richtig prognostizieren. Ob es an ihren persönlichen Fähigkeiten, ihrer mathematischen Kenntnis, an ihrer Intuition oder einfach nur am Faktor Zufall liegt, muss jeder selbst beantworten.

FDominicus Juli 25, 2012 um 06:10 Uhr

Eben weil die Zukunft nicht vorhesagbar ist sollte man es jeden auf Seine Art versuchen lassen und sich „raus“ halten. Solange man sich an einfachen Regeln hält schadetes das keinem. Aber sehen Sie es mal aus einem anderen Gesichtspunkt. Wie war es mit Deutschland ohne Wald? Wie ist es derzeit neben dem alternativlosen Euro mit der absolut katastrophalen (weil eben menschengemachten) Klimaerwärmung.

Ganze Industrie und NGOs sind nur aufgrund von derartigen „Vorhersagen“ enstanden und, wie man sehen kann, kämpfen nun bis auf’s Blut gegen die Skeptiker.

Im Eurobereich wird es immer klarer die fundamentalen Aussagen gewisser Schulen haben es genau getroffen. Und zwar nicht nur einmal sondern immer und immer wieder das Schema ist doch „altbekannt“

Erst ein, dann zwei dann Tausende von Krediten mit einer Wachstumskurve die man nur noch krank nennen kann. Immer hektischere Reaktionen und immer mehr Eingriffe bis am Ende der Zusammenbruch steht. Dann setzen sich wieder „normale“ Vorgänge fort.

Wir haben es so oft gesehen wie zuviel Kredit (und damit seit bald mehr als 100 Jahren) Geld gedruckt wird. Der Boom zieht an es wird und verkündet normale Bewertungen seien nicht mehr angebracht und es gäbe nur noch Prosperität. Und keine Dekade später befinden wir uns in tiefen Löchern.

Ja ich erinnere mich auch an diese Frau Garazelli, auch damals war sie mir aber mehr oder minder egal. Und von Krugman brauche ich nur ein paar Sätze zu lesen und weiß, der bekommt es niemals nicht gebacken.

Schlangenölverkäufer hatten zu allen Zeiten ein gewisses Auskommen, und zwar solange bis die wirklichen Kleider erkannt werden. Von den heutigen Volkswirtschaftlern kann man leider (fast) alle vergessen. Korporatismus und staatlich Angestellte, das sind die Meinungsführer. Diese haben eben auch die Politiker mehr oder minder im Griff.

Schauen Sie sich doch die Reden vom kaputtsparen an sobald auch nur ein ¢ weniger fliessen soll ist doch gleich Katastrophe angesagt. Die Katastrophe kommt weil eben die extremen Kreditzuwächse nicht verringert und umgekehrt werden.

Griechenland und Spanien werden einfach nur unter Ihren Schulden zusammenbrechen…

Comments on this entry are closed.

Previous post:

Next post: